Full text: Hessenland (16.1902)

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Hessen bereit waren, dahin zn marschieren. Endlich 
wollte es das Unglück, daß Howe den Bitten 
Donops nachgab. Mittlerweile belagerte die eng 
lische Flotte in Verbindung mit einigen an den 
Ufern des Delaware errichteten Batterien die Insel 
Mud-Island, die gegen die Mitte des Flusses 
zu liegt. Tie Rebellen hatten sie sehr stark be 
festigt und zur rechten und linken mit spanischen 
Reitern versehen. Zudem wurde Mud-Island noch 
durch das Fort Redbank derartig geschützt, daß 
alle diese vielfältigen Hindernisse den Zugang zu 
der Stadt Philadelphia blockierten, sodaß schließlich 
dort eine Hungersnot zu befürchten stand. Gut — 
Donop, mit seiner eigenartigen Miene, die er ehe 
dem auch am Kasseler Hof anzunehmen pflegte, 
kritisierte öfters, und ohne ein Blatt vor den Mund 
zn nehmen, die Führung der englischen Befehls 
haber. So war ich einmal zugegen, als er ironisch 
zum Lord Cornwallis sagte, daß die Belagerung 
von Mud-Island ihn an die von Olmütz in Mähren 
erinnere, das der König von Preußen vor einem 
Thijre belagert habe, während vier offen gestanden 
Hütten. Hören Sie nun meine Meinung: Ich denke, 
daß die Engländer um so lieber das Kommando 
dieser Expedition (Redbank) Donop übertragen haben, 
als sie sich der für sie schmeichelhaften Hoffnung 
hingaben, daß er, ohne etwas unternommen zu haben, 
wiederkommen, oder auch, daß er sich dort etwas 
die Finger verbrennen werde, und daß sie ihm 
alsdann mit Recht alle seine Vorwürfe zurückgeben 
könnten, aber ich glaube nun und nimmer, daß 
Howe ein solches Unglück vorhergesehen hat. Ich 
versichere Sie, mein Freund, daß, als ich mit Donop 
den Delaware überschritten hatte und bei Tages 
anbruch die Brigade allein sah, ohne Engländer, 
ohne Führer, ohne schweres Geschütz und ohne einen 
englischen General, mir vor den Folgen schauderte. 
Washington war Herr von unsern 5- oder 6000 
Mann. Auf dem Rücken keine Möglichkeit, das 
Land zu durchdringen, für den Fall, daß sich ein 
Unglück ereignete, und eher, als wir zum Zurück 
gehen vorbereitet gewesen wären, konnte cs uns 
geschehen, daß wir gleichmäßig zwischen zwei Feuer 
kamen. Gott weiß. ob die Sache sich nicht so 
gestaltet hätte, wenn Air. Bertöt, der uns viele 
Artigkeiten sagte, unterwegs aufgefangen worden 
wäre, denn derfelbe brachte die Nachricht von unserer 
Niederlage noch in derselben Nacht, wo die Kata 
strophe , stattgefunden, an den General Howe. 
Lenzing (Linsingen?) schickte ihn nach Philadelphia, 
und es ist ein Wunder, daß er durchkam. Howe zog 
ähnliche Schlüsse^ wie ich, denn am andern Morgen, 
am Tage unseres Rückzugs, setzte er, um denselben 
zu decken, mit 3000 Mann über den Delaware. 
Unterwegs hatten wir ein Scharmützel mit dem 
Feind. Ich habe einige Tage nach dem Treffen, 
so gut als es in meinen Kräften stand, einen kleinen 
Situationsplan von Fort Redbank entworfen, den 
ich Ihnen anliegend sende. 
Den 18. Januar. 
Da sich keine Gelegenheit fand, meinen Brief 
zu expedieren, habe ich ihn offen gelassen. Soeben 
erhalte ich nun Ihren lieben Brief vom 2., 14. 
und 18. August. — — Ich befinde mich, Gott 
sei Dank, wohl und das ist ein ganz besonderes 
Glück, denn man muß eine eiserne Gesundheit haben, 
um den Krankheiten zu entgehen, welche die fort 
währenden Streifzüge in der strengen Kälte, die 
unordentliche Lebensweise und die vielen Nächte 
erzeugen, die wir im Freien zubringen müssen 
ohne Zelte und ohne jegliches Gepäck. Die Eng 
länder haben ein Sprüchwort, daß ein jeder, der 
drei ähnliche Feldzüge mitgemacht hat, ein Greis 
ist, so ausreibend wirkt alles. Ich fühle auch schon, 
daß meine Gesundheit angegriffen ist, und Gott 
gebe, daß ich den dritten Feldzug gut durchmache. 
Unter uns, lieber Freund, ich muß gestehen, daß 
die Sache sich sehr in die Länge zieht und daß, 
wenn ich ein Mittel wüßte, um zurückzukehren, ich 
Sie bald in die Arme schließen würde. Da ich 
aber keine Verbindungen am Hofe habe, so habe 
ich auch keine Aussicht dazu, wofern nicht Ihr 
genialer Kops im Verein mit Herrn von Jungten 
irgend ein Mittel hierfür zu erfinden vermag; ich 
sehne mich wirklich sehr danach, meine Freunde 
und meine Familie wiederzusehen. Dies würde 
der größte Dienst sein, den Sie mir leisten könnten. 
Ihren Brief vom 20. November habe ich ebenfalls 
erhalten und bin Ihnen sehr verbunden für all die 
Neuigkeiten, die Sie mir mitteilen. Sie werden 
schon die Nachricht von der Niederlage und von 
der Gefangennahme der Armee Bonrgoynes, 
auf die man so große Hoffnungen gesetzt hatte, 
bekommen haben. Der Kongreß will die durch 
seinen General Gates gestellten Bedingungen nicht 
ratifizieren, und es würde Bourgoyne das traurige 
Los zuteil werden, mit seiner Armee gefangen in 
Boston zu bleiben. Es wird behauptet, daß die braun 
schweigischen Truppen zu seinem Mißgeschick viel bei 
getragen haben.*) Die Ansbacher sind, was ihre 
Figur betrifft, die schönsten Soldaten, die ich jemals 
gesehen habe, aber ohne Saft und Kraft, widerspenstig 
und pulverscheu. Von einer ihrer Grenadier-Kom 
pagnien beim Fort Mont Gommery erzählte mir ein 
englischer Offizier als Augenzeuge, daß ihr Kapitän 
nur 12 Mann zum Kampf hätte sammeln können; 
sie hatten einen langen Marsch geinacht und viele 
*) Nach der Darstellung Eelkings erscheint diese Be 
hauptung kaum begründet.
	        

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