Full text: Hessenland (16.1902)

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so könnten, vorausgesetzt, daß nicht noch andere 
am Wege oder gar abseits liegende Ordenshänser 
besucht wurden, für den Aufenthalt des Hochmeisters 
mit seinem Stab von Großbeamten des Haupt 
hauses in Marburg höchstens die drei Sommer 
monate des Jahres 1309 übrig bleiben. Aber 
auch für diese Zeit fehlt es an jeder urkundlichen Be 
glaubigung, so daß man die Frage offen lassen muß. 
Aus Heiurat und Frenrde. 
Regentschaftsgesetz. Das Hessen-Darm- 
städtische Regierungsblatt vom 21. Juli veröffentlicht 
eine sich auf die Thronfolge beziehende Verordnung 
des Großherzogs Ernst Ludwig. Danach soll, da 
der dem Throne zunächst stehende Agnat des Ge- 
samthanses Hessen dauernd verhindert sei, die 
Regierung persönlich zu führen, für den Fall, daß 
dieselbe aus ihn übergeht, eine Regentschaft statt 
finden. Der erwähnte Agnat ist bekanntlich Land 
graf Alexander Friedrich von Hessen, geb. 
25. Januar 1863, Sohn des früheren präsumtiven 
kurhessischen Thronfolgers. Seine dauernde Be 
hinderung ist in einer an Erblindung reichenden 
Augenschwäche zu suchen. 
Geschichtsverein. Die diesjährige Haupt 
versammlung des Vereins für hessische Geschichte 
und Landeskunde findet vom 21. bis 23. August 
in Gelnhausen statt. Herr L. W. Schösser wird 
einen Vortrag über die Stadt Gelnhausen halten. 
Kurhessische Feldzeichen. Die in dem 
Unterstock der Königl. Gemäldegalerie in Kassel auf 
bewahrten kurhessischen Fahnen und Standarten, 
die im vorigen Jahre ans Befehl Sr. Majestät 
des Kaisers zur Reparierung nach Berlin gesandt 
worden sind, befinden sich nunmehr wieder an 
ihrem früheren Aufbewahrungsort, nachdem Hof 
sticker Thiele die schwierige Arbeit mit großer 
Sorgfalt ausgeführt hat. 
Vermächtnis. Der dahingeschiedene Fürst 
Wilhelm von Hanau und zu Horschowitz 
hat in hochherziger Weise der Armenverwaltnng 
der Stadt Kassel ein Legat von 3000 Mark 
testamentarisch vermacht. 
UniversitätsNachrichten. Zum Rektor der 
Universität Marburg für das Amtsjahr 1902/1903 
wurde vom akademischen Senate der Professor der klassi 
schen Philologie und der Beredsamkeit Di-. Theodor 
Birt gewählt. — Der außerordentliche Professor- 
Dia. 1li6ol. Dr. Friedrich Wiegand zu Erlangen 
ist zum außerordentlichen Professor in der theologi 
schen Fakultät der Universität zu Marburg ernannt 
worden. -- Der ordentliche Professor Dr. Lev 
von S a v i g n y zu Marburg ist in gleicher Eigen 
schaft an die Universität Münster versetzt worden. — 
Der Oberarzt der medizinischen Klinik Dr. weck. 
Otto Heß und der Assistent am physiologischen 
Institut Dr. Jahn Seemann haben sich als 
Privatdozenten der medizinischen Fakultät an der 
Universität Marburg habilitiert. 
Dr. Hermann Habicht. Einem hessischen 
Landsmann, der sich in den verschiedenen bisher 
von ihm bekleideten Stellungen bereits den Ruf 
eines hervorragend befähigten Juristen erworben 
hatte, ist eine besondere Auszeichnung zu teil ge 
worden. Der Oberlandesgerichtsrat Dr. Habicht 
in Frankfurt a. M. wurde zum Geheimen Justiz 
rat und vortragenden Rat im Justiz-Ministerium 
ernannt. Dr. .jur. Hermann Habicht ist am 24. De 
zember 1857 in Schmalkalden als Sohn des kur- 
hessischen Prokurators Habicht geboren. Er besuchte 
das Friedrichs-Gymnasium in Kassel, wohin nach 
des Vaters frühem Tode die Witwe behufs Aus 
bildung ihrer drei Kinder gezogen war, und bestand 
das Abiturienten-Examen im Jahre 1876. So 
dann bezog er die Universitäten Jena, München 
und wieder Jena, woselbst er auch als Dr. .jur. 
promovierte. 1879 bestand er das Referendar- 
Examen und am 10. November 1884 die große 
Staatsprüfung. Nachdem er als Assessor an mehreren 
Amtsgerichten, besonders längere Zeit in Felsberg, 
beschäftigt gewesen war, wurde er 1889 Amts 
richter in Sontra, als solcher 1894 nach Rüdes- 
heim und 1897 als Landrichter nach Kassel ver 
setzt. In 1899 zum Landgerichtsrat ernannt, 
wurde er I960 an das Oberlandesgericht in Frank 
furt a. M. versetzt. Außer vielen Aufsätzen in 
wissenschaftlichen Zeitschriften schrieb er namentlich 
ein bereits in zweiter Auflage erschienenes verdienst 
volles Werk: „Die Einwirkung des Bürgert. Gesetz 
buchs ans zuvor entstandene Rechtsverhältnisse" 
(Jena 1899 bei Gust. Fischer). 
Gedenktafel. In Marburg ist an dem 
Hanse Steteseld, Hofstadt 11, das Jung-Stilling 
während seiner von 1787 bis 1803 reichenden 
Lehrthütigkeit an der dortigen Universität längere 
Zeit bewohnte, von seinen Verehrern eine Gedenk 
tafel angebracht worden. 
Denkmal. In Philadelphia beabsichtigen die 
dortigen Deutschen dem am 15. Mai 1898 ver 
storbenen Dr. Gottlieb Kellner ein Denkmal
	        

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