Full text: Hessenland (16.1902)

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Wohlan, so laßt bei deutschem Wein 
Die deutsche Feder leben! 
Laßt sie. dem Weine gleich vom Rhein, 
Nur goldne Perlen heben! 
Sie schaffe, was des Geistes Macht 
Umrankt mit Ruhm und Ehre, 
Tie kämpfe gegen Trug und Nacht 
Und fei der Freiheit Wehre! 
Doch muß sie werden uns zum Schwert: 
Tann frisch nur, zieht vom Leder. 
Und schützt an deutschem Mannes Herd 
Das Recht der freien Feder. 
Brunnendenk mal. In Spangenberg wurde 
am 7. September der von Herrn Fabrikanten 
Heinrich S a l z m a n n zu Bettenhansen bei Kassel 
seiner Vaterstadt gestiftete Monumentalbrnnnen, 
welcher die Liebenbachsage versinnbildlicht, enthüllt. 
Unter den mannigfachen Festlichkeiten, die statt 
fanden, nahm die Ausführung des von Alberta 
von F r e y d o r f, geb. F r e i i n von Cornberg, 
gedichteten Sangesfestspiels „Tie Liebesquelle zu 
Spangenberg", in Musik gesetzt von Herrn Kapell 
meister K. Goepfart aus Weimar, die erste Stelle 
ein. Die Figuren des Denkmals sind nach dem 
Modell des Herrn Bildhauers Hoesel, Lehrers 
an der Kunstakademie zu Kassel, in Bronzeguß 
ausgeführt worden. Herr Salzmann wurde zum 
Ehrenbürger der Stadt Spangenberg ernannt. Tie 
Sage vom Liebenbach ist auch von Hugo Freder- 
king in einer längeren Dichtung behandelt worden. 
(Siehe „Hessenland" 1887, Seite 108.) 
Hugenottentag. Am 21. und 22. September 
findet in Kassel der Deutsche Hugenottentag 
statt, der für die hessische Hauptstadt ein besonderes 
Interesse hat, da die dortige Oberneustädter Kirche be 
kanntlich aus der alten französischen, von Hugenotten 
gegründeten Gemeinde entstanden ist. Am 21. Sep 
tember abends gelangt bei der Festfeier ein von 
? Franz Treller verfaßtes Festspiel ..Die Hessen 
und das Evangelium" mit lebenden Bildern 
und altkirchlichen Gesängen zur Ausführung. 
Verleihung. Dem ersten Direktor derHenschel- 
s ch e n L o k o m o t i v e n - u n d M a s ch i u e n b a u a n st a l t 
in Kassel Herrn August Schäffer ist anläßlich 
seines 50 jährigen Dienstjubiläums am 15. Sep 
tember der Titel „Königlicher Banrat" verliehen 
worden. Dieselbe Auszeichnung wurde auch dem 
zweiten Direktor Herrn Bauiuspektor Leißner zu 
teil. Mit dem Jubiläum siel auch die Fertig 
stellung der 6000. Lokomotive zusammen. Frau 
Geheime Kommerzienrat Heu schel und Herr Karl 
Henschel überwiesen bei dieser Gelegenheit den 
Unterstützungs- und Pensivnssonds für die Beamten 
und Arbeiter der Fabrik wiederum sehr namhafte 
Beträge und stifteten mehrere neue bedeutsame 
Wohlsahrtseinrichtungen für die Arbeiter. 
Todesfall. In Wächtersbach starb am 8. Sep 
tember der Forstmeister a. D. August Kayser 
im Alter von 87 Jahren. Der Dahingeschiedene 
war der älteste der noch am Leben befindlichen 
Forstmänner aus der kurhessischen Zeit. Forst 
meister Kayser gehörte einer alten Försterfamilie 
an, die den Grafen von Schaumburg und sodann 
den hessischen Fürsten treu gedient hat. Nachdem 
er die Forstakademie Melsungen und die Universität 
Göttingen besucht hatte, wurde er 1839 als Revier 
förster zu Nonnenrod, Kreis Fulda, angestellt. 
Später leitete er die Forstverwaltung des Fürsten 
von Isenburg-Büdingen-Wächtersbach, um die er 
sich große Verdienste erwarb. Am 12. September- 
hütte der Entschlafene das Fest der diamantenen 
Hochzeit feiern können. 
Hessische Bücherschau 
Leutnants-Erinnerungen eines alten 
Kur Hessen. Halbvergessene Geschichten aus 
den dreißiger und vierziger Jahren des 
19. Jahrhunderts erzählt von B. S. Coester, 
geb. von B i s ch o f f s h a u s e n. Marburg (N. G. 
Elwertsche Verlagsbuchhandlung). 
Leutnants-Erinnerungen ein vielversprechender 
Titel, denn der Inbegriff alles Himmelhochjauchzenden und 
zum Tode Betrübten ist in dem Worte „Leutnant" mehr 
als in jeder andern Lebensstellung, zu der es die jungen 
Jahre bringen können, vereinigt. Litterarisch aktuell ist 
der Leutnant aber auch und zwar in sehr hohem Grade, 
denn kein einziger der sog. lesenswerten Romane oder 
sehenswürdigen Theaterstücke kann des Leutnants entbehren. 
In den Romanen bildet die ewige Leutnants-Misöre selbst 
verständlich der Mangel des zu einer Heirat erforderlichen 
Kommißvermögens, ein sehr betrübender Umstand, der zu 
den schwierigsten Verwickelungen führt. Der kurhessifche 
Leutnant aus den dreißiger und vierziger Jahren, der 
uns in den vorliegenden Erinnerungen entgegentritt, ist 
jedoch über solche Lappalien erhaben, denn erstens ist gerade 
die Erwählte feines Herzens ein steinreiches Mädchen, was 
in den modernen Romanen niemals vorkommt, und zweitens 
hat er selbst in der Lotterie 6500 Gulden gewonnen und 
zwar durch ein '/>« vom großen Loos, das ihm der 
„Schlawihcr" aufgeschwatzt hatte. Mit dem „Schlawitzer" 
aber werden wir in jene längst vergangene gemütliche 
Zeit versetzt, die noch nichts mit Blut und Eisen zu thun 
hatte, und in der es sich, hin und wieder einen kleinen 
Krawall abgerechnet, ganz gut im Ländchen leben ließ. 
Wie das Bild auf dem rotweiß umrahmten Einband vor 
Augen führt, herrschten damals noch bei dem Militär der 
Tschako und der Frack, und bei den Damen die großen 
Florentiner Strohhüte, die Sonnenschirme mit Kniegelenken, 
die Fichus, die ungeheuren Broschen und die Halbhand 
schuhe. Alles geht sehr gemütlich zu und man könnte fast
	        

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