Full text: Hessenland (16.1902)

Lschwege im öreitzigjährigen Kriege. 
Von Wilhelm Kolbe. 
i-Lchluß.) 
R ach den gleichzeitigen Aufzeichnungen des Pfarrers 
Ludolf in Niederhone hausten die Kroaten bis 
zum Juni in der Umgegend Eschweges, „schleppten 
viele Leute mit weg, Manns- und Weibspersonen, 
marterten und peinigten auf türkisch, henkten Ein 
wohner an Händen und Füßen auf, spannten sie ! 
in Wannen, wie Jost Schwarzmann begegnet, i 
plagten sie, bis sie eine Summe Geldes versprachen, > 
und schossen sie nieder, wenn sie dieselbe nicht zu- j 
zusammenbrachten, gleich Hunden und Katzen. > 
Dem Martin haben sie die Fußsohlen mit Prügeln ! 
von den Füßen geschmissen. Sie steckten in Brand ! 
das Pfarrhaus zu Niddawitzhausen,, über 80 Häuser 
in Reichensachsen, etliche Häuser in Öttmannshausen 
und Hoheneiche, über die Hälfte des Dorfes Wich 
mannshausen nebst den Jnnkerhänsern daselbst und 
die Stadt Sontra". 
Die Kroaten wurden abgelöst von den Kaiser 
lichen des Generals von Hatzfeld, der durch 
Niederhessen zog und besonders Stadt und Amt 
Eschwcge stark plünderte. Raub und Brandschatzung 
nahmen nun bei den häufigen Durchzügen kein 
Ende. Die Kaiserlichen unter Götz und die 
Schweden unter Banners Führung überboten sich, I 
von dem verarmten Volke das Letzte zu erpressen. ! 
Ihren Höhepunkt erreichten die Greuel des 
Krieges nach dem Beschluß des Regensburger 
Kurfürstentages: Landgraf Wilhelm war abgesetzt, ' 
das Land herrenlos, der Willkür zügelloser Soldaten- j 
Horden preisgegeben. In dieser Periode der herren 
losen, der schrecklichen Zeit fällt der größte Unglücks- 
tag, den die Geschichte der Stadt Eschwege während 
des ganzen Krieges zu verzeichnen hat. 
„In Eschwege", schreibt Pfarrer Schmincke in 
seiner Geschichte der Stadt Eschwege S. 243ff., „War 
ans Gründonnerstag 1637 eben, wie herkömmlich, ; 
die Spende Corporis Christi ausgeteilt worden, als 
der Schreckensruf von der Ankunft der Kroaten ; 
erscholl. Die Besatzung unter Ludwig Gei so wich 
aus und es erfolgte eine allgemeine Ausflucht der 
Bewohner aus der Stadt und der Umgegend, welche 
teils nach Kassel oder andern sicheren Orten, teils 
in dunkeln, entlegenen Waldschluchten, namentlich 
des Schlierbachs, sich bargen. Das 1100 Häuser 
zählende, schon mehr als zwanzig Mal ansge- j 
plünderte Eschwege war menschenleer geworden; 
nur Alte, Lahme und Gebrechliche waren im 
Hospital und Siechenhause zurückgeblieben und 
außerdem wenige, die sich nicht von ihrem Herde 
trennen konnten. Jetzt zogen die Kaiserlichen ein 
und alle Greuel begannen und dauerten von 
Ostern an 14 Tage lang. Ans alle Weise wurde 
gemordet. Gebrechliche in den Rauch gehenkt, ncht- 
nndzwanzig Unglückliche im Backofen oder am 
Feuer gebraten, andern die Fußsohlen aufgeschnitten 
und mit Salz bestreut. Selbst in den Kirchen 
wurden die gemordet, welche dort ein Asyl gesucht 
hatten. Auch der Toten wurde nicht geschont: 
die schwedischen Obristen Abelmodn und Rachels- 
dors, welche 1636 in der Altstädter Kirche bei 
gesetzt waren, wurden ausgegraben und ans einem 
Kohlenhausen verbrannt. Einige ansgebrochene 
Fenersbrünste wurden von den Kroaten gelöscht, 
weil man erwartete, daß Abgeordnete des Land 
grafen oder der Stadt diese durch Erlegung einer 
Brandschatzung würden zu retten suchen. Da dieses 
nicht geschah, so wurde Eschwege am 20. April 
an mehreren Orten angesteckt, zugleich mit mehreren 
Dörfern der Umgegend und in wenig Tagen lag 
die Stadt in Schutt und Asche. Aus den Trümmern 
ragte empor das Schloß, in welchem Geleen seine 
Wohnung genommen und ans welchem kostbare 
Gemälde geraubt wurden, die Neustädter Kirche, 
das Hochzeitshans, die Cyriakuskirche und vierzehn 
elende Hütten, sowie viernndzwanzig (nach anderer 
Angabe 29) Scheuern in der Nähe der Mauern. 
Die Dyonisienkirche stürzte über der stark gewölbten 
Fürstengrnft zusammen und der Nikolaiturm brannte 
etliche Tage wie ein Licht; auch fand das Augustiner- 
kloster seinen Untergang. Schon sollten die Pech 
kränze an der schönen Nenstädter Kirche angezündet 
werden, da machte ein katholischer Priester dem 
kaiserlichen Befehlshaber dringende Vorstellungen, 
dieses Gebäude zu schonen, indem nun doch bald 
alle Ketzer zum katholischen Glauben zurückkehren 
würden. Selbst die Stadtmauern waren so zer 
stört, daß noch 1657 dieselben an mehreren Orten 
mit Dörnern zugelegt werden mußten. Die Stadt 
war dergestalt verwüstet, daß man vor Schutt 
keine Straße mehr finden und ans dem Markte
	        

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