Full text: Hessenland (16.1902)

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zum Landvogte ober Amtmann in Wasungen. 
In späteren Jahren bezeichnet er sich gern als 
hessischen Erblehensmann mit Rücksicht aus ein 
ihm zustehendes Freihaus im „Heynersloch" zu 
Schmalkalden, mit dem er am 18. Januar (Frei 
tags nach Anthonii) 1538 vom Landgraf Philipp 
belehnt worden war.*) 
Die letzten Jahre seines Lebens hat er vielleicht 
wieder in Schmalkalden gewohnt. Seine Gattin 
Anna lebte noch 1547; er selbst, den ein gleich 
zeitiger Gelehrter, Or. Johannes Matthäus, „virum 
prndentem et doctuin verneine religionis 
amantissimum“ nennt, starb am 7. Juni 1555. 
*) Lehnsakten im Marburger Staatsarchive, Bi. St. 
S. 8713. 
Außer zwei Töchtern, von denen die eine an den 
Pfarrer Johannes Müller zu Herrenbreitungen, 
die andere seit dem 10. Oktober 1569 mit dem 
Hosprediger M. Samuel Fischer verheiratet war, 
hinterließ der Rentmeister einen gleichnamigen 
Sohn, Balthasar Wilhelm den Jüngeren, der sich 
der Theologie widmete und 1546 zu Erfurt mit 
einer Disputation ,.De regno Christi et ejus 
ministeri! functione. de potestate et censura 
jurisdictionis ecclesiastica, de persecutionibus 
propter justitiain scilicet procationis et officii 
administrati seren dis" hervortrat. *) Über dessen 
weitere Schicksale ist nichts bekannt. 
*) Geisthirt, Schmalcaldia literata, S. 78—79. 
Historia Schtnalcaldica ll. 97. 
•<«>—-—— 
wilhelnrsthaler wafsersxiel 
Rokoko — du üppig Wort, 
Anmutvoll und reizverschlossen, 
Wie verklärst du manchen Ort, 
Wo die Alten froh genossen, 
Wo sie in verschwieg'nen Grotten 
Hohes, Heiliges verspotten 
And vor ernsten Züchten 
Lachend flüchten. 
Kleinod echten Rokokos, 
Wilhelmsthal, weich eingebettet 
Wald'ger Hessenberge Schoß 
Und von Teichen perlumkettet; 
Leuchtest in die Lande weit, 
Strahlest aus das Licht der Zeit, 
Da so leicht das Leben, 
Glanzumgeben. 
Zeit, wo sich die Fürstenmacht 
Aus der Tage Schmuck besonnen, 
Zartem Spiel die hehre Wacht, 
Loser Lust den Geist gewonnen; 
Wo dem Nolk man ließ die Lasten, 
Nur die Großen prunkten, praßten, 
Doch beim Schönen waltend, 
Kunst hochhaltend. 
Schloß und park, wie Himmelstau 
Troff aus euch die Schönheit nieder, 
Zhr zum preis durchsüßt die Au 
Nogelkehle, Schmelz der Lieder. 
Geister alter Zeit erwachen: 
Nah' vom Weg — horch — Silberlachen 
Locken traut zum Stelldicheine 
Büsch'ge Haine? 
Aassei. 
Riesensaal: manch hundert Linden 
Sind die Säulen, Laubdach tragend; 
Wo wär's in der Welt zu finden? 
Hoch umfriedend — herrlich ragend. 
Wie geweiht dem Sonnengotte 
Dort am Saum die Wassergrotte, 
All' die Wonnen siegelnd, 
Wunder spiegelnd. 
Hundertmal der feuchte Strahl 
Lichte perlen sprengt im Bogen, 
Zn den See sprüht's hundertmal, 
Reich von Schmiedewerk umzogen, 
Das die Wauern zieret, krönet — 
Aus der Halle Dämmer tönet 
Dem entzückten Sinne: 
Lvoe, Winne! — 
Zweier Schwäne Hals, im Teicb, 
Lin verschlung'nes „W" hell spritzet —, 
Büblein, auf den federn weich, 
Gleich dem Schwan von Golde blitzet. 
Aus und nieder breite Stufen; 
Rings ein Zubein, Lachen, Rufen — 
Drängen sich zum Nenusfeste 
Frohe Gäste? — — 
Wasserspiel und Liebessang, 
Alte Schloßpark - Bäume, 
Rauscht wie Aolsharsenklang, 
Rauscht in meine Träume! « 
Holde Grotte, mich umschweben 
Deine Schleier: selig Leben, 
Rausch von Glück dem Herzen malen 
Deine Strahlen! 
Louis Wollt.
	        

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