Full text: Hessenland (16.1902)

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ich Sie auch, dieses der armen Trinette mitzuteilen, 
denn in der That bin ich glücklicherweise blos 
2—3 Tage durch den Schuß inkommodiert ge 
wesen, auch habe ich keinen Augenblick meine Kom 
pagnie verlassen. Meine Brust ist stark angeschwollen 
und etwas schwarz, die daraus folgende Nacht brachte 
ich im Biwak zu, den Rücken gegen einen Baum 
gelehnt, da ich mich nicht lang ausstrecken konnte. 
Ich hatte starkes Seitenstechen, weshalb ich mir 
etwas Ader ließ, und befinde mich, Gott sei Dank, 
ganz gut, und die Anschwellung verschwindet von 
Stunde zu Stunde mehr und mehr. 
Den 30. verließen die Feinde zwei ausgezeichnet 
verschanzte Batterien, welche sie auf dieser Insel, 
der Stadt New Hort gegenüber, noch hatten. Ich 
weiß nicht, ob es infolge des panischen Schreckens 
oder warum es geschah, denn dieselben waren außer 
ordentlich befestigt und sehr gut gebaut. 
(Schluß folgt.) 
Hans Fehrenberg f. 
Ter Kunstmaler Hans Fehrenberg ist am 
27. Oktober in Bremen gestorben. — Sein Tod ist 
das Ende langer Leiden. 
Er wurde am 2. November 1868 als Sohn 
des Kaufmanns Fehrenberg in Kassel geboren, 
besuchte die dortige Realschule und wurde 1883 
Schüler der Akademie der bildenden Künste. Er 
zeichnete daselbst bei Koch und malte unter Reu 
mann und Kolitz. 1889 ging er mit dem 
Bose-Stipendium uach München, stellte im Glas 
palaste aus und von 1893 ab in der Sezession, 
deren Mitglied er später wurde. 
Es ist ein seiner Künstler in ihm dahingegangen. 
— Wenn er früher nicht unbeeinflußt war von 
den schnell wechselnden Anschauungen, die gerade 
in München seiner Zeit so grell und scharf in die 
Erscheinung traten, so war er später ganz er selber, 
ganz persönlich in Anschauung, in Ton und Tech 
nik, und in der Darstellung von großer Tiefe. 
Dichterischer Inhalt ernstester Art, eine an Schwer 
mut grenzende Innigkeit lag in seinen Sachen, für 
die leider so gut wie kein Publikum vorhanden 
war. 
Seine Studien von fabelhafter Richtigkeit malte 
er im bayrischen Weßling, in Alling und Fürsten 
feld und später in Gottsbüren, Willingshausen, 
Dörnberg in seinem geliebten Hessenlande, und 
gerade die kurze Gottsbürener Zeit war wohl die 
glücklichste in seinem Schaffen. Da stand er voll 
in seiner Arbeit, die ihn beglückte. Auch da sind 
Weimar, November 1902. 
seine Motive die denkbar künstlerischsten, an die 
sich nur ein Kühner wagen mag. 
Ein einzelnes Bauernhaus, mitten im Bilde 
stehend, ein Stück Hof in großer Perspektive; ein 
Feld, überschnitten von ein paar Hütten zur Zeit 
des Herbstes, wo alles in weicher Auflösung be 
griffen ist. Nicht trockene Abschriften, sondern ge- 
sühlgetrünkte Übertragungen von stiller Intimität 
eines Romantikers — auch der Lehmhütte gegenüber. 
Oder: ein liebes Thälchen, ein paar Raben 
schwingend über dem Bächelchen, eine mächtige Buche 
in der Bronze des Herbstes, höher der Wald und 
darüber der mächtige Wolkenzug des Herbstabends: 
Eroica! 
Immer wieder der werdende Abend, der Zauber, 
den das verglimmende letzte Licht über die Land 
schaft gießt, den wir intensiv vor seinen Bildern 
mitempfinden. Das ist keine geklügelte Absicht, das 
ist volle, klare Empfindung, mit dem Herzen aus 
gesprochen und ihrer reinen Wirkung sicher. 
Im September vorigen Jahres wollte er in 
seine Heide, die ihn lange angezogen, er reiste nach 
Bremen, von wo er nicht wiederkommen sollte. 
Es ist ein merkwürdiges Geschick, das uns die 
jungen Künstler des engeren Vaterlandes, an die 
wir glaubten, nahm und nimmt. Wir denken an 
Faust, wir denken an Bohlender, denen jetzt 
Fehrenberg folgt. Man hätte ihn vielleicht einst 
zu den „Großen" gezählt, wäre ihm ruhige Fort 
entwicklung beschieden gewesen. 
W. S. 
Kinderspiel unö Kinderlied auf der Schrvalnr 
Bon Joh. Heinr. Schwalm (Obergrenzebach). 
K inderspiele, Kinderlieder, welche Fülle freundlicher 
Bilder aus vergangenen schöneren Tagen der 
Kindheit erwecken diese Worte in Herz und Gemüt! 
Sie sind der Baum im Kindheitsparadiese, dessen 
Frucht ewige Jugend verleiht; nur der ist vom 
Genusse ausgeschlossen, dem Lebensüberfluß das 
Herz verdorben oder Lebensnot verknöchert haben. 
Die folgenden Blätter wollen mit einer Anzahl 
Schwälmer Kinderliedern und Kinderspielen bekannt 
machen. Es sind anspruchslose Kinder der Bolks-
	        

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