Full text: Hessenland (16.1902)

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Zwanzig Jahre lang hat Johann Sutel in 
Northeim gewirkt. Er starb Ende August 1575*) 
Alexander Sutel lins aus Melsungen, der in Witten 
berg studiert. — In der Randschrist auf einer Eppenberger 
Urkunde vom 13. März 1436 ist bemerkt, wieviel Lohe 
Sntell zum Zehnten in Enfferteshusen (Empfershausen 
n. Mls.) beitrug. Dieser Lotze kann ein naher Verwandter 
(vielleicht der Vater) des Priesters Konrad Sutel gewesen 
sein und um 1460 gelebt haben, da Empfershausen 1436 
und 1441 noch Engebrachtishusen hieß, 1460 aber Enffertis- 
husen. 
*) Nach Lubecus, Bl. 3186, am 26. August „und 
folgents ehrlich begraben". Das Begräbnis Pflegte damals 
meist am folgenden Tage zu sein. 
und wurde in der Kirche des heil. Sirius vor 
dem Altare begraben. 
Die Kirchen von Göttingen und Schweinfurt 
sind ihm zum größten Danke verpflichtet; Tüchtig 
keit und Geschick bewies er ohne Zweifel überall. 
Er war mehr ein Mann ruhiger Vermittlung 
als heißen Kampfes. Nicht umsonst führte er 
auf seinem- Siegel (unter dem Spruchbande mit 
seinem Namenszuge J. S.) die Friedenstaube, die 
mit ausgebreiteten Flügeln nach rechts schreitet. 
Aber Melanchthons Sanftmut und Milde fehlte 
ihm: Angreifer und hartnäckige Gegner fanden 
an ihm einen leidenschaftlichen Widersacher. 
Das Spital der hl. Elisabeth 
und die Anfänge des Deutschen Ritterordens in Marburg. 
Von Di-. K. Heldmann. 
a ber die Ansiedelung der Teutschen Herren beim 
Hospital der hl. Elisabeth in Marburg herrschen, 
wie der Aufsatz von L. Müller in Nr. 12 des 
„Hessenland" S. 158f. beweist, noch immer aus ver 
alteten Tarstellungeu*) beruhende falsche Ansichten. 
Taher bin ich als Verfasser einer 1894 erschienenen 
„Geschichte der Deutschordensballei Hessen" **) wohl 
der Nächste dazu, um den Lesern des „Hessenland" 
eine Darstellung der wirklichen historischen Vorgänge 
zu geben, wie sie allein sich aus den Urkunden 
erweisen lassen. 
Leider muß ich sogleich mit einem Geständnis 
meiner Unwissenheit beginnen. „Wie so Manches",so 
erzählt uns Herr L. Müller nämlich, verdankt auch das 
Teutsche Haus in Marburg der heiligen Elisabeth 
seinen Ursprung. Ist schon letzteres, wie im Folgenden 
zu zeigen sein wird, nur mittelbar richtig, so gestehe 
ich, nicht zu wissen, was, wenigstens in unserem Hessen 
lande, außer dieser Ansiedelung und dem, was dazu 
gehört, noch alles aus die Landgräfin zurückzuführen 
sein soll. Anekdotenhafte Züge aus ihrem Leben und 
Sterben hat die Legende ja reichlich genug bewahrt 
und herausgebildet; aber mögen dieselben auch zum 
Teil irgendwie historisch fundiert sein — historische 
Bedeutung für die Zukunft hat nur eine That 
der fürstlichen Asketin gehabt: die Gründung des 
Franziskus-Hospitals am Fuße der Marburg, in der 
Nähe einer von Franziskanern bedienten Kapelle.***) 
*) Retters „Hessische Nachrichten". II, die er zitiert, 
erschienen 1739, Justis Elisabett) die Heilige 1797, in 
neuer Auflage 1835! 
**) In der Zeitschrift des Vereins für Hess. Geschichte und 
Landeskunde. N. F. Bd. 20, S. 1—191. 
***) Schon auf oder bei der Wartburg soll sie ein Hospital 
gegründet haben. Davon hören wir aber weiter nichts 
mehr. Daß sie die Franziskaner nach Eisenach gezogen hat, 
Das war im Sommer 1228, unmittelbar nach ihrem 
freiwilligen Abzug aus Thüringen*); im Herbst des 
selben Jahres nahm sie das graue Kleid der Tertia- 
rierinnen des Franziskanerordens. Nicht überhaupt 
„vor Ablauf des Jahres 1229", sondern schon im 
April 1229 war das aus Holz und Lehm erbaute 
Spital vollendet; wir wissen das aus einem Ablaß 
brief Papst Gregors IX. vom 19. April 1229 für- 
eben dasselbe.**) 
Hatte die Landgräfin anfänglich eine elende 
Hütte, nach der Überlieferung in Wehrda, vielleicht 
aber auch***) in Wetter bewohnt, wo sich ein 
Augustinerinnenkvnvent befand, so bezog sie nun ihr 
Spital zu Marburg. Daß sie sich „daneben für 
sich" eine besondere Wohnnng habe erbauen lassen, 
wissen wir nicht und ist auch ganz unwahrscheinlich 
bei einer Büßerin, deren ferneres Leben der Kranken- 
und Armenpflege gewidmet sein sollte. Dort in 
ihrem Spital ist sie auch gestorben. Als ihren Todes 
tag feiert die Kirche bekanntlich den 19. November. 
Diese allgemeine Annahme beruht aus der Kanoni- 
sationsbulle Gregors IX. Indes ist der Papst darin 
zweifellos einem Irrtum zum Opfer gefallen. Ter 
authentische Bericht des Beichtvaters der Laudgräfin, 
des Magisters Konrad von Marburg, über den Tod 
ist möglich, aber nicht ganz sicher; s. H. Mielke. Zur 
Biographie der hl. Elisabeth. Landgrüfin von Thüringen. 
Dissert. Rostock 1888. S. 57 ff. 
*) Daß Elisabeth durch ihren Schwager Landgraf 
Heinrich Raspe von der Wartburg vertrieben worden sei, 
gehört bekanntlich der Sage an. 
**) Vgl. C. W e n ck, Die hl. Elisabeth, in S y b e l s Histor. 
Zeitschr. N. F. 33 (1892), S. 238, N. 1. 
***) Nach einer Vermutung des Herrn Di-. W. Bücking 
in Marburg (Geschichtl. Bilder ans Marburgs Vergangen 
heit 1901, S. 13).
	        

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