Full text: Hessenland (16.1902)

seinen 70. Geburtstag. In Marburg geboren, 
studierte er daselbst Philosophie nnd Theologie, 
ward 1660 Privatdozent nnd 1867 Professor 
an der Universität seiner Vaterstadt. Nachdem er 
1871 nach Kiel übergesiedelt war, nahm er zwei 
Jahre später einen Ruf nach Bonn an, wo er 
Archäologie und Knnstgeschichte lehrt. Seine be 
deutendsten Werke auf dem Gebiete der Kunst 
geschichte sind „Winckelmann" (1866—72), „Velas- 
quez" (1888) und „Michel Angelo" (1900). ausser 
dem gab er heraus: „Tante nnd die göttliche 
Komödie" (1862) und „Tie Verklärung Christi, 
Gemälde Raphaels", (1870). Möge der Litteratur 
noch manches Werk aus der Feder unseres berühmten 
hessischen Landsmannes geschenkt werden. 
Louis Katzen st ein. Am 27. August begeht 
der Kunstmaler Louis Katzen stein in Kassel 
seinen 80. Geburtstag. Am genannten Tage des 
Jahres 1822 (Jakob Hoffmeister in dem „Kasseler 
Kinder" überschriebeuen Anhang zur „Geschichte der 
Stadt Kassel" giebt irrtümlich 1824 als Geburts 
jahr an) in der Haupt- uiib Residenzstadt des 
Kurfürstentums Hessen geboren, wurde er nach dem 
Besuch von Privatschulen für den Kaufmannsstand 
bestimmt, sein ganzes Wesen aber trieb ihn dazu, 
sich der Kunst zu widmen, und er setzte es durch, 
die Kasseler Malerakademie zu besuchen, wo er 
unter Leitung des Professors Friedrich Müller 
1845 seine Studien begann. Während dieser Zeit 
wurden in Kassel mehrere, allenthalben das größte 
Aufsehen erregende Bilder der belgischen Maler 
Gallait und Biösve ausgestellt und diese wirkten 
dergestalt aus den leicht empfänglichen Kunstjünger, 
daß er, gleich vielen andern deiltschen Malern, nach 
Paris ging, um in Leon Dvignets Atelier sich 
weiter auszubilden. 1847 wandte er sich sodann 
nach Rom, wo er. angeregt von dem dortigen 
malerischen Volksleben, sich ganz der Genremalerei 
widmen wollte. Nach Kassel zurückgekehrt, hielt es 
aber den nunmehr in seiner vollen Schaffenskraft 
stehenden Künstler nicht für immer in den engen 
Grenzen seiner Heimat, denn Mitte der fünfziger 
Jahre trat er eine Reise nach Portugal an, uin 
dieses interessante Land von der künstlerischen Seite 
eingehend kennen 511 lernen. Wie er in Lissabon 
Eingang bei Hose fand und den Regenten Don 
Ferdinand malte, hat Louis Katzenstein im „Hessen 
land", zu dessen langjährigen, geschätzten Mitarbeitern 
er zählt, unlängst selbst geschildert. Dieser ersten 
Reise nach Portugal folgten aber noch weitere 
Besuche im alten Lusitanien. Von dem Prinz- 
Regenten wurde der Künstler mit dem Santiago- 
Orden dekoriert. In den sechziger Jahren gründete 
Louis Katzenstein sich in Kassel einen Hausstand 
und fuhr in rüstiger Thätigkeit fort Bilder ans 
dem Leben Dürers, Rubens', van Dyks, Mozarts 
zu schaffen. . Sodann wandte er sich mit besonderer 
Liebe der Geschichte seines hessischen Vaterlandes 
zu. die er in einer Reihe von Kompositionen 
illustrierte, die zunächst für die Photographie be 
stimmt waren. Tie Originale der Bilder befinden 
sich in der ständischen Landesbibliothek und in der 
Murhardschen Bibliothek zu Kassel, denen sie der 
Künstler überwiesen hat. Im Jahre 1878 machte 
er sich im Verein mit den Kunstmalern Handwerk 
und Professor Stiegel um die Entstehung öes 
Kunsthauses hoch verdient, da er mit allen Kräften 
dafür eintrat, der Kasseler Knust ein Heim zu 
gründen. So hat Lonis Katzenstein seit beinahe 
sechzig Jahren in Kassel unermüdlich als Maler 
und Schriftsteller gewirkt, denn auch manchen fein 
sinnigen Aufsatz über Malerei nnd Litteratur — in 
der letzteren bevorzugte er besonders Dickens — 
verdanken ihm Kasseler wie auswärtige Blätter. 
Noch immer ist der nunmehr Achtzigjährige sowohl 
an der Staffelei wie am Schreibtisch thätig nnd 
zeigt, wie stete Arbeitslust den Menschen jung zu 
erhalten vermag. Möge ihm dies noch manches 
Jahr zu bethätigen vergönnt sein! 
Universitätsnachrichten. Ter ordentliche 
Professor Di-. Friedrich Vogt zu Breslau ist 
in gleicher Eigenschaft in die philosophische Fakultät 
der Universität zu Marburg versetzt worden. — 
Professor Oetker in Marburg nahm einen Ruf 
nach Würzburg an. — Professor Dr. H eim- 
6 erg ei in Straßburg, der vor kurzem zum ordent 
lichen Professor an der juristischen Fakultät iu 
Münster i. W. ernannt worden ist, wurde als 
Vertreter des Strafrechts an Professor Belings 
Stelle an die Universität Gießen berufen. 
Jubiläum. Am 9. und 10. August wurde 
in Gelnhausen das 25jährige Amtsjubiläum des 
Bürgermeisters Georg Schösser festlich begangen. 
Derselbe hat während seiner Amtsführung sich um 
die Hebung des dortigen Gemeinwesens vielfach 
verdient gemacht uiib sich allgemeine Anerkennung 
erworben. Er war Mitbegründer des hessischen 
Stüdtetags und zählt zu dessen Vorstandsmitgliedern, 
auch gehört er dem Kommnuallandtag, sowie dem 
Provinzial- und dem Bezirksausschuß an. 
Aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr des Ge 
burtstags des letzten Kurfürsten ist soeben im Verlag 
der Dietorschen Hofbnchhandlung in Kassel „ F r i e d r i ch 
Wilhelm I., Kurfürst von Hessen. Ein Bei 
trag zur Geschichte seines Lebens und seiner Re 
gierungszeit von E. R. Grebe" (broch. 2 Mark,
	        

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