Full text: Hessenland (16.1902)

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mit den landgräflichen Räten. Das Material ist 
Witzenhäuser Alabaster. Die späteren Denkmäler 
sind von geringerem künstlerischen Wert und 
haben nur als Zeugnisse des Verfalls der hei 
mischen Bildhauerkunst, die während des Mittel 
alters so schöne Blüten getrieben hatte, einige Be 
deutung. An diesen Vortrag schlossen sich ver 
schiedene Bemerkungen der Anwesenden, aus denen 
die des Herrn Pros. Dr. von Drach hervorgehoben 
sein mögen. Er wies ans die Reste älterer Gewebe 
hin, die aus Landgrasengrübern der Elisabethen 
kirche schon vor verschiedenen Jahrzehnten in das 
Germanische Museum in Nürnberg gelangt sind. 
Es folgte der Vortrag des Herrn Dr. Maurin an n, 
des langjährigen Mitarbeiters an dem Deutschen 
Sprachatlas des Professors Dr. Wencker, über 
Sprache unb Hausbau in den Kreisen 
Wolshagen und Hofgeismar. Herr Dr. 
Maurmann, der seinen Vortrag durch eigens ge 
fertigte Sprachkarten erläuterte, gab ein über 
sichtliches Bild von den sprachlichen Verhältnissen 
dieser niederdeutschen hessischen Gegenden, dabei 
besonders aus die Beziehungen zwischen Sprach 
grenzen einerseits und territorialen und natürlichen 
Grenzen anderseits hinweisend. Er sprach dann 
über das sogenannte sächsische Haus, machte aus 
manche bisher nicht beachtete Einzelheiten aufmerksam 
und wies nach, daß die Verbreitung desselben 
viel weiter nach Süden reiche, als bisher an 
genommen worden sei, daß es sich sogar aus mittel 
deutschem Gebiet, so in Naumburg uitb Umgegend 
finde. 
Todesfall. Am 15. Dezember starb die Schrift 
stellerin Elisabeth Paar, eine jüngere Schwester 
der dahingeschiedenen Mathilde Paar. Sie war 
1852 als die Tochter eines kurhessischcn Beamten in 
Kassel geboren und verlebte dort ihre Jugend wie 
den größten Teil ihres späteren Lebens. Seit 
1898 wohnte sie in Leipzig, gestorben ist sie aber 
in ihrer Vaterstadt. Außer zahlreichen Novellen 
in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichte sie unter 
dem Pseudonym L. Gies die Romane: „Das Pflege- I 
kind des Hagestolzen" (1886), „Aus der Jagd 
nach dem Glück (1892), und „In der Schule des 
Lebens" (1893). Ferner war die Verewigte auch 
auf dem Gebiete der fortschrittlichen Frauen 
bewegung mit großem Eifer thätig. 
Musikalischer Vortragsabend. Am 19. De 
zember v. I. veranstaltete das Konservatorium 
der Musik in Kassel im großen Saale des 
Evangelischen Vereinshanses daselbst in diesem 
Winterhalbjahre seinen VII. Vortragsabend, in 
welchem auch ein Trio in c-moll für Klavier, 
Violine und Violoncello von dem im vorigen Jahre 
in Kassel verstorbenen Oberstleutnant Eduard Otto 
zu Gehör gebracht wurde. 
M ü n z - V e r st c i g e r u n g. Vom 2 5. November 
1901 an wurde bei Sally Rosenberg zu Frankfurt 
am Alain die vormals Buchenausche Sammlung 
(vgl. vorigen Jahrgang Nr. 13, S. 181) hessischer 
Münzen versteigert und ergab einen Erlös von 
14876,25 Mark, nachdem vorher die besseren 
Stücke aus dem Mittelalter freihändig verkauft 
worden waren. Den höchsten Preis (550 Mark) 
erzielte eine kupferne Klippe des bekannten Medailleurs 
Chr. Wermuth von 1731 auf die Wasserwerke 
des Karlsberges (Wilhelmshöhe). Nächstdem kommt 
mit 400 Mark ein halber Thaler (1669) von 
Hedwig Sophie, eine Halbthaler-Klippe von 1600 des 
Landgrafen Ludwig 111. von Marburg (260 Mark), 
ein viertel Thaler Philipps des Großmütigen 
von 1564 (255 Mark), ein Thaler der Landgräfin 
Maria von 1764 (230 Mark), ein Medaillon von 
Karl und seiner Gemahlin Maria Amalia und 
ein hananischer Dukat Wilhelms IX. von 1775 
(je 225 Mark), eine Medaille von Le Clerc 
auf das Marburgische Universitätsjubiläum 1727 
(190 Mark), ein Thaler Philipps des Großmütigen 
von 1538 (185 Mark), ein ebensolcher von 1537 
(180 Mark), ein breiter doppelter Weidenbanmthaler 
Wilhelms V. von 1629, ein viertel Thaler (1669) 
von Hedwig Sophie und ein ebensolcher auf ihren 
Tod 1683 (je 150 Mark), ein Thaler 1711 aus 
den Tod von Maria Amalia (140 Mark), ein 
Horngroschen Ludwigs II. von 1467, ein Thaler- 
Ludwigs III. von 1593 und ein Thaler (Kassel) 
Friedrichs I. von 1733 (je 125 Mark), ein Thaler- 
Ludwigs III. von 1588 (120 Mark), eine silberne 
Medaille von Wermuth 1700 auf die erste Ver 
mählung Friedrichs 1. (110 Mark), ein halber 
Thaler 1683 aus den Tod von Hedwig Sophie, 
eine Medaille ohne Jahreszahl (1714) auf den 
Schloßbau aus dem Karlsberg und eine Medaille 
von Hedlinger aus Wilhelm VIII. (je 105 Mark). 
Diese 22 Stücke brachten also bereits 4210 Mark. 
Dazu kamen 5 Stücke mit je 100 Mark, nämlich 
ein Thaler Wilhelms II. von 1502, ein ebensolcher 
Philipps des Großmütigen ohne Jahreszahl, ein 
ebensolcher Ludwigs III. von 1600, ein Goldgulden 
Wilhelms V. von 1633 und ein Thaler Karls von 
1693. Brakteaten kosteten das Stück 1 bis 40 Mark. 
Sehr hoch ging außer dem bereits erwähnten 
Horngroschen (125 Mark) das Probe-Dreiheller- 
Stück von 1842 (55 Mark), wenn auch nicht 
so hoch wie bei der Kornemannschen Versteige- 
rung (85 Mark), ferner zwei Stücke mit Stempel 
fehlern: Vg Thlr. von 1828 (7 Mark) und 1 Heller
	        

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