Full text: Hessenland (16.1902)

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daß der Einsturz, welcher, obgleich er von den Auch bei der übrigen Einwohnerschaft der Uni- 
Hansbewvhnern nicht im geringsten geahnt worden, vcrsitätsstadt erregte dieser rasch bekannt gewordene 
doch nach der nunmehr zutage getretenen Morsch- merkwürdige Vorfall lebhafte Teilnahme und Freude 
heit des Materials schon lange gedroht habe, gerade darüber, daß durch ein glückliches Zusammentreffen 
an diesem kvllcgienfreien Tage erfolgt sei. Eine der Umstünde ein schwerer Unglückssall vermieden 
durchgreifende gründliche Reparatur seines Mohn- worden war. R v A 
Hauses werde seine nächste Sorge sein. 
Aus Heinrat und Fremde. 
H es si scher Gcschichtsvcrein. Unter zahlreicher 
Beteiligung wurden die Monatsversammlnngen des 
Vereins für h e s s i s ch e G c s ch i ch t c u n d L a n d e s - 
künde zu Kassel im kleinen Saale des evan 
gelischen Bereinshalises am 27. Oktober wieder er 
öffnet. Ter erste Vorsitzende, Herr Generalmajor z. T. 
Eise nt raut, begrüßte die Anwesenden und be 
tonte in einer Ansprache die Notwendigkeit der 
Werbung neuer Mitglieder zur Verbesserung der 
Finanzen, damit Hessen nicht den anderen Geschichts- 
nnd Altertumsvereinen gegenüber ans einzelnen 
Gebieten im Rückstand bliebe, wie es jetzt leider that 
sächlich der Fall sei. Ties habe die kürzlich in Düssel 
dorf stattgesnndene Tagung des Gesamtvorstandes 
dieser Vereine bewiesen. Vor allem erforderten die so 
sehr nötigen Arbeiten mit dem Spaten zur Freilegung 
historischer Altertümer viel Geld. Erreiche der Verein 
»och eine größere Mitgliederzahl, so würden auch 
die ihm gewährten Zuschüsse in reichlicherem Maße 
fließen. Nach den weiteren geschäftlichen Mitteilungen 
hat der Verein in dem vergangenen Vierteljahr 
einen Zugang von 36 Mitgliedern zu verzeichnen, 
während elf ausgeschieden sind. Der Vorstand des 
Kasseler Zweigvereins ist derselbe geblieben, in den 
Gesamtvorstand aber tritt an Stelle des an die 
Universität Göttingen berufenen Herrn Professors 
Edward Schröder in Marburg Herr Landesgerichts 
rat Gleim daselbst. Nachdem der Herr Vor 
sitzende einigen Herren, welche dem Verein Bücher, 
Zeichnungen und Mnsikalien geschenkt, seinen Tank 
ausgesprochen hatte, erteilte er Herrn Dr. Schwarz- 
k v p f das Wort, der daraus den angekündigten 
Vortrag H e r b st m a n ö v e r d e r k n r h e s s i s ch e n 
Truppen unter dem letzten Kurfürsten" 
hielt. 
Der Redner leitete seinen Vortrag mit citiern; 
Hinblick auf diejenigen Manöver ein, die der Welt 
geschichte angehören, wie z.B. die gewaltigen Truppen 
übungen, die Friedrich der Große und Napoleon I. 
vornahmen, und auf jene, welche nur für die Sonder 
geschichte einzelner Staaten von Bedeutung sind. 
Tie hessischen Manöver seien freilich nur Kriegs 
spiele in kleinem Maßstab gewesen, aber sie hätten 
doch das Gute gehabt, daß die tüchtige Ausbildung 
der Truppen durch sie noch erweitert wurde. Möchte 
auch vieles dabei nach unseren heutigen Begriffen 
mit einem Lächeln abgethan werden, so müsse man 
die damaligen Zeitverhältnisse dabei in Rechnung 
ziehen und auch erwägen, daß die knrhessischen Land 
stände in rebus inilitaribus nur widerstrebend 
irgendwelche Geldmittel bewilligt hätten. Nach von 
ihm gemachten Auszeichnungen schilderte I>r. Schwarz 
kopf nunmehr ein Manöver ans den 60 er Jahren 
und zwar jenes, welchem als Bundes-Jnspektivns- 
Offiziere der königl. preußische Generalleutnant von 
Brauchitsch und der großherzoglich badische 
Generalmajor von Fab er beiwohnten.*) Mit 
köstlicher Kleinmalerei wurde der Auszug der Kasseler 
Bürger und der Schuljugend nach der Knallhütte, 
in deren Umgegend das Manöver stattfand, wieder 
gegeben und all die kleinen Abenteuer eingeflochten, 
die sich dabei hin und wieder zutrugen. Ein weiteres 
Bild zeigte den Kurfürsten, begleitet von seiner 
glänzenden „Schwidde", bei welcher auch des fran 
zösischen Obersten, späteren Generals Duplessis ge 
dacht wurde, den Familienbeziehungen öfters in 
die kurfürstliche Residenz führten, wo er auch dies 
mal anwesend war. Die Gesandten der verschiedenen 
Höfe fehlten ebenfalls nicht auf dem Manöverseld. 
Redner gab darauf eine eingehende Beschreibung 
des Manövers, in welchem ein von Süden her an 
rückender Feind von Kassel zurückgeschlagen wurde. 
Bei den in das Gefecht eingreifenden Truppenteilen 
wurden auch eine Menge von Namen genannt, 
welche das damalige knrhessische Osfizicrkorps vor den 
älteren Zuhörern in voller Frische wieder erstehen 
ließ: General v. Lvßberg, die Obersten v. Baum- 
bach, v. Bicdenscld, Bödicker, v. Buttlar, 
v. Ende, der Oberstleutnant v. Sturmscd er, die 
Majors v. Heathcüte, v. Oeynhausen, v. Stein 
und andere Stabsoffiziere, von den jüngeren Offizieren 
aber traten hauptsächlich die Gestalten der schneidigen 
Husarenleutnants Beinhalt er und Ferdinand 
v. Stein in den Vordergrund. Nachdem die Gardes- 
dn-Corps dttrch eine kühne Umgehung des Schenkel 
bergs die dunkelblatten Husaren zu Gefangenen 
*) Vergl. „Hessenland", laufender Jahrgang, Seite 09.
	        

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