Full text: Hessenland (16.1902)

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am Steinweg) bei Gststwirt Werner wohl sein. 
Vor Abschluß des Abends mochte Herr General- 
Major Eisentraut noch Mitteilungen über seine 
aus Veranlassung der Königlichen Mnseumsdirektion 
gemachten Ausgrabungen bei Niedernrs. Nachdem 
bereits Freiherr Felix von und zu Gilsa bemerkens 
werte Funde daselbst gemacht hatte, waren in letzter 
Zeit durch den Dampspflug aus den Ländereien des 
Herrn Barons von Urs wiederum Anzeichen zu Tage 
gefördert worden, die weitere Untersuchungen lohnend 
zu machen schienen, da sie ans prähistorische Feuer 
stellen hinweisen. Tie gemachten Ausgrabungen haben 
dies bestätigt und dabei ein reiches Ergebnis von 
Gefäßscherben, Feuersteinen, Meiseln von Schiefer rc. 
gehabt. — Infolge des von Herrn Generalmajor 
Eisentrant gegebenen Anregung fand unter dessen 
Führung am 5. November eine Exkursion von etwa 
20 Mitgliedern des Geschichtsvereins nach dem vom 
Erdboden verschwundenen „Mattenberg" statt. 
Wie Georg Landau in seinen „Wüsten Ortschaften 
im Kurfürstentum Hessen" mitteilt, war Matten 
berg ein am gleichnamigen Hügel bei Oberzwehren 
und bei dem Frauenkloster Nordshausen gelegenes 
Torf, das in den Urkunden zuletzt noch 1309 als 
villa bezeichnet wird. Den Namen Mattenberg 
führte auch eine angesehene Bürgersamilie in Kassel, 
die im 14. Jahrhundert daselbst einen besuchten 
Gasthof besaß. 1429 war Kurt von Mattenberg 
Amtmann zu Gudensberg und Konrad Mattenberg's 
Witwe war 1762 Eigentümerin eines Hauses zu 
Marburg. — Bei der weiteren Ausgrabung des 
Brunnens, der beim Ban der von Kassel nach 
Naumburg in Angriff genommenen Eisenbahn bloß 
gelegt worden war, fanden sich nvch mittelalterliche 
Thonscherben und eine Anzahl Tierknochen vor. 
Universitätsnachrichten. Der bisherige 
außerordentliche Professor Di-. Kurt Hensel zu 
Berlin wurde zum ordentlichen Professor in der 
philosophischen Fakultät der Universität zu Marburg 
ernannt. — Der Professor der Nationalökonomie 
an der Universität Freiburg, Sieveking, hat 
einen Ruf nach Marburg angenommen. — Die 
physikalisch-mathematische Klasse der kgl. preußischen 
Akademie der Wissenschaften bewilligte Professor 
Dr. Max Bauer in Marburg zur Fortführung 
seiner Untersuchung des niederhessischen Basaltgebietes 
1200 Mark. 
Luise Braun f. Am 9. November starb zu 
Berlin die Schriftstellerin Frau Luise Braun. 
Sie war eine Tochter des Apothekers Stamm in 
der Löwen-Apotheke zu Kassel, später zu Gelnhausen, 
und verheiratete sich 1868 mit dem aus Eschwege 
gebürtigen Kaufmann Julius Braun in Kassel. 
Dieser wandte sich der Litteratur zu und gab als 
sein Haupt- und Lebenswerk „Schiller, Goethe und 
Lessing im Urteile ihrer Zeitgenossen" heraus. Bei 
demselben hat Frau Luise Braun ihrem leidenden 
Gatten, der nach Berlin übergesiedelt war, wo er 
schon 1895 starb, treu zur Seite gestanden. Sie 
war seine rastlose Mitarbeiterin und daneben selbst 
schriftstellerisch thätig. Ihr Buch über „Christo 
phine. Schillers Lieblingsschwester" ist erst kürzlich 
im „Hessenland" besprochen worden. Auch leitete 
sie die in Berlin erscheinende Zeitschrift „Schmuck 
und Mode". Sie hinterläßt zwei Söhne, Dr. Hans 
und Dr. Karl Braun, beide in Berlin wohnend. 
Kalender. Für das kommende Jahr liegen 
wieder zwei hessische B o l k s k a l e n d e r vor. 
Der von Pfarrer Heinrich Möller in Kassel heraus 
gegebene illustrierte „Hausfreund" (Verlag von 
Ernst Röttger in Kassel) bringt u. A. „Die Hessen 
im Volksmunde" und „Die Weidelsburg" von 
Dr. Fuckel, „Das Bruche das helft dach!" von 
H. Kranz, „Geschichte des kurhessischen Jäger 
bataillons Nr. 11" von Dr. C. Schwarzkopf sowie 
Beiträge von Landgerichtsrat Büff. — Der „ Alt- 
tz e s s i s ch e Volks-Kalender" von W. Hopf in 
Melsungen enthält als hauptsächlichen historischen 
Aufsatz: „Die hessische Kurwürde. Ihre Vor 
geschichte und ihre Feier im Mai 1803." 
Geschichts-Entstellungen. In dem von 
der L i st & Franke schen Buchhandlung in Leipzig 
soeben zur Versendung gelangten Antiquariats- 
Katalog Nr. 348 werden unter den Autographen, 
Nr. 1544, auch 6 Briese des Landgrafen Karl 
von Hessen-Kassel mit dem Zusatz „des Sol 
datenverkäufers" angeboten. Also auch der Land 
graf Karl muß sich diesen Titel gefallen lassen, 
wahrscheinlich um Liebhaber mehr für den Gegen 
stand zn interessieren. Der Merkwürdigkeit wegen 
sei noch angeführt, daß einige Nummern weiter 
auch ein Landgraf von Hessen-Nassau aus der 
Bildfläche erscheint, Friedrich Wilhelm, 1768—1816. 
Es wird damit Friedrich Wilhelm von Nassau- 
Weilburg gemeint sein.
	        

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