Full text: Hessenland (16.1902)

Briefe eines hessischen Offiziers aus Amerika. 
Mitgeteilt von Karl Alexander Freiherrn Schenck zu Schweinsberg. 
(Schluß.) 
Philadelphia, den 22. Dezember 1777. 
Förmlich habe ich mich nach dem Angenblick 
gesehnt, mein geliebter Freund, wo ich Feit finden 
würde, um mich mit ruhigem Blut mit Ihnen zu 
unterhalten und Ihnen mit Überlegung meine 
Erlebnisse mitzuteilen und meine Ansicht gerade 
über diese Ereignisse, die Sie bereits gehört haben 
werden. Zwar werden Sie mir kaum glauben, 
wenn ich Sie versichere, daß ich während dieses 
ganzen Feldzugs blos zweimal Zeit gehabt habe, 
Ihnen zu schreiben, wenigstens mit etwas Vernunft 
Einzelheiten oder Umstände zu erzählen. Deshalb 
habe ich Frau von Bardeleben gebeten, mich zu 
entschuldigen, denn wahrlich, es muß doch für einen 
Mann von Ihrem Verstände langweilig sein, immer 
zu lesen „bene valeo“, denn dieses erfahren Sie 
von meiner Frau und Anderen. 
Nun will ich mit unserm schönen Kreuzzug von 
Redbank, wo (wie Sie sicher wissen werden) wir 
23 Offiziere und 378 Mann an Toten, Verwundeten 
und Gefangenen verloren*), beginnen. Der unglück 
liche Ausgang dieses Gefechtes hat so viel Lärm 
und Geschwätz sowohl bei den Engländern als auch 
bei uns verursacht, sodaß ich bemerkt habe, daß 
niemand den wirklichen Grund dieses Geheimnisses 
gesunden hat. General Howe und seine Kreaturen 
gaben Donop Schuld, indem sie behaupten, daß er 
hätte äbwarten sollen, bis die englischen Schiffe 
den Angriff ans die Galeeren der Rebellen begonnen 
hätten. Andere sagen, daß er nur Befehl zum 
Angriff gehabt hätte, falls er eine dazu passende 
Gelegenheit finden würde. Kurzum, alle möglichen 
*) „Die Amerikaner begruben 150 Tote und nahmen 
über hundert Verwundete auf. Der Verlust der Hessen 
war ein starker; die Grenadiere hatten die meisten Leute 
verloren, nach diesen das Regiment v. Mirbach, zusammen 
322 Mann. Die Jäger zählten 49 Tote und Blessierte. 
Von 26 toten und verwundeten Offizieren gehörten 22 zu 
den Grenadieren. — Lieutenant Rüster vom Regiment 
v. Mirbach, der selbst mit verwundet wurde. gibt den 
Verlust folgendermaßen an: 7 tote und 15 verwundete 
Offiziere und 397 tote und verwundete Unteroffiziere und 
Soldaten. — Von 63.verwundeten Gefangenen, die dem 
Feinde in die Hände fielen, waren schon am 20. November 
43 gestorben. Es fehlte bei den Amerikanern namentlich 
an guten Wundärzten." Eelking, Die deutschen Hülfs- 
truppen im nordamerikanischen Befreiungskriege. Band I, 
S. 222 f. 
verschiedenen Ansichten sind in der Armee darüber 
verbreitet. Die Beurteilung m einer Ansicht über 
dieses Unternehmen überlasse ich Ihnen. Sicherlich 
werden Sie denken, daß man oft in den Zusammen 
hang der Dinge und nicht in der Sache allein den 
Erfolg von gewissen Mißerfolgen suchen muß. Es hat 
lauge Zeit gedauert, bis das heftige und ungestüme 
Wesen des armen Donop wieder in Einklang mit den 
englischen Generalen, namentlich Howe und C o r n - 
wa l l is, gebracht war,welche sehr viel Nachsicht überall 
gegen ihn zeigten. Bei dem Gefecht von Brande- 
wine stellte man unsere Grenadiere 200 Schritt 
hinter die Englischen in zweite Linie. An diesem 
Tag war ich zu Pferd, da ich schlinune Füße hatte, 
und kam Donop, um mir ins Ohr zu flüstern, 
daß, sobald wir losmarschierten, ich ihm eine große 
Freude machen würde, wenn ich ein Mittel fände, 
wie unser Bataillon links aufmarschieren könnte; 
ich verstand ihn sogleich, und bat ihn, es mich nur 
ausführen zu lassen. In der That hatte ich unter 
dem einen oder anderen Borwand so gilt manövriert, 
daß unser Bataillon, als das Feuergesecht anfing, 
sich in gleicher Linie mit den Engländern, die im 
ersten Treffen gestanden, befand. Es war dies ein 
Geheimnis, wie Sie wohl sehen werden, denn 
niemand wagte die vom kommandierenden General 
ausgegebene ordre de bataille zu ändern; diese 
Teufel von Engländer gaben aber ein solch tolles 
Feuer aus den Feind und gingen so lebhaft mit 
dem Bajonett vor, daß die Rebellen davon flohen, 
ehe wir zum Schuß kommen konnten. Ich bemerkte, 
daß Donop hoch entzückt war, als er sah, daß 
unser Bataillon unmerklich auf dem linken Flügel 
der Engländer marschierte. Ich ritt rasch dahin 
und erregte den Glauben, daß unser rechter Flügel 
so bedrängt sei, daß er in Unordnung zu kommen 
drohe. Das war die Kriegslist, um Donops 
Ehrgeiz zu dienen, und ich versichere, daß ich es 
ebenfalls wünschte. ... Ein oder zwei Tage vor 
dem Gefecht von Redbank erfuhr Donop, daß man 
die Absicht hatte, Truppen nach Jersey marschieren 
zu lassen, weshalb er einen Brief an den General 
Howe schrieb, in welchem er dringend bat, ihm das 
Kommando zu geben, mit seiner Brigade allein 
diesen Marsch auszuführen. Es ist sicher, daß 
bereits einige englische Truppen mit einer Abteilung
	        

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