Full text: Hessenland (16.1902)

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Freund, die Hessen besiegt man nicht mit Redens 
arten Diesen entwürdigenden Ausspruch erzählte 
ich meinen Kameraden Bentheim, Weiters 
hausen und Eschwege und meinen Kameraden 
im Blockschen Bataillon. Darauf faßten wir den 
Entschluß, denselben durch Handschlag bekräftigend, 
daß wir in dem ersten Gefecht gegen diese berühmten 
Rifleinen ihrem Feuer ruhig Stand hallen und 
statt aus sie zu feuern, unsere Musik spielen lassen 
und sie zugleich mit dem Bajonett angreifen zu 
wollen. Tie Wirkung dieses unseres Entschlusses 
zeigte sich folgendermaßen: Den 27. August morgens 
um 9 Uhr wurden wir in unserm Lager alarmiert 
(und zwar blos die Grenadiere, unsere Regimenter 
nicht). Wir formierten uns mit den Grenadieren 
und der leichten englischen Infanterie und griffen 
den Feind auf der Höhe und im Wald in Schlacht 
linie an. In dem Augenblick, wo unser Bataillon 
(dessen linken Flügel ich führte) den Fuß des Berges 
erreicht hatte, wurde ich veranlaßt, mich von den 
drei andern Kompagnien zu trennen und den Feind 
vor dem Wald in der Flanke anzugreifen, sodaß 
ich ungefähr 2000 Schritt von Block entfernt war 
und sichelförmig mit meiner Kompagnie gegen den 
Wald avancierte. Als wir noch ca. 300 Schritte 
von der Waldlisiöre und dein Bergrücken entfernt 
waren, erhielten wir ziemlich starkes Gewehrfeuer, 
in demselben Augenblick spielte, wie wir es ver 
abredet hatten, die Musik der vier Kompagnien, 
und wir stürmten, so schnell wir laufen konnten, 
mit dem Bajonett gegen sie. ohne einen Schuß ab 
zugeben. — 
Als guter Patriot, als welchen ich Sie kenne, 
würden Sie diesen Angriff, wenn Sie Zeuge davon 
gewesen wären, für den schönsten Augenblick Ihres 
Lebens gehalten haben. Endlich stürmten wir in 
einem Augenblick Höhe und Wald, ohne eine zweite 
Salve zu bekommen, wie wir vermutet hatten. 
Hieraus ließ ich von meiner ganzen Kompagnie 
gegen den Waldrand Feuer geben, wo diese ge 
fürchteten Riflemen einen Augenblick Halt gemacht 
hatten. In diesem Augenblick konnte ich die drei 
anderen Kompagnien nicht mehr sehen, hörte aber 
ihr Feuer. Nachdem meine Kompagnie wieder 
geladen, stellte ich sie in Schlachtordnung. Wir 
drangen in dem Wald vorwärts, rechts und links 
feuernd. Endlich warfen wir sie zurück teils schießend, 
teils mit dem Bajonett und dem Gewehrkolben. Die 
jenigen, die aus uns schossen, mußten den Kopf 
ganz verloren haben, denn sie trafen uns nicht, 
so sehr waren sie aus der Fassung gebracht. Ich 
hatte Mühe, manchen von ihnen, die ich gefangen 
nahm, das Leben zu retten. Die Grenadiere wollten 
sich wegen der Berleumdnngcn rächen, was auch 
vollständig der Fall war. Denken Sie sich nur. 
daß, nachdem ich ziemlich in den Wald vorgedrungen, 
ich ganz von meinem Bataillon isoliert war. Links 
von mir war niemand von uns, da ich den linken 
Flügel des Angriffs befehligte. Ich rückte vor, wie 
es glücklicherweise die andern Kompagnien auch 
thaten, immer fort durch einen dichten Wald, der 
der Stützpunkt der Riflemen war, bis ich plötzlich, 
nach 2 — 3 Meilen, das feindliche Lager von New 
Pork vor mir sah; infolge der Aussendung von 
Patrouillen fand ich glücklicherweise mein Bataillon 
und später auch die andern, welche ebenfalls vor 
gerückt waren. 
Seit diesem Tage hört man nichts mehr von 
Riflemen, ich glaube, sie sind von der Erde ver 
tilgt; nach meiner Schätzung können es ca. 3000 
Mann gewesen sein, sie galten für die besten Sol 
daten Washingtons. Nach Aussage der Gefangenen 
ist ihr Führer Lord Sterling selbst gefangen, ebenso 
General Sulivan, 1 Oberst, 9 Hauptleute, 27 Offiziere 
und ca. 500 Riflemen. Zwei oder drei Tage nach 
dem Gefecht konnte man sie sehen, wie sie beinahe 
verhungert durch das Gebüsch krochen. Bor unsern 
Vorposten warfen sie sich ans die Knie, dieselben 
mit erhobenen Händen um Pardon bittend, kurzum, 
unsere Hessen haben ihnen solchen Schrecken und 
Angst eingejagt, wie es kaum zu denken ist. Jetzt, 
lieber Freund, muß ich Ihnen von mir und meiner 
Kompagnie erzählen. Ich hatte blos 4 Verwundete, 
von denen einer gestorben ist: was mich anlangt, 
so denken Sie sich nur, daß ich, nachdem ich sieg 
reich durch den ganzen Wald vorgedrungen war, 
mich mit meinen Leuten auf einer kleinen Ebene 
befand; plötzlich bemerke ich eine kleine Abteilung 
Riflemen fliehend, was sie lausen können. Sie 
kommen links von mir aus dem Wald und wollten 
den Porkfluß erreichen. Ich stürmte mit meiner 
Kompagnie auf sie, um sie zu Gefangenen zu machen, 
ohne zu feuern. Da ich der vorderste war, rief 
ich ihnen aus englisch zu, daß, wenn sie die Waffen 
niederlegten, sie Pardon erhielten. Statt Antwort 
dreht sich einer derselben um und schießt auf mich. 
Glücklicherweise ging die Kugel auf die Schnalle 
meines Degenkoppels, welches am Patronentaschen 
riemen hing unterhalb der linken Brustseite; danach 
schoß ich ans ihn, fehlte aber, war jedoch über seine 
Unverschämtheit so wütend, daß ich den Schuß 
vergaß, mit allen meinen Kräften aus diesen Dumm 
kopf, der immer noch nicht die Waffen niederlegen 
wollte, zulies, ihn mit dem Kolben gehörig zwischen 
die Ohren schlug, ihn auf den Rücken warf, ent 
waffnete und gefangen nahm. Meine Leute schossen 
auf die andern und nahmen sie gefangen, aber stets 
feuernd, da sie nicht Halt machen wollten. Aus 
Furcht, daß man diese Geschichte übertreibt, teile 
ich Ihnen dies alles so genau mit. Deshalb bitte
	        

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