Full text: Hessenland (16.1902)

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Söhne gewesen zu sein; von den letzteren beiden 
steht das mit Sicherheit fest. Justus war 1584 
Stadtsekretarius zu Northeim.*) Er brachte es 
zu hohem Alter und bis zur Bürgermeisterwürde 
iu seiner Vaterstadt. — 
Allendorf blieb für den Magister Johann Sntel 
nur eine Ubergangsstation. Sv sehr er sich bei 
seinem Schweinfurter Freunde Wener. beklagt hatte, 
daß die Göttinger ihn erst in ihre Stadt ge 
zogen und dann doch nicht angestellt hätten, so 
schnell suchten ihn die „treulosen Sachsen" durch 
die That zu widerlegen. Gegen den Pfarrer an der 
Albanikirche zu Göttingen, Veit Pslngmacher, 
wurde nämlich die schwere Anklage erhoben, er 
hätte sich ein silbernes Kirchengerät**) angeeignet, 
um seiner Frau daraus ein Paternoster machen 
zu lassen. Ohne den Verlaus der Untersuchung 
abzuwarten, faßte der Rat der Stadt den Ent 
schluß. Sutel das Pfarramt an der Albanikirche 
zu verschaffen. Der Verklagte beteuerte seine 
Unschuld, die Herzogin Elisabeth, damals Kirchen 
patronin an der Stelle ihres Sohnes erster Ehe, 
war der Berufung Sütels nicht geneigt, der 
Göttinger Superintendent Joachim Morl in 
wirkte eifrig dagegen und warnte unsern Alleudorser 
Geistlichen in mehreren Briefen (vom September 
1548), einen Amtsbruder ungerechter Weise zu 
verdrängen — alles half nichts, der Göttinger 
Rat setzte seinen Willen durch. Schon im Hoch 
sommer verließ Sutel Allendorf, gerade einen 
Tag vorher, ehe die hessische Regierung der dortigen 
Gemeinde befahl, ihren Prediger nur mit des 
Landgrafen und ihrer Bewilligung außer Landes 
ziehen zu lassen (am 29. August 1548).*) Veit 
Pflugmacher legte, seiner Ehre unbeschadet, sein 
Amt nieder, und die Herzogin Elisabeth übertrug 
es am 1. November 1548 Sutel.**) Sv war er 
abermals in der Leinestadt, freilich nur als Pfarrer 
und Untergebener des Superintendenten Mvrlin. 
Es darf hier nicht verschwiegen werden, daß er 
sich vorher in einem vertraulichen Briefe an den 
Rat der Stadt sehr gehässig über Morlins Gegner 
schaft geäußert hatte (im Februar 1548). Es 
scheint uns besser, diese unerquicklichen Schniäh- 
worte hier nicht zu wiederholen. Wer weiß aber, 
ob nicht einiges durchsickerte und so Sütels 
Stellung in Göttingen von Anfang an verdarb? — 
Man mag sonst über den streitbaren Morlin 
urteilen, wie man will, aber in diesem Falle 
war er mehr im Rechte als sein Allendorfer 
Gegner. Daß jener, nachdem Sutel zwei seiner 
Briefe unbeantwortet gelassen hatte, im dritten 
eine deutlichere Sprache redete, ist menschlich zu 
entschuldigen. Anderseits hat Magister Johann 
mehrfach beteuert, daß er nach seiner Anstellung 
in Güttingen dem Superintendenten alle Liebe 
und Freundschaft erweisen würde; sollte dieser 
aber aus seiner Feindschaft beharren, dann wäre 
es besser, man brächte sie beide überhaupt nicht 
zusammen. 
*) F. H e r r m a n n, Das Interim, L>. 28, Anm. 3. 
**) Aach Lubecus, 3314265u zum Jalire 1548 wurde 
Sutel bei der Berufung darauf hingewiesen, daß er die 
Einkünfte aus bcm Pfarrgute nur zu feinem und seiner 
Haushaltung Nutzen und nicht anders verwenden dürfe, 
folgt.) 
*) Lubecus, Bl. 336 b. 
**) Ein silbernes Büchslein nach Lubecus. Bl. 263b 
zum Jahre 1547. 
(Schluß 
Hefsen-Darinftaöts Abfall von Napoleon I 
Von Dr. pliil. Berger in Gießen. 
(Schluß.) 
Teilnahme hessischer Truppen um llampfe gegen 
Napoleon im Jahre 1814. 
Wie man in allen deutschen Staaten eifrig 
rüstete, um an dein Kampfe für die heilige Sache 
teilzunehmen, so ging auch in Hessen-Darmstadt 
die Ausrüstung schnell von statten. 
Rach der Übereinkunft mit den Verbündeten 
sollte Hessen 8000 Mann stellen. Im Januar 
en betrug die Stärke der großherzvglicheu 
Truppen: 8266 Alaun.') Diese Stärke war 
erzielt worden durch die Verwandlung der pro 
visorischen Bataillone in sechs stehende und durch 
die Erhöhung der Stärke der Landwehrinfanterie. 
Im Februar 1814 war der Bestand der hessischen 
Truppen ans 10 061 Mann 2 ) gewachsen. Dies 
war durch Errichtung zweier neuer Batailloile 
und die Vermehrung des Freiwilligenkorps um 
100 Manu erreicht worden. Zur Blockade von 
Mainz wurden verwendet: 2633 Mann. 
Die Erfolge Blüchers gegen Napoleon gaben dem 
Großherzogtüm Hessen noch mehr Anlaß, die bereits 
eingeleitete Mobilisierung und die bevorstehende 
Absendung seines Truppenkorps zu beschleunigen. 
') Darmstädter Archiv : Ober-Kriegs-Kollegial-Akten w. 1*- 
ä ) Ebenda.
	        

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