Full text: Hessenland (16.1902)

315 
6ro$$muttm Magnet 
„Bleibe, mein Knabe, Du keckster von allen, 
Bleibe beim Vfen im Stübchen drin: 
Über die herbstliche Miese wallen 
Nebelumschleierte Geister hin. — 
Graue, verkrüppelte Meiden strecken 
Ihre Arme nach Beute aus ... . 
Knabe! an allen Enden und Ecken 
Kauern und lauern Schrecken, o Graus, 
Fangen Dich an den Hangenden Locken, 
Mcil Dil so blond, so rosig und weis; . . . 
Durch die Gründe, in Schlafrock und Socken, 
Schleicht der verwitterte Regengreis . . . 
Im Walde krächzt eilt pechschwarzer Rabe 
Eine uralte, schaurige Melodie." . . . 
Furchtsant schmiegt sich der Enkclknabe 
An der Großmutter Knie — — 
1\ a i) o I j I) a ii s c ii. 
Und die Ahne erzählt nun von Kronen und Ringen, 
Bon Meergrund-Palästen, aus perlen gebaut, 
Bon Silberbergen, die im Mondlicht klingen, 
Bom Prinzen Eiswind, von Wassermanns Braut, 
vom perzog Maitraum und seinen Rittern, 
Die blütcnbckleidete Bäume sind, 
Bon Blumen-Thränet!, die iin Mesthauch zittern 
Begierig lauscht das Kind 
Und hat den trotzigen Wunsch vergessen, 
Nach dem regennassen Anger zu gch'n . . . 
Lang' hat es zu Großmutters Füßen gesessen 
Und lauschend ihr nach den Lippen geseh'n, 
— Eine Augenweide der würdigen Alte», 
Schön, wie ein Engel der piminelsleitcr — 
Und hat gedrängt, wenn sie inne gehalten: 
Sascda fclta. 
„ Gro ß m utter, weiter! 
-4X4- 
Aus alter und neuer Zeit. 
Von der grünen Couleur. In den „Blättern 
zur Geschichte des siebenjährigen Krieges", die in 
Nr. 7 des laufenden Jahrgangs dieser Zeitschrift 
veröffentlicht worden sind, wurde der besonderen 
Tüchtigkeit der hessischen Jäger gedacht. Einen 
weiteren Beweis, welchen großen Eindruck dieselben 
durch ihr gutes Feuer im Tressen bei Sanders- 
Hausen ans ihre Gegner gemacht, zeigt uns eine 
originelle Verordnung des Chevalier Tn Muy 
vom 24. Januar 1762, wonach zwar die grüne 
Farbe für die Forstleute immer noch verboten bleiben 
soll, an Stelle derselben jedoch nun statt der be 
fohlenen roten graue Kleidung vorgeschrieben wird! 
Diese Verordnung*) wurde den hessischen Ämtern 
von der hessischen Regierung wie folgt mitgeteilt: 
*) Sie lautet im Original: 
„Sur la Représentation, faite par Mrs. de la Régence 
de Casselles, à Mr. le Maréchal de Broglie, que les 
habits rouges, dont il ordonnait, que les Chasseurs 
du païs de Hesse fussent vêtus, couteroient fort cher 
aux dits Chasseurs, seraient en même-teins contraires 
à la Chasse et de plus trop semblables aux uniformes 
Hannovriens; et sur la demande, qu’ils lui ont faite, 
de substituer un habit gris, à l’habit verd dont ils 
étaient vêtus auparavant, ce Général a mandé à Mr. 
le Chevalier Du Muy, Lieutenant-Général des Armées, 
Commandant celle du haut Rhin, en son absence, 
qu’il consentait à ce changement et qu’il trouvait 
bon, que les dits Chasseurs de la Hesse fussent vêtus 
en couleur grise. 
Fait à Casselles le 24 Janvier 1762. 
Le Chevalier du Muy. 
Par Mr. le Lieutenant-Général 
Petit.“ 
„Unsern günstigen Gruß und freundlichen Dienst 
zuvor, Edle und Beste, gute Freunde! 
Nachdem voilt Herrn Marecbal Duc de Broglie, 
aus die bey Selbigem geschehene Vorstellung besag 
hierneben gedruckter schriftlicher Declaration, zu 
gestanden. auch respective vor gut befunden worden, 
daß die Förster und Jäger im Lande, statt derer 
vorhin befohlenen rothen Röcke, sich nnumehro grau 
kleyden, keineswegs aber sich grüner Röcke bedienen 
sollen. Als habt Ihr solches denen in Eurem 
Gericht befindlichen Jagd- und Forst-Bedienten, zur 
Nachricht liitb Achtung, sordersamst bekannt zu 
machen. Versehens Uns und seynd Euch übrigens 
günstig und freundlich zu dienen geneigt. 
Cassel, den 26. Jannarii 1762. 
Fürstl. Hessische Regierung 
daselbsten." 
Bezieht sich diese Verordnung zwar nur ans 
die nicht iin militärischen Verbände stehenden Jäger, 
so hat dieselbe doch ihre Veranlassung in der Furcht, 
daß die hessischen Förster und sonstige Jagdbedienstete, 
wenn sie grüne Uniformen trügen, sich um so 
leichter mit den gefürchteten feindlichen Jägercorps 
„vermengen" könnten — und vor diesen hatten die 
Franzosen einen gar gewaltigen Respekt. 
In der Neuzeit haben die Jäger- und Schützen- 
formationen der deutschen Heere durch Einführung 
eines vortrefflichen Gewehres für das gesamte Fuß 
volk und die allgemeine Ausbildung desselben für 
das zerstreute Gefecht und den Sicherheitsdienst 
zwar nicht mehr die frühere große Bedeutung,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.