Full text: Hessenland (16.1902)

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fürt sandte dann seinem verdienten Pfarrer das 
Zeugnis nach (am 21. Januar 1547). Er rühmte 
darin Sütels lautere Predigt und seinen und seiner 
ehelichen Hausfrau ehrlichen, züchtigen lind guten 
Wandel; willig glaubt man seiner Beteuerung, er 
hätte ihn von Herzen gern zeitlebens bei sich behalten. 
Der Rat der Stadt Göttingen verschrieb Sutel, 
dessen Gattin und Töchtern ein freies Haus in 
der Nähe des Panlinerklosters, der heutigen 
Universitäts-Bibliothek. Aber Magister Johanns 
Hoffnung ans Anstellung ging nicht in Erfüllung; 
es war im Augenblicke keine Predigerstelle frei. 
Er brauchte jedoch nicht lange müßig zu liegen. 
Drei Städte, Eimbeck, Northeim und Allendvrs, 
wetteiferten mit einander, ihn als Pfarrer zu 
gewinnen. Sein alter Freund und „geliebter j 
Landsmann" Jost Winther, nunmehr Super 
intendent in Rotenburg an der Fulda, hatte den 
Allendorfern in landgräslichem Aufträge Sütels 
Einführung versprochen. So hielt Johann es 
für das beste, den Ruf nach der Werrastadt an 
zunehmen. Den Göttingern aber verhieß er feine 
Rückkehr, sobald sie ihn nötig hätten. Trotzdem 
wollten sie ihn nicht sofort losgeben. Aus Ver 
anlassung der Stadt Allendorf mußte Landgraf 
Philipp erst den Göttinger Rat ersuchen, feinen 
überzähligen Prediger ziehen zu lassen. Das war 
am 5. April 1547. 
Am Tage zuvor hatte Sutel ein harter Schicksals 
schlag getroffen. Im fernen Franken gab seine 
Gattin ihrem 17. Kinde das Leben, starb aber 
bei dieser Geburt.*) Ende Sutel wurde in der 
Johanniskirche zu Schweinfurt begraben, „vor 
dem Thürlein, wenn man in den Chor gehet, 
zur linken Hand". Magister Cremer, einer der 
beiden bisherigen Kapläne ihres Gatten, verfaßte 
dw Inschrift auf dein Leichensteine. Zwei Jahr 
zehnte hatte sie ihrem Gatten zur Seite gestanden 
als treue Genossin. Aber ob sie jemals tieferes 
Verständnis für fein Wirken gehabt hat? Wenn 
sie Erwähnung findet, so geschieht es stets bei 
wirtschaftlichen Fragen. In Göttingen und Mel 
sungen war sie einmal (1543) in Vermögcns- 
geschästen oder ähnlichen Familienangelegenheiten 
selbständig thätig. Noch kurz vor ihrem Tode 
ließ sie ihren Gatten durch Valentin Wener er 
mahnen, er möchte mit dem Hauskleinode sorgsam 
umgehn; denn es wäre ihr nicht leicht geworden, 
dasselbe zu erwerben. Von ihren vielen Kindern 
waren nur mehrere Mädchen am Leben geblieben. 
*) Beck, S. 137 und 13!J und Stein, S. 479 geben, 
nach der Inschrift in der Johanniskirche zu Schweinfurt, 
den 4. April 1547 als Gudeus Todestag an, T sch ackert, 
S. 49, den 7. April. Ich nehme an, daß letzteres bloß 
ein Druckfehler ist. 
Sutel, dem in der Zwischenzeit anscheinend 
seine alte Mutter den Haushalt führte, wurde 
durch den Verlust der Gattin in große Be- 
kümmernis versetzt. Er schrieb dies (vor dem 
18. April) an Valentin Wener von Allendorf 
aus, wo er jetzt fein Pfarramt angetreten hatte. 
Um Pfingsten reisten seine Kinder von Schwein- 
furt ab und gelangten glücklich bei ihrem Vater 
an. Dadurch erwuchsen deni Pfarrer aber neue 
Sorgen. Wie sollte er den Pflichten des Amtes 
gerecht werden und zugleich die Kinder — noch 
dazu Mädchen — gut erziehen? Der einzige 
Ausweg schien ihm in einer baldigen Wiederver- 
heiratnng zu liegen. Er richtete seine Blicke auf 
Eva, die Tochter der Eheleute Johann und 
Margaretha B a r t h o l v m e s. 
Johann Bartholomes — so schreibt er sich 
selbst, andere nennen ihn Bartvlomeus oder ähn 
lich — war landgräflicher Rentmeister in Sooden 
bei Allendorf, wo Philipp der Großmütige wenige 
Jahre vorher die Verwaltung der Salzwerke in 
die Hand genommen hatte. Aller Wahrscheinlich 
keit nach traf Sutel in Bartholomes einen alten 
Bekannten wieder. Denn bald nach der Einführung 
der Reformation war dieser Vogt oder Verwalter 
des aufgehobenen Klosters Breitenau im Unter 
amte 'Melsungen. Am 21. Dezember 1527 und 
am 26. März und 12. Mai des nächsten Jahres 
stellte er in solcher Eigenschaft Urkunden aus. 
Dann kam er als Rentschreiber in die benachbarte 
Stadt Melsungen. Am 25. März 1535 fertigte 
und siegelte er dort, neben Bürgermeister und 
Rat, einen Kaufbrief Johann Lenings, und im 
vorhergehenden und folgenden Jahre sah er zu 
sammen mit demselben Lening die Melsnnger 
Hospitalsrechnnngen nach. Nicht lange danach 
wurde er als Rentmeister nach Allendorf versetzt, 
wo er bereits im März 1539 urkundlich nach 
zuweisen ist. Er blieb aber zunächst noch Bürger 
der Stadt Melsungen und kaufte als solcher einen 
Garten vor deni Kasseler Thore daselbst und zwei 
Jahre später (am 27. April 1541) ein anderes 
Grundstück dicht daneben. Landgraf Philipp 
übernahm später die beiden Gürten und baute 
dort das neue Melsunger Schloß, das jetzt so 
grau, steif und finster auf die heitere Umgebung 
herabblickt. — 
Mit der Tochter des Rentmeisters Bartholomes 
also vermählte sich Sutel am 30. August 1547. 
Der Rat von Schweinfurt verehrte ihm in dank 
barem Andenken an seine Verdienste einen silbernen 
Becher zur Hochzeit. 
Auch diese Gattin wurde beut Magister Johann 
nach wenigen Jahren durch den Tod entrissen. 
Ludolf, Justus und Philipp Sutel scheinen ihre
	        

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