Full text: Hessenland (16.1902)

der soviel, wenn auch nicht wörtlich, sagen will: 
Wenn gleich alle Wetter auf mich losstürmen, 
wird Gott mich Schwachen dennoch aufrecht zu er- 
halten wissen. — Hieraus folgt, daß der gewählte 
Palmbaum als Sinnbild der Stärke, den die 
Wetter nicht zum Wanken bringen können, Wil 
helms damalige bedrängte Lage figürlich bezeichnen 
sollte, wozu der Wahlspruch vortrefflich angemessen 
war, zugleich kam hierbei so recht sein religiöser 
und demütiger Sinn zum Ausdruck. Man sieht, 
es ist nicht nötig, seine Zuflucht zu obigen albernen 
Zabeln und Auslegungen zu nehmen, welche leider, 
durch die Münzlitteratur verbreitet, so allgemein 
wurden und es bis ans den heutigen Tag noch 
sind. 
An den Thalern ans den späteren Regierungs- 
jahren Wilhelms fallen nun verschiedene Verände- j 
rangen auf, welche am Titel, Spruch und Bild 
vorgegangen sind. Zuerst bemerkt man die 
Änderung des Hoheitstitels im Jahre 1629, 
welcher jetzt nicht mehr die Worte Administrator 
Hirsfeldiae enthält, da Wilhelm nach dem 
Restitutionseditt des Kaisers das Stift Hersfeld 
wieder hergeben mußte. Eine große Bitternis 
und Enttäuschung für ihn. Man sieht, auch 
Münzen, diese stummen Zeugen einer längst ent 
schwundenen fernen Zeit, können reden. Sodann 
erscheinen auf den Thalern des Jahres. 1630 
hinter dem Baum des Sinnbildes einige Thürme 
und Häuser mit Mauer umgeben, anscheinend soll 
es eine Stadt vorstellen, vielleicht Kassel, damals 
der Zufluchtsort vieler vor den Scharen Tillys 
flüchtender Menschen, welche auch hier sicher ge 
borgen waren, da während des ganzen Krieges 
Kassel nie vom Feinde betreten wurde. In diesem 
Jahre schloß auch Wilhelm sein Bündnis mit 
Gustav Adolf, verbesserte die Befestigungen Kassels 
und befahl, daß alle Einwohner sich reichlich mit 
Lebensrnitteln versorgen sollten, um für die nun 
kommenden Kämpfe gerüstet zu seirr. Ter Land 
graf durste das stark befestigte Kassel wohl als 
seinen vornehmsten und sichersten Hort betrachten 
und wollte dieses durch Hinzufügung der mit 
Mauern umgebenen Stadt auch ans seinen Münzen 
jetzt zum Ausdruck bringen. Ein anderer Grund 
hierfür läßt sich schwer finden, auch kann man 
nicht gut annehmen, daß die Veränderung des 
Sinnbildes durch die Willkür eines Münzmeisters > 
oder der Stempelschneider entstanden ist. Ferner 
fallen die Änderungen am Wahlspruch auf. An- 
sangs lautete er: Vno volente u. s. w., dann: 
Deo volonte n. s. w. und in den letzten Jahren: 
-Jehova volente u. s. w. oder auch wieder: Vno 
volente u. s. w. Vom Jahre 1633 au benutzte 
man die Anfangsbuchstaben der Worte des Spruches, 
indem diese viel größer als die anderen Buchstaben 
dargestellt wurden, um den Namen und Titel 
Wilhelms dadurch auszudrücken, znm Beispiel: 
Vno .Volente . Hi milis . Levabor, also V V. H . L. 
(Wilhelmus Hassiae Landgravius). In solchen 
kleinlichen Spielereien wurde in früheren Jahr 
hunderten etwas Bedeutungsvolles gefunden, viel 
leicht auch abergläubische Vorstellungen damit in 
Verbindung gebracht. In den folgenden Jahren 
sind alsdann noch Hagel und Regen der bildlichen 
Darstellung des Gewitters hinzugefügt. Die Zeich 
nung des Palmbaumes verändert sich vom Jahre 
1629 ab immer mehr, sodaß man ihn wirklich 
für einen Weidenbanm halten kann, und ähnelt 
schließlich einer Korngarbe eher als einem Baume. 
Wie und wodurch mögen nun diese ausfälligen 
Veränderungen entstanden sein ? Es ist schwer, 
hierfür einen sicheren Grund zu finden, auch die 
einschlägige Litteratur enthält kein Wort darüber. 
Tie wahre Ursache der Entstellung, ja Verzerrung 
des Palmbanmes wird wohl in der Unkenntnis 
und stüchtigen Arbeit der Stempelschneider zu 
suchen seiii, von denen gewiß immer eine größere 
Anzahl beschäftigt war, die Menge von Stempeln 
anzufertigen, welche bei der damaligen Unvoll 
kommenheit der Prügewerkzeuge und des Materials 
nötig waren, um diese Masse von Münzen her 
zustellen, die Wilhelm in seiner kurzen Regierungs- 
zeit schlagen ließ. Ausfallend und merkwürdig 
ist es ja immerhin, daß sich an dem Sinnbild 
solche Veränderungen sozusagen unter den Augen 
des Landgrafen zugetragen haben, ohne daß da 
gegen eingeschritten wäre, denn auch nicht ein 
einziges Stück der späteren Jahre ist bis jetzt 
gesehen worden, ans welchem der Palmbaum so 
deutlich zu erkennen wäre wie auf den Thalern 
der ersten Jahrgänge. Die vielen Stempel 
verschiedenheiten dieser Thaler, von denen es gewiß 
weit über 100 gibt (besitzt meine Sammlung doch 
ungefähr einige 50 Stück davon) und welche man 
bestimmt bis ans den heutigen Tag noch nicht 
alle kennt, da immer noch solche auftauchen, die 
Jakob Hoffmeister in seinem klassischen Werke 
hessischer Münzen nicht aufführt, rühren auch 
nicht daher, wie verschiedene numismatische Schrift 
steller berichten, daß Wilhelm diese vielen Thaler- 
aus Eitelkeit oder auch Liebhaberei habe schlagen 
lassen, sondern erklären sich nur durch die rasche 
Abnutzung der Stempel, weil dieser Fürst wie 
kein anderer zu den schweren Kriegslasten des 
30jährigen Krieges solcher ungeheuren Summen 
Geldes und in so kurzer Zeit bedurfte. Alle diese 
Münzen sind grob und unförmlich gearbeitet und 
lassen in Hinsicht aus die Geschicklichkeit der 
Stempelschneider viel zu wünschen übrig, dagegen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.