Full text: Hessenland (16.1902)

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Künstler haben ihre Geschichte, und auf diesem 
noch wenig gepflegten Gebiete ist auch die kleinste 
Erforschung von hohem Interesse. 
Aus dem Privat -Notizbuch des Kurfürsten 
Wilhelm II: 
182s, April 7. An die Kunsthandlung Atüller in Berlin 
für 10 Ölgemälde 4500 Thlr. 
1828, April 30. Dem Kunsthändler Cavallo in München 
für 3 Ölgemälde 4000 Thlr. 
1829, Mürz 6. An Artorin und Fontaine in Mann 
heim für 5 Stück Ölgemälde 2136 Thlr. 8 Gr. — 
Dem Kunsthändler Winter in Heidelberg für 1 Ölgemälde 
2500 Thlr. 
1829, März 27. An Atüller in Wien für angekaufte 
7 Stück Ölgemälde 2840 Thlr. 21 Gr. 
1829. August 31. Dem Hofmaler v. Rohden für zwei 
von demselben verfertigte Gemälde auf allerhöchsten 
Befehl gezahlt worden 1200 Thlr. 
1829, November 26. Dem Hof- und Theatermaler Prima- 
vefi für 1 Ölgemälde 250 Thlr. 
1829. März 7. Dem Maler Grünbanm für eine Kopie 
6n miniature nach Carlo Dolce 20 Louisdor, der 
Louisdor — 5 Thlr. 17 g. Gr.. 114 Thlr. 4 Gr. 
1830, Mai 4. Dem Kaufmann Rinald für 1 Ölgemälde 
500 Thlr. 
1830, Juli 15. Dem Kunsthändler delle Rvvero für ein 
Bild von Paul Potter 1400 Thlr. 
— 
Die eiserne Basis. 
Humoristische Skizze von Valentin Trau dt. 
Es war ein wunderschöner Wiutertag. In 
meinem Arbeitszimmer wob eine wohlthätige Wärme, 
und über die weißen Dächer der Nachbarshäuser 
blickten die dunkeln Tannen des Schloßberges gar 
zutraulich zum Fenster herein. Die ganze Land 
schaft war in funkelndes Licht getaucht.' Solche 
Tage wecken bekanntlich auch in den Menschenherzen 
Licht und Lust und Schaffensfreude. Und ich ar 
beitete- mit einem wahren Feuereifer an einem 
Aufsatz über Kältemischungen. Ta trat leise meine 
Frau herein. 
„Arthur, einen Augenblick nur", bittet sie sanft. 
„Gewiß, Schatz! Nun, was giebt es?" 
„Es giebt nichts; aber ich möchte 28 Mark 
haben, die Schusterrechnung zu bezahlen." 
„Schon wieder?" 
Und ich suche mich wie alle Ehemäuner dagegen 
zu sperren, obgleich ich doch wußte, daß das un 
nütz, eigentlich kindisch sei. Aber die' Ausgaben 
für das Notwendige sind uns Männern gewöhnlich 
immer zu hoch, während uns dergleichen Beträge 
für die nichtigsten Nebensachen gar nicht rühren. 
Wir sind geneigt, eher eine Blumenvase für 10 Mark 
als einen Schinken für 6 Mark zu kaufen. 
„So viel für Schuhe?" 
„Ernst zerreißt die stärksten Stiefel mit einer 
unheimlichen Leichtigkeit. Er ist eben so wild wie 
Du", sucht sie zu entschuldigen. 
Ich zähle das Geld ab und reiche es ihr mit 
einem bitteren Lächeln. 
„Und ich muß ihm schon wieder zwei Paar 
schicken." 
„Das kommt von den Kaufschuhen. — Wir 
sollten ihm richtige, derbe „Tappen" machen lassen, 
gehörig mit Nägeln verkamisolt." 
„Aber die gestrichenen Stuben und die Haus 
leute unten?" senszte sie. 
„Ja, ja," pflichte ich ihr bei, „das ist die Kul 
tur. — Gestrichene Stuben, feine Nerven . . . unsere 
Zeit läuft schnell und verreißt drum eine solche 
Menge Schuhwerk. Bei uns daheim und früher 
war das anders." 
„Ernst seine Schuhe wären ja noch ganz, 
wenn — —" 
„Wenn eben das berühmte „Wenn" nicht wäre!" 
„Nein." sagte sie nun auch wieder lachend, „wenn 
er nicht heute Morgen auf der Eisbahn gewesen 
und die Knopfstiefel aus der Seite ganz durch 
gerutscht hätte. ... Ich zog ihm dann die neuen 
Schnürschuhe an und er fuhr den Berg hinab auf 
seinem kleinen Schlitten. .. Du weißt doch, wie 
das die Jungen machen? — —" 
„Ob ich's weiß." 
„Na. also — und er verliert richtig beide 
Absätze." 
„Dann muß er jetzt barfuß laufen. Wenigstens 
hätte er es vor sechzig Jahren bei meinem Groß 
vater in Walddors gemußt. Wenn da die Jungens 
im Winter zu sehr aus ihren Schlitten zu Thal 
fuhren oder „glanerten" auf dem glänzenden Eise, 
nahm man ihnen einfach die Schuhe weg. Und was 
meinst Du? Die beherzten, kühnen Kerle unter 
ihnen gingen barfuß aufs Eis. Ich weiß noch wie 
heut, als mein Vater von seinen ersten Schuhen 
erzählte. Er war schon ein Bursche und stand 
noch ohne Strümpfe und Schuhe auf dem väterlichen 
Zinunerplatz und hals Stämme zersägen. Da sagte 
einst ein Bauer zu meinem Großvater: „Ihr hot 
jo auch ’ite barfiße Zimmermann!" Diese halb 
spöttischen Worte griffen dem sparsamen Mann so 
ans Herz, daß mein Vater Schuhe bekam." 
„Nun, Arthur, Deine ersten Schuhe sind auch 
nicht von Pappe. — Ich glaube, die paßten unserem 
Ernst gerade."
	        

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