Full text: Hessenland (16.1902)

Kerbst. 
Lief im Garten, müd und matt, 
Steht ein alter Glieder, 
Lautlos stahl sich Blatt um Blatt 
von den Zweigen nieder. 
Manches Blatt, das niederglitt, 
Bahrn im Abwärtsfallen 
wieder andre Blätter mit . . . 
Stetes Lrdwärtswallen. 
Das war ein Tausch! Und nun ist er Dein, 
Nimm Dich in acht. Du „versinkst ja schier! 
Nun noch recht tief in die Ärmel hinein, — 
Siehst Du, Kiiib, so gefällst Du mir! 
So, — nun häng' Dich an meinen Arm. 
Setz' auch die Füße nur mit Bedacht; 
Liegst Du daheim im Bett erst warm, 
Schläfst Du uoch 'mal so gut heut' Nacht. 
Dassel. Paul Reidelbach. 
Fliederblätter, Menschenglück! 
Greift der Herbst ins Leben, 
Hältst vergeblich Du zurück 
Die Dich einst umgeben. 
V 
Sturm. 
wie uns der Regelt ins Antlitz schlägt! 
Hörst Du nicht, Rind, wie der Sturmwind saust, 
Fühlst Du nicht, wie er uns vorwärts trägt 
Und Dir das flatternde Haar zerzanst? — 
Stürme doch weiter und spar' die Müh', 
pack dich nur, alter verliebter West; 
Siehst du, mein Mädel bekommst du nie, 
Dazu halt' ich es viel zu fest. — 
Hörst Du da droben die wilde Jagd? 
Hui, wie das prasselt und immerzu 
pfeift und jäh in den Zweigen kracht! 
Horch, und des Ränzleins In hu! Iuhu! 
Frierst Du. mein Schatz? Dir trieft ja das Haar, 
Äch, und das Röcklein, vom Regen schwer! 
weißt Dtt — um einen Ruß fürwahr 
Geb' ich Dir meinen Mantel her. 
Klrmestanr. 
(Nachdruck verboten.) 
Die Rlarinette 
Schnarrt ohitc Ruh, 
Rirmes ist heute, 
Rirmes juchhei! 
Lustige Leute 
Trollen herbei. 
Stämmige Jungen, 
Dirnen im Rranz 
Innig umschlungen, 
Springen zum Tanz. 
Urväter Truhe 
Speitdet den Tand: 
Schnallen und Schuhe, 
Mieder und Band. 
Stampfende paare, 
wogende Glut, 
Flatternde Haare, 
Stürmendes Blut! 
Rurzröcke wallen 
wirbelnd empor, 
Waden, die drallen, 
Blitzeit hervor. 
Gießen. 
Amor, ich wette, 
Richert dazu! — 
Tine nur, eine, 
Dunkel von RIeid, 
wandelt alleine 
Mhne Geleit. 
Heimliche Wonnen 
Brachte der Iliai, — 
Alles verronnen, 
Alles vorbei! 
Lachend umworben, 
Glühend entfacht, 
Ach, itnd verdorben 
Schon über Nacht! - 
Singen und Rlingen! 
weh, wie das brennt, 
Schwingen und Spriitgen 
wär's erst zu Lud' I — 
0. Kindt.
	        

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