Full text: Hessenland (16.1902)

in Leinen geb. 3 Mark) erschienen. Eine Besprechung 
des Werkes wird in einer der nächsten Nummern 
erfolgen. 
Das in der vorliegenden Nummer des „Hessen 
land" enthaltene Bild des Kurfürsten Friedrich 
Wilhelm I., das ihn in seinen letzten Lebens 
jahren darstellt, ist die verkleinerte Reproduktion 
eines vorzüglichen Stahlstichs, der uns von dem 
Berleger Herrn Wilhelm Hopf in Melsungen 
zu diesem Zweck bereitwilligst zur Verfügung gestellt 
worden ist. Exemplare des Stahlstichs sind von 
Herrn Hopf zum Preise von je 1,50 Mark zu beziehen. 
Hessische Bücherschau. 
II rkundenb 11 ch des Klosters Kaufungen 
in Hessen Im Aufträge des Historischen 
Vereines der Diözese Fulda bearbeitet und 
herausgegeben von H e r m a n n v v n R o q u e s, 
Major a. T. II. Band. Kassel (M. Siering 
in Kommission) 1902. 
Mit dem vorliegenden Bmde ist nunmehr das Kaufunger 
Urkllndenbnch. dos hochverdienstliche Werk unseres Lands 
mannes Hermann von Roques. vollendet. Mit seinen 
XIII und 614 Seiten noch umfangreicher als der vor 
zwei Jahren erschienene erste Band. der 423 Urkunden ans 
der Zeit von 811—1442 enthielt, umfaßt dieser Band 
die Zeit von 1472—1578 mit den Urkunden Nr. 424—826, 
die über dos letzte Jahrhundert der Geschichte des ölten 
.Klosters Licht verbreiten. Es ist die Zeit der Äbtissinnen 
Elisabeth von Woldeck 1442 — 95, Agnes von Anholt 
1495—1504, Elisabeth von Plesse 1504—09 (sie mußte 
1509 bei der Reformation des Klosters abdanken, wurde 
aber noch 10 Jahren auf ihre inständige Bitte und Be- 
thcuerung „Eck kan meck nhcht toffrcdc geven, cck mot to 
Kvffnngen" wieder ins Kloster oufgcnvmmeu). Anna von 
der Bvrch 1509—12, Alfradis von der Borch 1512—34 
und Helene Freseken 1534 — 65. Gerade dies letzte Sücnlum 
der Geschichte des Klosters ist besonders interessant, und 
die Urkunden enthalten reiches Material für dieselbe wie 
für die hessische Reformationsgeschichte überhaupt, in der 
ja die Aufhebung der Klöster unter Philipp dem Groß 
mütigen eine bedeutende Rolle spielte. Während andere 
Klosterinsassen, wie die Kanonissinnen von Wetter und 
Eschwege, sich mit den vom Landgrafen gebotenen Ab- 
findnngsgcldern zufrieden gaben, erhob die mit mehreren 
9!onnen ins Paderbornische geflüchtete Kaufunger Äbtissin 
Alfradis von der Bvrch Protest, den ihre Nachfolgerin 
erfolglos erneuerte, trotzdem der Kaiser und das Reichs 
kammergericht sich auf die Seite der Vertriebenen stellten. 
Die landesherrliche Gewalt behielt die Oberhand und das 
Kloster blieb in den Händen der hessischen Ritterschaft, 
der es von Philipp dem Großmütigen übergeben war. 
Über alle diese Dinge und Verhältnisse gibt das Urknnden- 
bnch neue Aufschlüsse und bietet daneben wieder wie der 
frühere Band eine Fülle von Interessantem zur Kultur 
geschichte des 15. und 16. Jahrhunderts, so daß man in 
jeder Hinsicht diese Bereicherung der historischen Quellen- 
litteratur für unsere Geschichtsforschung aufs dankbarste 
begrüßen kann. 
Über die Arbeit des Herausgebers, der ja bekanntlich 
erst in späteren Jahren sich dem historischen Fachstudium 
zugewandt hat und deshalb bei der Herausgabe der Ur 
kunden Hindernisse überwinden mußte, die dem schulmüßig 
herangebildeten Historiker gewiß weniger Schwierigkeit 
geboten haben würden, können wir nur auf das durchweg 
anerkennende Urteil verweisen, das der verstorbene Redakteur 
unserer Zeitschrift Dr. G rvtefend über den ersten Band 
des Urkundenbuchs im Jahrgang 1900, S. 309—12 aus 
gesprochen hat und das wir in jeder Hinsicht bestätigen 
können. Wir wünschen dem Herausgeber, daß er auch 
insofern die Frucht seiner mühsamen jahrelangen Arbeit 
selber pflücken möge, indem es ihm gelinge, nun auch 
die beabsichtigte Darstellung der Geschichte von Kaufungen 
zu vollenden. für die er mit seinem Urkundenbuch den 
Grundstein gelegt hat. 
Im Anhange sind außer Nachträgen zu den Urkunden 
des ersten und Zweiten Bandes u. a. m. Notizen über die 
Grabmäler der Äbtissinnen in der Kaufunger Kirche sowie 
die aus dem 15. Jahrhundert stammenden Statuta 
lvouffungensiuni mitgeteilt. 
Schließlich sei noch das umfangreiche, mit großem Fleiße 
ausgearbeitete Register erwähnt, bei dem wir nur zu be 
dauern haben, daß es für beide Bände getrennt und nicht 
als ein einziges Gesamtregister angelegt ist. Die dem 
Werke beigegebene Übersichtskarte der Besitzungen des 
Klosters (gezeichnet von Herrn G. Siegel in Lichtenau) 
umfaßt auch die westfälischen und rheinischen Güter sowie 
alle im Urkundenbuche erwähnten Orte und dient somit 
-als wesentliches Hülfsmittel zur geographischen Orientierung. 
Ehronik von Stadl und Festung Spangen- 
berg. Bearbeitet von Wilh. Siebald, 
Bürgermeister. Unter Wegfall rein statistischer 
Zusammenstellungen neu bearb. und Hrsg, von 
Wilhelm B o i gl. Marburg (Ehrhardt) [i 902]. 
Die erste weit umfangreichere Ausgabe dieser Schrift 
erschien im Jahre 1880 (Druck von Bernecker in Melsungen) 
und verdiente als ein erster Versuch. die Geschichte der 
alten hessischen Bergfeste kurz darzustellen. entschiedenes 
Lob. Daß nunmehr nach 20 Jahren sich das Bedürfnis 
nach einer Neuauflage des Siebaldschen Merkchens gezeigt 
hat, ist gewiß ein gutes Zeichen. Aber mit der uns vor 
liegenden Neubearbeitung können wir uns keineswegs ein 
verstanden erklären. Herr Voigt hat die neun Kapitel 
der ursprünglichen Schrift seines Großvaters zu vier 
Kapiteln zusammengezogen, von denen eins, der vierte 
Teil des Ganzen!, nur die Liebenbach-Sage umfaßt, die 
am allerersten eine bedeutende Kürzung hätte vertragen 
können. Dagegen hat er die von Siebald mit großer 
Mühe gesammelten Angaben über die Einwohnerschaft. 
Handel und Gewerbe, städtische Verwaltung. Schulwesen, 
die vollständige Reihe der Pfarrer, Rektoren, Bürgermeister 
n. a. m. gänzlich unterdrückt. Mochten das immerhin 
Diitge sein, die einen weiteren Leserkreis nicht sonderlich 
interessierten, so waren es doch gerade diese jetzt getilgten 
Stellen, die dem anspruchslosen Schriftchen Siebalds einen 
wirklichen Wert für die hessische Lokalgeschichtsforschung 
verliehen, und ihre Streichung statt Vermehrung und 
Ergänzung in der vorliegenden Neuauflage kann deshalb 
nur bedauert werden. Vh. <£.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.