Full text: Hessenland (16.1902)

2. Stempelschncider. 
Die Namen der Stempelschneider finden sich 
auf älteren Geldstücken nicht vor, hüustger auf 
Medaillen. Manche Prägungen sind übrigens 
als medaillenartige Geldstücke zu bezeichnen, so 
z. B. die Begrabnisthaler und kleineren Stücke, 
die 1711 Landgraf Karl auf den Tod seiner 
Gemahlin Marie Amalie prägen ließ. Sie nennen 
als Persertiger teils E. P v m p o n iu s Köhler, 
teils Isaak Le Clcrc. Wir kennen aus Karls 
Zeit übrigens drei treffliche Stempelschneider des 
Namens Le Clere: David um 1699, Gabriel, 
graveur de la cour um 1700, und Isaak, bis 
1746 Hofmedaillenr. David und Gabriel waren 
wohl Brüder, Isaak ein Sohn des ersteren. Über 
die Nachfolger ist folgendes zu berichten: 
8 1751, 54, 66: Georg Ludwig Sch epp, 
später in hessisch-hananischen Diensten (s. u.). 
KOR. 1765, K. 1766: Johann Konrad 
Korner, Münzgraveur 1765—72 und 1775 
(76?)—83. Sein erstes Werk ist der Thaler 
mit dem abwärts gerichteten einen Wappenhaltcr 
(Löwen), was eine Anspielung auf die damaligen 
gespannten Verhältnisse zwischen den Höfen zu 
Kassel und Hanau sein sollte. Auch hat er die 
bekannten Miniatnrmünzen verfertigt. Sehr ge 
schmackvoll kann man übrigens seine Arbeiten 
nicht nennen. 
K. 1789—91, 96,97: Johann Friedrich 
Körner, Sohn und Nachfolger des Vorigen. 
Münzgraveur 1784— 1803. 
K. 1813, 14: Wilhelm Kö r n e r, Sohn und 
Nachfolger des Vorigen, Münzgravenr 1804 — 33. 
Sein Gehilfe war sein gleichnamiger Sohn, der 
auch 1834 sein Nachfolger wurde und zu Kassel 
am 11. Juli 1864 starb. 
C. I\ 1851 — 56,58—62,64,65,0. PFEUFFEK 
1851, 54, 55: Carl Psenfs e r, königlich preußi 
scher Hofmedaillenr zu Berlin, gestorben daselbst 
23.24. Dezember 1861. Von ihm stammen die 
vortrefflichen Kvpfbilder des letzten Kurfürsten 
ans seinen Geprägen zu 2 Thalern, 1 Thaler. 
5 Sgr. und 2 1 /2 Sgr. 
Graveurnamen ans Münzen von Hanau: 
v.1763,64:CharlotteNebekkaD a m i s e t geb. 
Schild, Stempelschneiderin der Landgräfin Maria. 
8 1765— 71: Georg LndwigSchepp, der 
bisherige Stempelschneider zu Kassel (s. o.). 
II 1774, 75. 77. 78, 84—87. .89. 91. 93. 
94. 96, 98. 1800, 02: K a r l Lud w i g H v l tz - 
cm er, Münzgravenr 1774 —1820, ein bedeutender 
Künstler, dessen Arbeiten sich durch Geschmack, 
Reinheit und Zierlichkeit auszeichnen. Seine und 
seines Vorgängers Schepp Stempel gehören zu 
den schönsten Werken der Stempclschneidekunst. 
(Schluß folgt.) 
Kurt Nutzn t- 
raue Wolkenschleier schleifen über das Schwalm- ! 
thal, staubfeiner Regen rieselt hernieder, schwere 1 
Tropfen hängen wie Thränen an den zur Erde 
gebeugten Waldschmielen ich befand mich 
aus dem Wege nach Riebelsdorf, um über Knrt 
Ruhn, den langjährigen Mitarbeiter des „Hessen 
land", der so Plötzlich aus dem Leben geschieden, 
einiges in Erfahrung zu bringen. Nun stand ich 
endlich vor dem mittelgroßen, schmucken Bauern 
hause, in dem des Schwalmthals erster Sänger, 
Johann Kurt Ruhn, am 28. September 1848 ge 
boren wurde. In der Wohnstube am Ehrenplatz 
hängt seine Photographie. Ein schöner Mann! 
Lange sinnend in tiefer Wehmut haftet mein Auge 
auf den angenehmen, offenen Gesichtszügen, die 
ganze äußere Erscheinung des Verstorbenen tritt 
mir lebhaft vor die Seele, diese Spielart des 
Schwälmer Stammes mit gedrungenem Körper, 
bräunlicher Hautfarbe, tiefschwarzem Haare und 
blitzenden Augen, während mir seine Schwester, 
bitter weinend, von „ihm" erzählt. Kurt Ruhn, 
der Sohn braver Schwälmer Bauersleute, besuchte 
nacheinander die Dorfschule in Riebelsdorf, die 
Präparande und das Seminar in Schlüchtern. In 
! Willershausen (Kreis Eschwege) war er von 1868 
ab sechs, in Wommen fünf und in Kesselstadt bei 
Hanau vom 1. Oktober 1879 an nahezu 23 Jahre 
als Lehrer thätig. In allen diesen Orten hat er 
sich die Liebe und Verehrung seiner Mitmenschen 
in hohem Maße zu erwerben verstanden, wie dies 
auch in dem schier unendlichen Leichenznge bei seiner 
Beerdigung zum Ausdruck kam. Ein anregender 
Erzähler und heiterer Gesellschafter, ließ er sich doch 
bei aller seiner Liebenswürdigkeit nicht gerade „unter 
die Bank stecken", sondern verstand seine Über 
zeugung auch gegen Höherstehende als echter „eck 
köpfiger" Sohn der Schwalm frei heraus zu ver 
fechten. Dabei war er der beste Gatte und liebevollste 
Vater. 
Seine Mußestunden füllten schriftstellerische und 
dichterische Arbeiten ans. Er nimmt durch dieselben 
einen, wenn auch bescheidenen, so doch ehrenvollen 
Platz in den Litteraturbestrebnngen unseres Hessen 
landes ein. Kurt Ruhn hat sich in hochdeutscher 
Sprache, in der Schwälmer Mundart und als 
Mürchendichter versucht. Die Kinder seiner Muse
	        

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