Full text: Hessenland (16.1902)

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Schaffte wurde er bei der Direktion der Franz- 
Josess-Bahn, die damals noch nicht verstaatlicht 
war, angestellt und avancierte bis zum Vorstände 
der Personal- und Rechtsabteilung. Adam Trabert, 
der politische Mann aus dem Kurfürstentum 
Hessen, war in Österreich Beamter geworden. Die 
Sturm- und Drangjahre waren vorüber, ruhig 
konnte sein Schisslein nunmehr dahingleiten, bis 
es in den Hafen einlief. Nach der Verstaatlichung 
der Franz-Josefs-Bahn, deren Folgen ihm nicht 
behagten, wurde er als Generalsekretär erster Klasse 
der K. K. österreichischen Staatsbahnen aus sein 
Ansuchen 1889 pensioniert. Aber noch einmal 
ergriff er die politischen Waffen, und zwar um 
für eine österreichische Einheit zu kämpfen, die 
ans einem demokratischen Katholizismus beruhen 
sollte, aus „Licht, Wahrheit und Freiheit ohne 
jegliche Art von Reaktion — ". Die Verhältnisse 
haben ihm jedoch den Kampf verleidet und er 
zog sich zurück, fortan der Dichtkunst allein zu leben. 
Der Politiker ist ein Kind seiner Zeit, der 
Dichter lebt für alle Zeiten, und daß Trabert 
ein wahrer Dichter ist, darüber herrscht kein Zweifel. 
Er ist entschieden einer der besten Lyriker der 
Neuzeit. Tiefe der Empfindung und Einfachheit 
der Form sind die Hauptvorzüge seiner Muse. 
1888 und .1889 veröffentlichte er die „Deutschen 
Gedichte aus Österreich", in drei Bünden („Schwert 
lieder eines Friedsamen", „Ein Menschenleben" 
und „Trösteinsamkeit"). Ör. Wilhelm Schoos 
schreibt darüber in seinen „Studien zu einer hessischen 
Litteraturgeschichte": Ein reiches, warmes Gefühls 
leben pulsiert in den „Schwertliederu". Einige 
sind vorzüglich geeignet, der Jugend und dem 
Volke bekannt gemacht zu werden, da sie voll 
jugendlichen Feuers sind und fast soldatischen 
Sinn atmen. Von einer anderen Seite zeigt 
sich das bedeutende lyrische Talent Trabert's in 
„Ein Menschenleben". Hier offenbart sich uns 
eine echte Dichterseele. Wie ein roter Doppelfaden 
zieht durch sie der immer und überall wieder 
kehrende Gedanke an die hessische Heimat mit 
dem dankbaren Gefühle für die neue. Auch in 
„Trösteinsamkeit" schallen uns die mächtigen 
Akkorde der Vaterlandsliebe entgegen. — 
Unsere Zeitschrift, der Adam Trabert seit ihrer 
Begründung ein treuer Freuud geblieben ist, ver 
dankt ihm eine ganze Reihe wertvollster dichterischer 
Beiträge. 
Trabert hat auch eiu sünsaktiges Schauspiel 
„Elisabeth, Landgrüfiu vvu Thüringen und Hessen" 
(l892)verösfentlicht,demvorwenigenJahren(1899) 
noch ein zweites „Julian der Abtrünnige" gefolgt 
ist. Seine „Elisabeth" nennt Trabert einen „Protest 
gegen das Ehebruchsdrama der Gegenwart, gegen 
die auf der Bühue eingebürgerte Zweideutigkeit 
uud sittliche Verdorbenheit". Dies dürste wohl 
mit ein Grund sein, daß dies Schauspiel bis 
jetzt Buchdrama geblieben und wenig bekannt 
geworden ist. 
In Trabert's Pulte besiudeu sich übrigens noch 
einige weitere dramatische Arbeiten, die nur deshalb 
ruhen, weil sie den Fehler haben, „an den alten, 
unsterblichen Idealen klassischer Zeit festzuhalten". 
In den Augen aller Modernen gewiß ein unver 
zeihliches Verbrechen, für welches der greise Dichter 
jedoch mit einem noch lange andauernden, milden 
Lebensabend gesegnet werden möge. W. Zz. 
Zwei alte Cieder >>°» H. Crabert. 
I. 
Klinasors 6c$ana.*) 
Kornblumen, ihr blauen, 
Ihr Ähren so schwer, 
Tauperlen der Anen, 
Wo kommt ihr wohl her? 
lver schuf dich, o Sonne, 
Du leuchtendes Gold, 
Den Menschen zur Wonne, 
So lieblich und hold? 
Ich ahn' ihn und schweige; 
Ihr Menschen, o glaubt! 
Ich schau ihn und neige 
Demütig mein ksaupt. 
ll. 
£ied der Weberin.*) 
Mein Flachs ist gesponnen 
Im vollmondschein; 
Nun find' ich am Bronnen 
Den Liebsten mein. 
Ihr himmlischen Kerzen, 
Ihr Sternlein der Nacht, 
Wer hat euch den Herzen 
Zum Troste gemacht? 
*) Aus A. Traberts Schauspiel „Elisabeth, Landgräfin von Thüringen 
und Hessen". 
Die Nixlein der (Quelle, 
Sie lockten ihn her; 
Du schöner Geselle, 
Nun spinn' ich nicht mehu. 
‘) Aus A. Traberts noch unediertem Schauspiel „Heinrich der Stolze".
	        

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