Full text: Hessenland (16.1902)

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Aöanr Trabert. 
Zu seinem achtzigsten Geburtstag. 
ern von seiner hessischen Heimat weilt der greise 
Dichter in Österreich, wo er vor Jahrzehnten 
einwanderte, — über ein Menschenalter ist seitdem 
dahingegangen, — um, schon ein Vierzigjähriger, 
sich ein neues Leben zu schaffen. Ein neues 
Leben —. Hinter ihm lag Hessen mit seinen po 
litischen Kämpfen und dem ruhlosen Gähren der 
Parteileidenschasten, die dem Lande keine Ruhe 
gönnten, bis es aufhören mußte ein selbständiger 
Teil des großen deutschen Vater 
landes zu sein. An erster Stelle 
hatte Trabert mitgekämpft, und 
man könnte über seine politische 
Thätigkeit allein ein kleines Buch 
schreiben, da ein politisch Lied 
aber ein garstig Lied ist, so möge 
bei dieser seltenen Geburtstag 
feier die Politik nur soweit in 
Betracht gezogen werden, als sie 
bei Erzählung der Thatsachen 
unumgänglich notwendig ist. Um 
den Entwicklungsgang Traberts, 
der viel des Interessanten bietet, 
dem Leser vor Augen zu führen, 
wollen wir einer uns von hoch 
geschätzter Seite zugegangenen 
Schilderung folgen: 
Adam Trabert — so nannten 
ihn seine Eltern, seine Freunde 
und er sich selbst, obgleich er ans die beiden Vor 
namen Johann Adam getauft war. 
Er wurde am 27. Januar 1822 als Sohn 
eines armen Messerschmieds in Fulda geboren, 
hatte schon frühe mit Rot und Elend zu kämpfen 
und wurde, gegen seinen Willen, nach zurück 
gelegtem 12. Lebensjahre von seinen Eltern in 
die Vorbereitungsschule des Fuldaer Gymnasiums 
geschickt. Er wäre damals lieber zu einem Hand 
werker in die Lehre gegangen, weil ihm davor 
graute, einst Theologie im Fuldaer Priesterseminar 
studieren zu müssen, um sich dem geistlichen Stande 
zu widmen. 
Indessen — er mußte sich fügen und besuchte, 
nachdem er das Gymnasium mit gut bestandener 
Maturitätsprüfung absolviert hatte, zwei Jahre 
lang die theologische Lehranstalt des Fuldaer 
Priesterseminars. Als er sich zum sog. Konkurs- 
Examen meldete, wurde er jedoch „wegen mangelnden 
theologischen Berufs" nicht zugelassen und ging, 
arm wie eine Kirchenmaus, nach Marburg, um 
Jura zu studieren. 
Die Studienjahre waren eine neue Zeit drückendster 
Not, und wenige Studenten haben wohl so sehr 
mit dem Elend zu kämpfen gehabt, als unser 
Trabert. Doch ein Freundschaftsakt führte ihn 
um diese Zeit, trotz angeborener 
unsäglicher Schüchternheit, auf 
die Rednerbühne und änderte 
seine Situation. Er war Mit 
glied des Marburger Turnvereins 
geworden, der aus Studenten und 
Marburger Bürgersöhuen bestand. 
Trabert war aber sicher von allen 
Mitgliedern das unbekannteste. 
Es wurde damals — es war 
im Jahre 1848, — ein deutscher 
Turnertag einberufen, den der 
Marburger Verein durch drei 
Delegierte beschickte. Hier nun 
kam es zu einem Konflikte zwischen 
Großdeutschen, die die Erhaltung 
Österreichs im deutschen Bunde 
wollten, und den preußisch-ge 
sinnten, sog. Gothanern. Der eine 
Marburger Delegierte, Traberts 
Freund Uckermann, stimmte im großdeutschen 
Sinne, die beiden andern im preußischen Sinne, 
und in einer Vereinsversammlung beantragte 
alsdann der gesamte Vorstand: die Abstimmung 
der beiden, die im großpreußischen Sinne gestimmt 
hatten, zu „ratihabieren", Uckermanns Abstimmung 
dagegen zu verwerfen. Uckermann kam in das 
Gedränge, und hier war es, wo der noch ganz 
unbekannte Trabert das Wort ergriff und an 
drei nach einander folgenden Abenden in zündenden 
Reden es dahin brachte, daß der vom Vorstande 
gestellte Antrag mit einer Dreiviertel-Majorität 
verworfen und dadurch der Turnvorstand ver 
anlaßt wurde, insgesamt zurückzutreten. Trabert 
war in Marburg plötzlich der Held des Tages 
und wurde sofort vom Turnverein zum Sprecher 
des Vereins gewählt. Eine Folge hiervon war. 
Adam trabert.
	        

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