Full text: Hessenland (16.1902)

Zerbst-Mnung. 
Stet] hin, wie die Wälder sich lichten, 
wie's kferbstlaub wirbelt im wind, 
wie's fällt und sich aufhäuft zu Schichten, 
Die des Lenzes Grabhügel find. 
Ja, der Lenz wird zu Grabe getragen, 
Doch wie feierlos, klanglos, wie arm 
Hub in’s bferz schleicht ein weh, nicht zu sagen, 
wie Gemahnen an künftigen lharm. 
Frühlingsfarben und Lichter und Lieder, 
Ach, wie fällt's euch zu missen so schwer! — 
Wohl, der Lenz aufersteht ja einst wieder, 
Aber du siehst vielleicht ihn nicht mehr. 
vielleicht kainst Du dann schon zum Ziele 
Und er schmückt nur mitleidig dein Grab, 
Für den es der Winter — wie viele, 
Der Lenze wie wenige gab. — 
Richard Jordan ch. 
Leuchtturm der Liede. 
Ich weiß einen Ljafen iin Sturmgebraufe, 
Den meine Seele mit Rührung nennt. 
Ich weiß eine wunder-trauliche Klause, 
wo lnich Treue erwartet .... wo die Lampe brennt: j 
Kehr' ich abends heim auf umwehten wegen, 
verbargen in Wolken die Sterne sich, 
Glänzt inir ein Fenster verheißend entgegen — 
wie ein Leuchtturm der Liebe grüßt es mich \ 
Tiuen Lichtschein seh' ich iu’s Dunkel fallen 
0 glücklich, wer so ein Fenster kennt, 
Tinen Vasen, den trautesten Winkel von allen, 
Wo ihll Treue erwartet .... wo die Lampe brennt! 
Ravolzhausen. Sascha €lia. 
Vor dem Kamin. 
Die fliegenden Flammen 
von: roten Kamin 
Schlagen 
Uber den Tinsaineil hin, 
Uber den Träumer, 
Der vor ihnen sitzt, 
Durch dessen Seele 
Tin Feuer blitzt. 
Seid ihr des inneren 
Widerschein? 
Schlagt ihr heraus? 
Schlagt ihr herein? 
Feuer, du himmlisches, - 
veiliger Geist, 
Sei du die Flaiiline, 
In deren Gluten 
Aus tausend Teilen 
Mein ewiges Sein sich zusaminenschweißt. 
Bberklingen. Karl g rnst KllOdt. 
* » *
	        

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