Full text: Hessenland (16.1902)

ist ihr Gehalt ein guter, auch haben fast alle 
vorkommenden Stücke volles Gewicht. 
In Kassel waren zwei Münzstätten, die eine 
unter der Kanzlei (jetzt Nenthos), die andere im 
„Wildenmann" ständig im Betrieb. Die Thaler 
des Jahres 1637, welche heute noch am zahl 
reichsten vorkommen, tragen vier verschiedene 
Münzmeisterzeichen, von welchen man drei bestimmt 
kennt*), das vierte ist bis zur Gegenwart unbekannt 
geblieben. An dem gleichzeitigen Vorkommen dreier 
Münzmeister läßt sich ermessen, was für hohe An 
forderungen an die Münze gestellt wurden, und 
welche große Summen geprägt fein müssen. 
Über was für Geldreichtümer Wilhelm verfügte, 
geht schon daraus hervor, daß er bei seinem oben 
erwähnten Einzug in Hanau den Armen und 
Bedürftigen der Stadt sofort taufend Thaler als 
Geschenk überweisen ließ und außerdem zur Unter 
haltung der gräflichen Besatzung Hanaus noch 
fünftausend Thaler als Darlehn vorschoß, gewiß 
für jene geldarme Zeit eine beträchtliche Barsumme. 
Auch muß man hierbei noch in Betracht ziehen, 
daß der damalige Reichsthaler — es gingen 9 Stück 
auf die kölnische Mark seinen Silbers — schwerer 
und daher wertvoller als der heutige Thaler war, 
von denen 14 Stück auf die seine Mark entfallen, 
mithin jener im Verhältnis zum heutigen Zwangs- 
knrs von 3 Mark einen Wert von 4 M. 66 2 3 Pf. 
besaß, ohne die viel größere Kaufkraft und den 
höheren Silberwert damaliger Zeit im Vergleich 
zur Gegenwart dabei in Anschlag zu bringen. 
Von keinem hessischen Fürsten hat man verhältnis 
mäßig so große Mengen guter Münzen, nament 
lich Thaler, und diese in so vielfachen Stempel 
verschiedenheiten. wie von Wilhelm V. Seine 
Thaler kommen heute, nach ungefähr 270 Jahren, 
noch so häufig vor, daß kaum eine Münzen- 
Versteigerung tm In- und Auslande stattfindet, 
auf welcher solche nicht in einem oder mehreren 
Stücken zu finden wären. Im Lande selbst gibt 
es noch manche Familien, welche diese Thaler seit 
Urväterzeiten als Erbstücke treulich aufbewahren. 
Man kann als sicher annehmen, daß die Thaler 
Wilhelms bis zur Zeit des Landgrafen Friedrich II., 
welcher gleich nach dem siebenjährigen Krieg eine 
*) Vergl. den Aufsatz des Herrn Professors Wein- 
meister im „Hessenland" 1902. S. 215. 
<»>■ 
Aschgraue, regungslose Luft,; 
tsalbverwelkter Astern herber Duft 
Legt wie ein Grabstein sich aufs tNenfchenhcrz. 
ITiit dumpfem Druck bedeckend Lust und schmerz 
D t> r m st fl i> t. 
neue Währung einführte, die herrschende Thalersorte 
in Hessen gewesen sind. Alle Regiern ngsnachsolger 
Wilhelms haben nur selten Thaler und alsdann 
nur äußerst mäßig schlagen lassen, was man 
zuverlässig an dem sehr spärlichen Vorkommen 
solcher Stücke verfolgen kann. Als Beweis für 
Vorstehendes möchte ich kurz anführen, daß meine 
Sammlung von den Thalern Wilhelms ungefähr 
60 Stücke answeist, welche alle in dem Zeitraum 
von 10 Jahren (1627—1637) geschlagen sind, 
während ans der langen Zeit von Wilhelms Tode 
bis zum Ende des siebenjährigen Krieges, mithin ans 
126 Jahren, dieselbe nur einige 20 Stücke enthält, 
und diese noch nicht einmal alle aus verschiedenen 
Jahrgängen, der Jahre, in welchen Kursthaler 
geprägt wurden, sind es noch weniger als 20. 
Hiernach kann man sich wohl einen Begriff machen, 
in welchen beispiellosen Mengen Wilhelm hat 
Thaler schlagen lassen. Dieselben kamen noch his 
zur Mitte des vorigen Jahrhunderts bei hessischen 
Rentkassen in Zahlung vor, trotz verschiedentlicher 
Ansforderungen zur Einlieserung dieser Münzsorte. 
Der Liebhaberwert der shmbvlischen Thaler 
schwankt hellte zwischen 15 und 20 Mark das Stück, 
während die Thaler sämtlicher Regierungsuachsvlger 
bis 1763 einen solcheil von 60 bis zu 200 Mark 
das Stück besitzen. 
Ter Verfasser dieses würde sehr erfreut sein, 
wenn jüngere Kräfte sich dem Studium lind 
Sammeln hessischer Münzen zuwenden wollten. 
Wie manches Stück ist und wird durch den 
Sammler vor dem Schmelztiegel, dem größten 
und gefährlichsten Feinde aller Münzen, bewahrt 
und der Zukunft erhalten, um Zeugnis in fernster 
Zeit noch ablegen zu können voll der Kultur 
unseres Stammes; denil was ist wohl unvergäng 
licher als Münzen, welche heute noch ebenso in 
unserer Hand ruhen wie vor Jahrhunderten in der 
unserer lücltern! Welch hohen Genuß und reiche 
Befriedigung das Münzsammeln gewährt, wird 
jeder empfinden, der in den Münzen mehr als nur 
Augenweide sucht. Was für eine unendliche Fülle 
historischer Belehrung nnb Unterhaltung bieten sie 
und zu welchen Erwägungen nnb Betrachtungen 
über alles Vergängliche regen sie an, denil in 
ihnen spiegelt sich wie kaum anderswo die Ge 
schichte einer mehr als 600 jährigen ruhmvollen 
Vergangenheit lehrreich ab. 
— 
5 t. 
Das ist die Ruhe vor dem Lad, 
Ihr armen Blätter, blutigrot, 
Ihr müden Bäume mit den dürren Zweigen, 
IDollt ihr ein düster Zukunftsbild mir zeigen? 
Lderese Köstlin.
	        

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