Full text: Hessenland (16.1902)

diese Art Monologe führe ich die Gedanken Jakobs 
im „Flurschütz" an, eine prächtige Schilderung, die 
uns das ganze Seelenleben des jungen Mannes enthüllt. 
Noch etwas Allgemeines möchte ich, bevor ich zu 
den einzelnen Romanen übergehe, als anerkennens 
wert für den Schriftsteller Bock hervorheben. Es 
ist dies ein Punkt, der besonders für unsere schnell 
lebige Zeit dankenswert ist. Ich meine das: Bock 
ist kein Freund lang ausgesponnener Erzählungen. 
Seine Romanbünde enthalten sämtlich nicht viel 
über 100 Seiten. Ohne unnützes Wortgeschwütz 
entwickelt sich die Handlung, kraftvoll dahinschreitend 
und dem Ende zueilend. Jetzt möchte man aber 
freilich auch fast kein Wort missen. Was in den 
kleinen Bänden steht, gehört unbedingt zur Handlung. 
Bocks dichterisches Wirken können wir in zwei 
Perioden teilen. Tie erste beginnt mit der Aus 
gabe eines Bandes Gedichte und schließt mit dem 
Schauspiel „Ter Gymnasialdirektor". Zu ihr ge 
hören eine Reihe Lustspiele und Schwänke, die 
Bock teils allein, teils in Verbindungen mit Anderen 
verfaßte und die hier aus begreiflichen Gründen 
nicht näher betrachtet werden sollen. Die zweite 
Periode beginnt dann mit der Ausgabe der Novellen 
sammlung „Wo die Straßen enger werden" und 
schließt mit dem erst vor einigen Wochen erschienenen 
Romane „Kinder des Volkes". Zn ihr gehören 
alle Romane, die natürlich auch sämtlich in nach 
folgenden Zeilen besprochen werden sollen. Ich 
werde mich bei der Besprechung nicht an die Zeit des 
Erscheinens der einzelnen Bände halten, sondern sie 
mehr ihrer inneren Zusammengehörigkeit nach be 
trachten. 
(Fortsetzung folgt.) 
t 
-■»-»— 
Alte Akten. 
Ara bestaubte alte Akten 
Lagen auf dein Bodenzimmer; 
Um sie abzusenden, packten 
Mir sie ein. Ade für immer! 
fncrbct tanzten die Gedanken 
ITItr so sonderbar im Kopfe; 
Mild gewachs'ne Sehnsuchtsranken 
Faßten rücklings inich beim Schopfe. 
Gerne hätt' ich wissen mögen, 
Mas die Ulkten da enthielten 
Mit den längst vergilbten Bögen, 
Die so traurig nach mir schielten. 
Frankenberg. 
4BH&- 
Melche Fülle regen Strebens 
Mar in jeden Band gebunden! 
Mancher Mechselfall des Lebens 
Uatte hier sein Grab gefunden. 
An das Merden uild vergehen 
Mußten mich die Akten mahlten . . . 
Dn auch, eh' Du Dich's versehen, 
Manderft einst zu Deinen Ahnen. 
Meint Kollegen, alt und bieder, 
Ihren Schritt zutn Ruh'stand lenken, 
Muß ich stets von neuem wieder 
All die alten Akten denken. 
C. firandjot. 
Gemälöe-Lrwerbungen unter Kurfürst Wilhelm II. 
Von Dr. Carl Schwarzkopf. 
^er schönste Schmuck unserer Vaterstadt Kassel 
U ist unzweifelhaft die herrliche Bildergallerie, 
die uns von dem regen Kunstsinn unserer hessischen 
Fürsten heute noch glänzende Kunde gibt. Im 
allgemeinen nimmt man an, daß nur die hessischen 
Landgrafen die eigentlichen Förderer künstlerischer 
Bestrebungen in unserer engeren Heimat gewesen 
sind und daß die letzten Kurfürsten für die Blüte 
und das Gedeihen der bildenden Künste nur geringes 
Interesse an den Tag gelegt hätten und, abgesehen 
von den Aufwendungen für das kurfürstliche Hof- 
theater, nur geringe Summen für künstlerische 
Zwecke aus ihrer reichen Apanage oder ihrem 
Privatvermögen gegeben hätten. 
Was indessen den Kurfürsten Wilhelm II. 
angeht, so scheint derselbe doch gerade kein Gegner 
der Kunst gewesen zu sein und die Malerei be 
sonders hat er durch Erwerbungen im größeren 
Stile thatkräftig und gar häufig unterstützt. Ein 
Zufall führte mir auf unserer Landesbiblivthek 
ein eigenhändig geführtes Ausgabebuch des genannten 
Kurfürsten in die Hände und zwar aus den Jahren 
1828—1830, aus welchem klar hervorgeht, daß 
der Kurfürst alljährlich doch ziemlich bedeutende 
Summen für den Ankauf von Gemälden aufgewandt 
und mit den namhaftesten Kunsthändlern seiner Zeit 
in reger Geschäftsverbindung gestanden hat. Die 
Namen der Kunsthändler von Berlin, München u.s.w.
	        

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