Full text: Hessenland (16.1902)

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hat. geriet Major von Reil ly beim Regiment 
von Bose bei der Kapitulation von Yorktown 
am 19. Oktober 1781 in Gefangenschaft. Rach dem 
Friedensschluß findet Oreilly oder Neil ly sich 
als Major bei dem genannten Regiment noch bis 
einschließlich des Jahres 1789. Im darauffolgen 
den Jahre sieht er in gleichem Rang bei dem 
Regiment Prinz Karl und verschwindet dann aus 
dem Staatskalender. Zwei Fähnriche von Oreilly. 
Karl Leopold und Friedrich Ferdinand, 
werden 1787 und 1788 bei den Regimentern 
von Ditfurth und von Donop, später bei den 
Regimentern von Hanstein und von Kospoth 
geführt. 
vorn Kasseler Hostheater 
VI. 
Ein volles Vierteljahr ist nun seit dein Anfang der 
neuen Spielzeit schon ins Land gegangen, und wenn ich 
mich hinsehe, um das in dieser Zeit Gebotene zusammen 
zufassen. so entringt sich mir nur dieselbe Klage, die ich 
vor gerade einem Jahre an dieser Stelle ertönen lassen 
mußte, nämlich die über den fast vollständigen Mangel 
an Neuem. Während wir in den Zeitungen lesen, daß 
in Berlin. Wien, München, Dresden und selbst an kleineren 
Theatern wie Dessau allwöchentlich neue dramatische Werke 
dem Publikum geboten werden, müssen wir uns hier, 
abgesehen von den Aufführungen klassischer Meister 
werke. begnügen mit Werken wie „Mein Leopold", „Im 
weißen Rößl", „Der Fechter von Ravenna" u. a. und 
als neueste Neuheit bringt man uns Meyer-Foersters 
rührseliges, im vorigen Jahre in Berlin und anders 
wo schön über zwölfhundert Male aufgeführtes Schau 
spiel „Alt-Heidelberg", in das der Verfasser seinen 
von prinzenerzieherischer Weisheit triefenden Roman „Karl 
Heinrich" verwandelt hat. Doch halt! — beinahe hätte 
ich ja Walter Bloeins Verskomödie „Sch na pp Hähne" 
vergessen, was man mir allerdings nicht verübeln darf, 
da das Merkchen thatsächlich so wenig markant ist, daß 
das Gedächtnis sich keine Mühe damit gibt, es zu bewahren. 
Und diese beiden Erscheinungen sind die einzige Ausbeute 
ans der dramatischen Weltlitteratur der letzten Jahre, die 
hier innerhalb dreier Atonale gemacht worden ist. Als 
eine gewisse Entschuldigung könnten allerdings die großen 
Personalveränderungen gelten, wenn wir nicht in den neu 
verpflichteten Kräften znm größten Teil vollwertige Künstler 
gewonnen Hütten, die auch sicher gern ihre Kraft einsetzen 
würden, um Neues zu bieten, Namentlich in den beiden 
Vertretern der ersten Rollenfächer besitzen wir jetzt in den 
Herren Bvhnöe und Wolfram ernsthaft strebende 
Künstler, die sich nicht mit dem Althergebrachten und 
Konventionellen zufrieden geben, sondern auch noch den 
älteren und oft gesehenen Rollen den Stempel eigener 
Arbeit und eigenen Nachdenkens aufzudrücken verstehen. 
Auch die neuen Vertreter komischer Rollen, die Herren 
Bonin und Schlvtthauer, stellen ihren Mann, wenn 
es auch dem letzteren schwer werden dürfte, seinen Vor 
gänger Herrn D em me bei uns vergessen zu machen, in 
dem wir leider einen der besten, wenn nicht den besten 
Schauspieler verloren haben, den wir seit langer Zeit den 
unsern nennen konnten. Das Fach der Heldenmütter ist 
nun auch wieder endgiltig besetzt durch Fräulein Salta. 
die aber noch keine genügende Gelegenheit gefunden hat, 
ihr Können gebührend zu entfalten. 
Auf dem Gebiete der Oper liegen die Verhältnisse 
anders, indem hier der Wunsch nach Neuem nicht in solch 
ausgesprochener Weise vorhanden ist wie beim Schauspiel. 
Wir haben da einen eisernen Bestand, der künstlerisch 
wertvoll ist und in den Minderwertiges nicht wie dort so 
leicht Eingang findet, nur weil es den großen Atasten 
gefällt und die Kassen füllt. Mit diesem eisernen Bestand 
kann man schon eine Zeitlang haushalten. Doch hört man 
aus den Kreisen der Opernbesucher und Musikliebhaber 
andere Klagen, denen man die Berechtigung nicht ab 
sprechen kann, diese beziehen sich auf die starke Beschäftigung 
einiger jugendlichen Mitglieder der Oper, die immer und 
immer wieder in neuen Rollen auftreten und deren Leistungen 
von der Kritik fast immer gewürdigt werden mit den ein 
leitenden Worten: „In Anbetracht der Thatsache, daß der 
jugendliche Künstler diese Rolle zum ersten Male singt . . ." 
oder „Mit Rücksicht auf die Jugend der Künstlerin oder 
des Künstlers u. s. w." Diese Würdigung klingt dann 
gewöhnlich in die Versicherung ans, daß diese „jugend 
lichen Künstler" voraussichtlich noch Herrliches leisten 
werden. Mit diesem Wechsel auf die Zukunft ist aber 
der ernsthafte Theaterbesucher nur recht teilweise zufrieden, 
ihm wäre mehr damit gedient, in jeder Hinsicht abgerundete 
Opernvorstellungen zu sehen, als sich an dem vorläufig 
noch nicht ganz' fleckenlosem Glanze aufgehender Sterne, 
und seien es solche erster Größe, zu erfreuen. Im Gegen 
satz zu dem eben Ausgeführten ist wohl allgemein die 
Nachricht von der weiteren Verpflichtung des Herrn Wuzel 
für unsere Bühne mit großer Freude begrüßt worden. — 
Erwähnt sei noch, daß Frau v. Mills -Milarta, das 
bewährte und geschätzte Mitglied unseres Schauspiels, am 
1. Oktober die Feier ihrer 40jährigen Zugehörigkeit zu 
unserm Theater begehen konnte. Sie spielte bei dieser 
Gelegenheit mit jugendlicher Frische die sympathische Rolle 
der Herzogin in Paillerons immer wirksamem Lustspiel 
„Die Welt in der man sich langweilt". Nach Schluß der 
Vorstellung vereinigte eine Feier die Mitglieder des Theaters 
auf der Bühne und Herr Intendant v. Gilsa überreichte 
der Jubilarin einen goldenen Lorbeerkranz, den die Kol 
legen zur Erinnerung an diesen Tag gestiftet hatten. 
Ich schließe diesen Bericht mit dem Wunsche, daß die 
noch folgenden zwei Drittel der Spielzeit den beklagten 
Mangel des ersten recht umfangreich ausgleichen mögen. 
A. K. <5.
	        

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