Full text: Hessenland (16.1902)

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2. Henger insem Höus 
Wetzt e Bemche röus, 
Es ke Jches (eichenes). 
Es ke Biches (buchenes). 
Es von kinerlei Holz (?) 
(Eiszapfen.) 
3. Was hängt an der Wand wie toten Manns Hand? 
(Handschuh.) 
4. Wie tragen 5 Hammel die Schwänze? 
(Ungerade.) 
5. Wenn's „heute" regnet, wird's Leder billig, (Häute.) 
Wcnn's „morgen" regnet, wird's Land billig. (Morgen.) 
Wenn's „abermals" regnet, wird's Bier billig (aber 
Malz). 
Da stürmt die wilde Rotte der Buben heran; 
es entsteht eine regelrechte Zänkerei mit den 
Mädchen. Wieder müssen allerlei Reime herhalten. 
Ta bekommt der kleine Konrad „seinen Treff" mit: 
Koneräd. 
Schlapperbürt, 
Leg' dich en die Doreläd (Sarg). 
Wat, ich well's deng Väter sang. 
Satt dich Werre rönser jäng. 
Er rächt sich mit: 
Else, belse, Bilsebäck, 
Stäp die Hänner engen Rack. 
Owe neu on enge rous 
Bus nach lähme Schneiresch Höus. 
Die ganze kinderbedeckte Wiese schreit ans, als 
ein Hühnerhabicht hoch in den Lüsten seine 
Kreise zieht: 
Hinkelhäbch (Hühnerhabicht), 
Kränzekräbch, 
Dreimol em de Kres rem, 
Dn Höst meng Mutter die Eier gestohln. 
Mässer hür. 
Hals âbschnejre: Onik, guik, quif ! 
Den Schwarzrock Rabe, der sich auf einem 
Baume in der Nähe niedergelassen hat, grüßt das 
Verslein: 
Râwe. Râwerik, 
Geh m'r net en Kri(e)g. 
Geh m'r net nach Angerod, 
Schlo sc dich met Stange dot. 
Ein Storch aber wird mit dem Wunsch nach 
einem Bruder oder einer Schwester begrüßt. 
Damit ist der Friede wieder hergestellt und die 
fröhliche Schar wandert, da die Abendglocke ertönt, 
mit geröteten Wangen und blitzenden Augen ver 
gnügt nach Hause, um morgen wieder jene Spiele 
weiter zu spielen, bei denen schon Vater und Groß 
vater in dasselbe Lustgeschrei ausgebrochen sind, 
wie jetzt die Enkel. 
Nicht nur der Frühling, sondern auch jede andere 
Jahreszeit bringt für die kleinen Spielrätze be 
sondere „Sorgen". Bald sind es die Stelzen, 
die zurechtgezimmert werden müssen, bald die Bälle 
(aus Garn gewickelt und mit Wollsäden gestickt), 
jetzt die „Flitzebogen" und dann wieder die „Gescheln" 
(Peitschen), die besonderes Nachdenken verlangen. 
Auch die nötige Übung mit oder auf allen diesen 
Instrumenten ist erforderlich, um es, womöglich 
als angestauntes Wunderkind, den andern zuvor 
zuthun, wenn es „um die Wette" geht. 
Im Winter hat der Schwälmer Nachwuchs voll 
auf mit dem Schlitten zu thun. Als besondere 
Oase in der schneeweißen Eintönigkeit desselben 
wird es von den Kleinen und von der ganzen Familie 
begrüßt, wenn der „Ellerv-cker" oder die „Görrel" 
oder der „Better" (Onkel!) Hann-Jost Schlachte- 
sest ansagt. Wie eilig versammeln sich da alle 
Vettern und „Wasen", um wacker hacken und — 
essen zu Helsen! Am Mittag beim „Quellfleisch" 
und am Abend zur Wäschtsupp (Wurstsuppe) sind 
alle Mann an Bord. Und diese Freude und diese 
Eile ist die Festlichkeit auch wert. Hier der Küchenzettel: 
1. Trockene Brot- oder Wecksuppe. 
2. Sauerkraut und Schweinefleisch. 
3. Steifer Reisbrei und Rindfleisch. 
4. Kohlraben und Schweinefleisch. 
5. Saure Brühe. 
6. (Kartoffelklöse.) 
7. Zwetschen. 
8. „Weckemilch." 
Die Kinderschar sitzt an einer besonderen Tafel, 
ihr werden die Schüsseln gereicht, wenn sie den 
Tisch der „Großen" verlassen. Diese vergessen 
neben fleißigem Essen auch das Trinken nicht. 
Schon beim zweiten Gerichte ertönt der Alarmruf: 
„Sure Kohl on kin?" (kein, nämlich Branntewein). 
Jedoch kann man sagen, ohne der Wahrheit zu 
nahe zu kommen, daß der Schnaps immer mehr 
in Mißkredit gerät, resp. daß au seine Stelle un 
aufhaltsam das Bier tritt. 
Ungefähr in der Mitte der Gasterei erscheint 
das „Schlachtemännchen" (eine vermummte, 
arme Person oder auch ein Knecht oder eine Magd) 
mit großmächtigem Knüppel und weitbauchigem 
Gefäß, um die Kinder mit verstellter Stimme 
drohend zum Beten aufzufordern, vor allen Dingen 
aber, wenn's eine arme Person ist, um einen kleinen 
Tribut an Fleischbrühe und am liebsten auch guten 
Fleisch—brocken darin einzuheimsen. Die armen 
Kinder, „Trollgäste" genannt, sind schon am 
Nachmittage gespeist worden. Steckt dagegen eine 
Magd (Knecht) in der Verkleidung, so gilt der 
Mummenschanz hauptsächlich dem kleinen „Hanskurt" 
oder der kleinen „Lejsewit", um sie noch wochenlang 
mit dieser Schreckperson bei Gelegenheit zum Ge 
horsam zu zwingen, und das gelingt dann, wie 
versichert wird, durch dieses zwar drastische, aber 
keineswegs empfehlenswerte Mittelchen besser, als 
durch die am „Striche" (Tragbalken) in der Stube 
drohend liegende Familiengerte vom süßen und 
doch, ach, so bittern Haselnußstrauche.
	        

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