Full text: Hessenland (16.1902)

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so fönt doch nach dem Entladen des Gewitters 
wieder Frieden und Ruhe in die Situation. 
Die Zeit aber hat gezeigt, daß diese Ehestiftung 
dem hohen Herrn zur Ehre gereicht hatte, denn 
Lottchen ist durch die Heirat nicht allein glücklich 
geworden, sondern hat es auch verstanden, ihren 
Mann glücklich zu machen. Ob sie je gehört, wem 
sie das zu verdanken hatte? Agathe -Koppen. 
-8-"«-- 
Aus Heiinat und Fremde. 
Hessischer Geschichtsverein. Am 5. August 
fand in der ständischen Landesbibliothek zu Kassel 
eine außerordentliche Generalversammlung des Hes 
sischen Geschichtsvereins statt, in welcher der seit 
herige Vorstand durch Akklamation, vorbehaltlich 
der Genehmigung der Jahresversammlung, wieder 
gewählt wurde. 
Am 30. Juli hielt der Hessische Geschichtsverein 
in Marburg seine Sommersitzung ab. Nachdem 
die Rechnungen geprüft und richtig befunden 
waren, wurden als Vorstandsmitglieder gewählt 
Geh. Archivrat Di-. Kvnnecke als Vorsitzender, Land 
gerichtsrat a. D. Gleim als dessen Stellvertreter, 
Bezirkskonservator Professor Dr. von Drach als 
Konservator der Vereinssammlung, die Professoren 
Dr. Schröder und Dr. Wenck als Mitglieder 
des Redaktionsausschnsses. Der Vorsitzende sprach 
sein lebhaftes Bedauern über den Weggang des 
Herrn Professor Schröder aus. Auch der Verein 
erleide dadurch einen schweren Verlust, doch sei es 
gelungen, die wissenschaftliche Kraft des Scheidenden 
wenigstens für die Redaktion der Vereinszeitschrift 
zu erhalten. Sodann hielt Herr Professor Dr. von 
Drach einen Vortrag über gotische hessische Holz 
bauten , bei welchem hauptsächlich das unlängst 
in Marburg abgebrochene Schippelsche Haus in 
Betracht gezogen und dabei auch die Frage berührt 
wurde, ob dasselbe der Familie „zum Schwan" 
gehört habe. Außer an diesem Gebäude wurden 
unter Vorlegung von zahlreichen Rissen und 
Photographien der hessische Holzbau noch an 
anderen Häusern aus Marburg, Hersseld, Franken 
berg, Gelnhausen und Fritzlar erläutert, wobei die 
von Herrn Architekten August Dauber in Marburg 
hergestellten trefflichen Zeichnungen die Zuhörer- 
völlig mit den alten Einrichtungen vertraut machten. 
Dem Vortragenden sowohl wie Herrn Dauber 
wurde der Dank des Vereins ausgesprochen. 
Geologische Gesellschaft. In Kassel hielt 
vom IO. bis zum 13. August die Deutsche Geo 
logische Gesellschaft ihre 47. Versammlung ab, an 
welcher eine große Anzahl der bedeutendsten Ge 
lehrten teilnahm. Schon vor der Kasseler Tagung 
hatten die Vereinsmitglieder von Eichenberg aus 
eine dreitägige Exkursion über den Meißner nach 
der unteren Werra vorgenommen und die dortige 
Gebirgssormativn rc. besichtigt. Bon Kassel aus 
wurden wissenschaftliche Touren durch den Habichts 
wald und den Kellerwald unternommen. Neben der 
ernsten wissenschaftlichen Arbeit kam aber auch der 
Humor , zu seinem Recht. Dieser trat besonders in 
einer Anzahl Lieder zu Tage, die zum Festmahl 
am 13. August von dem Verein für Naturkunde 
und dem Verein für naturwissenschaftliche Unter 
haltung gewidmet worden sind. Eines derselben 
können wir uns nicht versagen, unseren Lesern mit 
zuteilen. Es lautet: 
Wo wir tagen. 
Exkursierend im Hessenland 
Mühsam geht's durch Kalk und Sand; 
Mächtig pustet die Lunge, 
Und vom fleißigen, eil'gen Lauf, 
Querfeldein, bergab, bergauf. 
Durstig lechzet die Zunge. 
Glauben wir uns auf Muschelkalk, 
Gleich der geolog'sche Schalk 
Auf den Sand uns setzet. 
Miocänkalk gleich darauf 
Durch der Petrefakten Häuf' 
Unsere Herzen ergetzet. 
Wellenkalk zur Linken streicht. 
Rechts hat gleiches Niveau erreicht 
Bunten Sandsteins Schichtung, 
Und im Nu von ungefähr 
Steh'n wir wied'rum auf Tertiär, 
Streichend in gleicher Richtung. 
Wo die Schichten fall'n gen Süd'. 
Klettern den Berg hinauf wir müd'; 
Plötzlich nach Norden sie fallen. 
Und so gehet denn hin und Her- 
Streichen und Fallen, die Kreuz, die Quer, 
Wo wir wandern und wallen. 
Sehet, im schönen Habichtswald 
Auf Basalt wir wandern bald. 
Bald auf Sandsteinplatten. 
Bald vulkanischer Tuff steht an, 
Aluschelkalk, Qligocünsand dann. 
Unsern Geist zu ermatten. 
Doch, nun halten wir klüglich Rast 
Nach der Wander- und Sitzungslast, 
Unsere Leiber pflegend. 
Und bei dem Mahle meinen wir: 
's ist doch, wo wir tagen hier, 
Eine verworfene Gegend. 
F. F. H. 
Karl Justi. Am 2. August feierte in Bonn 
der bedeutende Kunstgelehrte Professor Karl Justi
	        

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