Full text: Hessenland (16.1902)

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Der Flurschütz atmete erleichtert auf. 
„Du mußt eilten harten Schädel haben. Wann ich 
einem eins auf den Grind geb', hat's geschellt." 
Der Justus brachte sich mühsam auf die Beine und ächzte: 
„Hättst Dn mich doch kaput gemacht." 
„£) ha!" 
„©tief, Daniel, ich sein wie bedäumelt gewest. Gest' 
Alittag sein ich losgekommen. Drei Monat haben meine 
Leut' nicht nach mir geguckt! Etz tret' ich ins Haus. 
Und rührt sich keins. Und mein' Frau hat ein Gift auf 
mich und hat die Kinder verhetzt, der Vater wär' zu nix 
mehr nutz. Ta sein ich Dir fort in einer Wut und wollt' 
vermordessern. was vor mich kam. Daniel, was hab' ich 
ausgestanden!" 
Die helle Verzweiflung sprach aus dem Mann. Da 
der Flurschütz schwieg, sah er ihn flehentlich an. 
„Daniel, ich bitt' Dich, führ mich etz ab. Nur nicht 
am Tag. wo die Leut' ein' neipeln." 
„Wer spricht dann von abführen?" that der Flurschütz 
erstaunt. „Ich schätz'. Du bist ein freier Mann." 
„Daniel!" schrie der Hobach auf und suchte zitternd des 
Flurschützen Hand. 
Ter aber sagte mit leisem Schüttern: 
„Justus, wenn Du sonst nix mehr verkerbe» willst, 
von mir aus geschieht Dir gewißlich nix. Was Du sell 
gethan hast, ist alleweil glatt. Tadrüber hat Dir keins 
uir mehr vorzuwerfen. Kopf hoch. Justus. Und etz geh 
heim!" 
Der Justus blieb erst wie versteinert stehen, daun 
wankte er dem Dorfe zu. Der Flnrschütz »ahm seinen 
Marsch wieder auf und schritt durch das nächtliche 
Revier. 
-42°-«- 
So meatte dorch. ) 
^Hinterländer Mundart.) 
Reachdom meacht nit gleeklich — Larmut oawer dreakt. 
Joa. 's hot bei Bäre 2 ) sealle reacht g'gleekt. 
Da. zwing'') meacht Soarge. z'viel eaS ugesoud. 
Meatte dorch — d'S Beste woaS m'r feanne konnt. 
Meacht d'S Geald die Herze kealt ean hoat wäi Slee. 
Breangt goar leacht die negste Mensch außenee; 
Ach, wäi mancher Geizhals soag ich schn ean Nut, 
Fra ean Kea» de gönnte nit d's droak'ue Brut. 
Meacht doach oach die Oarmut häi d'r grißte Streit 
Zesche deje, däi sich 3 doach aus Läib g'freit, 
Eas uaut ean d'r Schessel. ean d'm Sack ke Gold. 
Git d's e d'm aaner goar z'gern die Schold. 
Mecht ich drim so oarm nit — oach so reach nit Wern — 
Woas z'm Leawe nierig, doas nor härr ich gern; 
Kinnt ich da om Owed friedlich lege mich, 
Härr e gout G'weasse — ach. wäi reach wier ich! 
Nanzhausen. Heinrich Waumayn. 
') So mitten durch; 2 ) Beiden; 2 ) zu wenig; 4 ) Zwischen 
denen, die sich. 
Scp Meike?) 
tMundart: Umgebung von Rinteln a. d. W.) 
„Ek maj') bei doch sau 4 ) geern lein 5 ) 
Worümme wutt “) Din mei nich frein, 
Sej' Meike! 
An meinem Howe') sind feuw 8 ) Peer") 
Un hunnert Acker, wutt Din mehr? 
Sej' Meile?! 
Tä Huiser up'") sind neih biut ") 
Un allens suiht sau glatt '"> doch int, '') 
Sej' Meike? 
Tal Reih is düchtig. gaud iu'u Stand 
Un Blaumen sind iu'n Goorn plant. "> 
Sej' Weife! 
Sej' ja, denn bist Din meine Brint, '") 
In veier Weken '") wär wir triât. 
Sej' Meike? 
Un wenn eök ") meine Mudder schellt '"), 
Weil Din eût nich'n Speier '") Geld, 
Sej' Meike!?" 
„Ach jaue 2 ") Junge, lat mei jahn "'). 
Most Dei bat int betn Koppe slahn", 22 ) 
Sejt Meike. 
„Suih mei nich an sau spiß 2il ) und scheif. 
Ek hew ") Dei nich'n betken leitv", 28 ) 
Sejt Aîeike. 
„Mei heuert!" 2 ") „Härst Diü noch sau vel. 
Mein Harte kümmt da me in't Spel." 27 ) 
Sejt Meike. 
„Dein How, mein Armauth paßt nich recht, 
Leiw hew und frein will 28 ) deinen Knecht." 
Sejk Meike! 
Hohenrode. Adolf Dalwig. 
') Sag'; 2 ) Mädchen; ') mag; 4 ) so; ^) leiden; 6 ) willst; 
7 ) Hofe; 8 ) fünf; *) Pferde; '") die Häuser darauf; ") neu 
gebaut; ,2 ) schön; 1S ) aus; ") in den Garten gepflanzt; 
")Braut; '")vierWochen; "jauch; ") schilt; '") Spürchen — 
Spier — Strohteilchen; 28 1 guter; 2 ') gehn; * 22 * ) schlagen; 
22 ) spitz; 24 * * 27 ) Ich habe; 28 ) bischen lieb; *") Mir gehört; 
27 ) Mein Herz kommt dabei mit ins Spiel; 28 ) Lieb hab' 
und frei'n will ich.
	        

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