Full text: Hessenland (16.1902)

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und 1749, also die dritte wenige Jahre vor dem 
Tod und die vierte beinahe zwei Jahrzehnte 
nach dem Tode des Landgrafen Karl, im Druck 
erschienen. Sodann soll nach Hossmeister I 
Guernieri nochmals mit zwei Stukaturarbeitern 
— nach Rommel war dies, im Jahre 1731 — 
in Kassel gewesen sein, um Älteres auszubessern 
und Neues auszuführen, allerdings ist dies aus 
fallend, da er, wie schon erwähnt, viele Feinde 
hatte und ihm insbesondere der Erbprinz unb Thron 
folger nicht zugethan war. Nach Rommel hat 
sich auch — was erst auf den Bau in seiner Voll 
endung paßt — eine Bußpredigt eines eifrig 
frommen Predigers erhalten, in welcher der 
heidnische Herkules, nachher im Munde des Volkes 
der große Christoph (der freilich in die beim 
Oktogon dargestellte griechische Mythologie nicht 
hineinpaßt), als ein Teuselswerk perhorresziert 
wird. Wohl aber bewahrheitete sich der Vorwurf, 
daß man zu der eigentlichen Grotkenanlage nicht 
dauerhafte Steine, sondern der Verwitterung aus 
gesetzten Basalttuff genommen habe, insofern, als 
wiederholt Ausbesserungen notwendig geworden sind. 
Die nach der kurhessischen Verfassung vom 
5. Januar 1831 gebildeten Landstände haben in 
verschiedenen Jahren große Summen für die 
Erhaltung des national gewordenen Riesenwerks 
verwilligt, nachdem die Wasser der Kaskaden 
längere Zeit vorher nicht mehr hatten angelassen 
werden können. x ) 
h Piderit - Hoffmcistcr: Geschichte von Kassel (1882), 
Hoffmeisters gesammelte Nachrichten, S. 37.) 
Rommel a. a. O. Bd. X, S. 159, Anmerk. 
L>. 241, Anmerkg. 
(Fortsetzung folgt.) 
Unö noch einmal: Oie Hessen in Amerika! 
Von Carl Pr es er. 
Ob sie wohl jemals zur Ruhe kommen werden — 
„die Hessen in Amerika"? Ich verliere den 
Glauben daran. Zwar war ich der Meinung, 
mit meinem „Soldatenhandel in Hessen" *) wenigstens 
mancher Feder die Spitze abgebrochen zu haben, 
aber auch das scheint vorerst nicht der Fall zu 
sein, denn schon wieder liegt uns ein ziemlich 
umfangreiches Buch von 250 Seiten vor, dessen 
Inhalt zu einer Abwehr auffordert. Das Buch 
führt den Titel: 
„Die Hessen und die anderen deutschen Hilss- 
truppen im Kriege Groß - Britanniens gegen 
Amerika 1776 — 1783. Nach dem Englischen 
von Edward I. Lowell, mit Autorisation 
des Verfassers herausgegeben von O. C. Frei 
herr n v o n V e r s ch u e r, Major z. D. Braun 
schweig und Leipzig, Verlag von Richard 
Sattler, 1901." 
Freilich hat mein „Soldatenhandel" aus das 
amerikanische Original dieses Buches noch nicht 
von Einfluß sein können, denn schon in der Schrift: 
,.American History from German Archives'* by 
J. G. Rosengarten sand ich auf der ersten 
Seite, in einem Vortrage vom 16. April 1900, 
das Lowellsche Buch erwähnt, während meine 
Schrift, so viel ich weiß, erst im Mai 1900 in 
amerikanischen Kreisen bekannt wurde. Anders 
dagegen verhält es sich mit der Übersetzung. 
*) Marburg. N. G. Elwertscher Verlag. 
Diese erschien erst kürzlich, konnte also, aus Grund 
der neueren Litteratur, Berichtigungen oder Er 
gänzungen anfügen. Statt dessen empfangen wir, 
ohne genügende Erklärung über Zweck und Ziel 
— denn Bankrost „in Einzelheiten" zu ergänzen 
kann wohl nicht ernstgemeint sein —, statt dessen, 
sage ich, empfangen wir die reine Übertragung aus 
dem Englischen eines Amerikaners, der uns nicht 
etwa das Resultat neuer wertvoller amerikani 
scher Forschungen bietet, sondern im wesentlichen —, 
doch ich will nicht vorgreifen, er mag selbst reden: 
„Zwei Geschichtschreiber", sagt Mr. Lowell, 
„sind unter denen, die diesen Gegenstand behandelt 
haben, besonders hervorzuheben. Der eine ist 
Fritz Kapp Diesem (!) Buche (!) 
verdanke ich sehr viel Der andere 
Geschichtschreiber ist Max von Elking Haupt 
mann in Sachsen-Meiningenschen Diensten . . . . 
Seine zwei Werke stellen die Geschichte vom deut 
schen Standpunkte (!) dar. Wenn Hauptmaun 
von Elking so viel Sorgfalt im Gebrauche des 
Materials, als Fleiß in der Sammlung desselben 
entwickelt hätte, so würden seine Werke sehr 
wertvolle Beiträge zur amerikanischen (!) Ge 
schichte sein. Ich habe ihn oft (!) benutzen 
müssen rc." 
Was also haben wir Deutschen von einem 
Buche zu erwarten, dessen Autor selbst einräumt, 
sein Material aus den Quellen unserer eigenen, 
viel genannten und allbekannten, Schriftsteller ge-
	        

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