Full text: Hessenland (16.1902)

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glauben, daß alles so recht von Grund aus blederineierlich 
gewesen sei, wenn nicht die Erzählung von dein „Engländer", 
in welcher ein raffiniert ausgeführter Juwelendiebstahl 
geschildert wird, diese Illusion zerstörte. 
In Scherz und Ernst spielen die hübsch erzählten Ge 
schichten sich zumeist in Hanau ab. aber nicht ohne einen 
Besuch auf der romantischen Bergveste Spangenberg in sich 
zu schließen, deren Bekanntschaft gar mancher knrhessische 
Offizier machen mußte, wenn er etwas auf dem Kerbholz 
hatte. Bei unserm Leutnant handelt es sich jedoch nur 
um eine noch nicht einmal zum Austrag gekommene 
Forderung auf Pistolen, die ihm drei Jahre Spangenberg 
eintrugen, von denen ihm später nur ein Jahr geschenkt 
wurde. Auch in das alle drei Jahre auf dem langen 
Felde bei Wehlheiden errichtete berühmte Lager führen uns 
die Erlebnisse des Leutnants. „War's gutes Wetter, gab 
es fideles Leben im Lager, besonders abends und an Sonn 
tagen, wenn der hohe Adel und die Bürgerschaft von halb 
Kassel angerückt kam, uns zu besuchen —", wie ein jeder 
bestätigen wird, der des letzten Lagers im Jahre 1868 
sich noch zu erinnern weiß. Bon den mannigfachen er 
heiternden Wendungen, die in dem Buch enthalten sind, 
sei die vom „Buwelchen". einem kleinen Bruder der 
Leutnantsbraut, wieder erzählt: „Buwelchen hatte am 
Sonntag im Hasenbrätchen auf ein Schrot gebissen und 
erschrocken ausgerufen: „Mutter, ich hab'n Knöchelche im 
Mund." Darauf wird ihm der Ursprung des Schrot- 
kügleins natürlich erklärt. Abends gibt's Cervelatwurst 
und Buwelchen bekommt ein Pfefferkorn ins Mäulchen. 
„Mütterchen", rief es vergnügt, „ich hab's Kiggelche ge 
sunde. womit das Würstche geschosse ist!" Wir lachten 
alle auf Buwelchens Kosten und Thomas meinte, er sähe 
ordentlich im Geiste die unglückliche Wurst vor dem Jäger 
fliehen. „Aber zahme Schweine schießt man doch nit!" 
rief Leutnant Sturm. „Stürmchen. Stürmchen, wo warst 
du mit deinen Gedanken!" 
Manchmal stimmen in dem unterhaltenden Buche die 
Zeitangaben nicht ganz genau, was jedoch die Mehrzahl 
der Leser kaum bemerken dürfte, einige unverständliche 
Sätze aber, wie z. B. auf Seite 164 und 207 sollen, nach 
Mitteilung der Verfasserin, ohne Verschulden der Verlags- 
buchhandlung bei dem Druck entstanden sein. 
Der Redaktion sind ferner folgende Schriften eingesandt 
worden: 
Verhandlungen der XIll. Jahresversammlung 
des Hessischen Städtetags zu Marburg am 6. und 
7. Juni 1902. Herausgegeben von Stadtkaffenrat 
Boedicker, Mitglied des Magistrats der Residenz 
stadt Kassel. 
Althessischer Volkskalender auf das Jahr 1903. 
Herausgegeben von W. Hopf in Melsungen. 
Personalien. 
Verliehen: dem Archivrat Dr. phil. Heinrich 
Reimer in Marburg der Charakter als Geheimer 
Archivrat; dem praktischen Arzt Dr. med. B a l d e w e i n 
in Obernkirchen der Charakter als Sanitätsrat. 
Ernannt: Major von Lengerke, a la suite der 
Armee und Adjutant des Präsidenten des Reichs-Militär 
gerichts. zum außeretatsmäßigcn militärischen Mitgliede des 
Reichs-Militärgerichts; die Regierungs-Assessoren Pickert, 
von Esch Wege, von Görs che n. Freiherr von T e t t a u 
und Scholz in Kassel und von Aschoff. zur Zeit in 
Melsungen, sowie die Spezialkommissare Regierungs 
Assessoren Dr. Wenke in Hanau, Zuschlag in Karls 
hafen und Schmidt in Treysa zu Regierungsräten; 
Pfarrer Alles zu Ransbach zum Pfarrer in Lohne; 
König!. Regierungsbaumeister von Sturmfeder in 
Kassel zum König!. Eisenbahn-Bauinspektor; Mittelschul 
lehrer Vahlbruch zu Frankfurt a. M. zum ordentlichen 
Lehrer am Seminar zu Homberg; Lehrer Pas so w in 
Langenselbold zum Lehrer an der Präparandenschule zu 
Homberg; Rechtskandidat von L i e b e r m a u n zum 
Referendar. 
Versetzt r Landgerichtsrat H e n ß c n von Hanau nach 
Bonn; Staatsanwaltschaftsrat Greffrath von Kassel an 
die Oberstaatsanwaltschaft zu Naumburg a. d. S.; Seminar 
lehrer Dr. Grau als Oberlehrer nach Schlüchtern. 
Bestellt: der außerordentliche Pfarrer Die. theol. 
Bach zum Gehilfen des Superintendenten Sold au zu 
Großenwieden. 
Entlassen: der Rechtsanwalt und Notar Prack in 
Melsungen aus dem Amte als Notar infolge seiner Zu 
lassung zur Rechtsauwaltschaft beim Landgericht in Frank 
furt a. M. 
Verlobt: Gerichtsassessor Karl von Baumbach- 
Nentershausen zu Saalfeld i. Th. mit Fräulein 
Natalie R ü h l aus Düsseldorf (September). 
Geboren: ein Sohn: Oberförster Steubing und 
Frau Anna. geb. Kothe (Bersenbrück, 1. September); 
Königl. Domänenpächter Georg Ehrbeck und Frau 
(Heydau-Altmorschcn, 1. September); Dr. med. H. Wittich 
und Frau M i m i. geb. W o l p e r s (Kassel. 8. September); 
Fabrikant W i l h e l m P i e p m e y e r und Frau Hedwig, 
geb. Becker (Kassel, 5. September); — eine Tochter: 
Kaufmann F r i tz L o e w e und Frau, geb. Andre (Kassel. 
2. September); Dr. med. B a ch m a n n und Frau (Wahlers 
hausen) ; Oberlehrer D i t h m a r und Frau Frieda, 
geb. Zuschlag (Kassel, 5. September); Fabrikant Julius 
Engelhardt und Frau Ella, geb. Lambrecht 
(Kassel. 11. September). 
Gestorben: eaud. phil. Karl Julius Bücking, 
25 Jahre alt (Marburg. August); Bildhauer Heinrich 
Gib Hardt, 57 Jahre alt (Kassel, 81. August); Königl. 
Förster a. D. Jakob Schmidt, 85 Jahre alt (Kirch 
ditmold, 2. September); Forstmeister a. D. August 
Kayser, 87 Jahre alt (Wächtersbach, 8. September); 
Frau Oberst Freifrau von Biedenfeld, geb. Freiin 
von Stein-Liebenstein-Barchfeld (RittergutRitters 
hayn, 9. September); Königl. Baurat a. D. Karl 
Blanckenhoru. 81 Jahre alt (Kassel, 14. September). 
IMF* Mit dem heutigen Heft beschließt das „Hessenland" das HI. Quartal des XVI. Jahr 
gangs. Wir bitten namentlich die verehrlichen Post-Abonnenten um rechtzeitige Nen-Bestellnng. 
Mit dem 1. Oktober neu zugehenden Abonnenten können die Hefte 1—18 nachgeliefert werden. 
Probe-Hefte stehen jederzeit gern zur Verfügung. Der Uerlag des „Hessenland". 
Für die Redaktion verantwortlich: W. Ben necke in Kassel. Druck und Verlag von Fried r. Scheel, Kassel.
	        

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