Full text: Hessenland (16.1902)

Stabt pars mit reizenden Kartenanlagen durch 
wandernd patte man noch genug Gelegenheit, auf 
die Kirche mit ihren steilen Thürmen hinzublicken, 
von denen der eine bis zum Ende der 70er Jahre 
mit seiner schiefen und gewundenen Spitze ein 
Wahrzeichen der Stadt bildete. Dann beschallte 
man die Kelakapelle. das Hailser Thor. das Holz 
thor sowie die in Privatbesitz übergegangenen Ge- 
bällde. das Iohanniterhans und die Peterskirche, 
welche letztere von ihrem jetzigen Eigentümer, Herrn 
Fabrikanten Mele, gern gezeigt wird. 
Nach Betrachtung dieser vieleil Sehenswürdig 
keiten. ans welche die Stadt Gelnhausen mit Recht 
stolz sein kann, schmeckte das wohl zubereitete Fest 
mahl im Gasthause zum Hessischen Hof. das durch 
.Kaisertoast und daran sich reihende Trinksprüche 
ans das gastliche Gelnhausen, den hessischen Gc- 
schichtsverein. die hessische Heimat, die Frauen, die 
Festredner gewürzt wurde. Tie Zahl der Teil 
nehmer betrug über 70. Das nachfolgende Konzert 
im Garten „Zur Hoffnung" vereinigte noch eine 
große Zahl bis zum späten Abend 
Am letzten Tag, 23. August, versammelten sich 
gegen 9'/2 Uhr vormittags die Teilnehmer ans 
dein Platze vor dem Rathanse und zogen, mit der 
Stadtinnsik voran, hinauf in den schattigen Stadt 
wald und weiter nach der Heinrichshöhe, welche 
mehrere herrliche Aussichtspunkte darbietet und wo 
man ein von dem Festansschliß dargebotenes Früh 
stück einnahm. Bei diesem machte Herr Landrat 
v. Baumbach noch höchst anziehende Mitteilungen 
über die früheren und jetzigen politischen Verhält 
nisse des ill herrlichste,ll Sonnenlicht sich zeigenden 
Gelnhänser Thales. Erst nach mehreren Stunden 
trennten sich die Teilnehmer von der Heinrichshöhe 
und von ihren freundlichen Wirten mit dem Ge 
fühle, frohe und angenehme Stunden in der lieb 
lichen Stadt Gelnhausen verlebt zu haben, g. ff. 
Universitätsnachrichten. Der ordentliche 
Professor Dr. Friedrich Sch 011ky zu Marburg 
ist in gleicher Eigenschaft in die philosophische 
Fakultät der Friedrich - Wilhelms - Universität zu 
Berlin versetzt worden. — Der Professor der 
Jurisprudenz Schücking in Breslali hat einen 
Ruf an die Universität Marburg erhalten und 
angenommen. — Dr. I. Haller, seither Mitglied 
des preußischen historischen Instituts in Rom. 
ist zum außerordentlichen Professor für mittel 
alterliche Geschichte und Direktor des Seminars 
für historische Hilfswissenschaften an der Universität 
Marburg berufen worden und hat den Ruf an 
genommen. — Der bisherige Physikus Dr. Hein 
rich Hildebrand zu Hamburg ist zum außer 
ordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät 
der Universität zu Marburg ernannt. Demselben 
wurden auch die Obliegenheiten eines Kreisarztes 
für die Kreise Marburg und Kirchhaiu übertragen. — 
Der bisherige Privatdozent an der Universität Mar 
burg Dr. phil. ©abaiacr ist zum ordentlichen 
Professor in der philosophischen Fakultät der 
Universität Breslau ernannt worden. 
Todesfall. Am 4. Juli d. I. starb zu Er 
langen der außerordentliche Professor der Ohren- 
! Heilkunde Professor Dr. Wilhelm Kießelbach. 
im Alter von 62 Jahren. Geboren am 1. De 
zember 1839 zu Hanau a. M. als Sohn eines 
hochangesehenen, vielbeschäftigten Arztes, dessen Groß 
vater aus Kirchhaiu in Oberhessen stammte, be 
suchte Kießelbach das Gymnasium seiner Vaterstadt 
und studierte darauf auf den Universitäten zu 
Göttingen und Marburg Medizin. Die Wahl 
gerade dieses Studiums entsprach seiner eignen 
Neigung und war zudem ein Lieblingswunsch der 
Familie, da außer dem Vater schon der Großvater 
und der Urgroßvater Ärzte gewesen waren. In 
Göttingen gehörte Kießelbach dem Korps Hildeso- 
Guestphalia an. in Marburg war er ein geschätztes 
Mitglied der Hasso-Nassovia. Andauernde Krank 
heit. wie ein komplizierter Beinbruch und eine 
langwierige Lähmung der linken Hand, nötigten ihn 
leider, zeitweise seine medizinische Studien zu unter 
brechen. er benutzte aber die Gelegenheit, um sich 
durch fleißiges Studium und Lektüre eine umfassende 
allgemeine Bildung, namentlich auf naturwissen 
schaftlichem Gebiet, anzueignen. Während des 
Kriegsjahrs 1870—1871 war Kießelbach als As 
sistent am Krankenhaus thätig und besaß infolgedessen 
die Kriegsmünze für Nichtkombattanten. Im Jahre 
1880 habilitierte er sich an der Universiät Erlangen 
für Ohren, Nase und Kehlkopf, 1883 wurde er 
Oberarzt an der ohrenärztlichen Poliklinik und 1888 
außerordentlicher Professor. In dieser seiner Eigen 
schaft hat nun Kießelbach eine segensreiche Thätigkeit 
entfaltet, als Forscher, als Dozent, als Arzt und 
als Mensch war er gleich ausgezeichnet. Ter Wissen 
schaft hat er durch eine Reihe gediegener Unter 
suchungen, die er in den Fachzeitschriften veröffent 
lichte. große Dienste geleistet. Hervorzuheben sind 
hier seine Beiträge zur Physiologie des Gehörorgans, 
speziell der Gehörnerven, in welcher er auf Grund 
langdauernder Versuche am eigenen Körper wesent 
lich Neues brachte und so eine bleibende Grundlage 
auf diesem schwierigen Gebiete schuf. Nicht minder 
glücklich war Kießelbach als Dozent. Seine Vor 
lesungen waren ein Muster von Gründlichkeit und 
Einfachheit, da jeder äußerliche rhetorische Prunk 
vermieden wurde; desgleichen brachten die Praktika 
seinen zahlreichen Schülern reiche Belehrung. Denn
	        

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