Full text: Hessenland (16.1902)

XVI. Jahrgang 
Kassel. 16. Juli 1902. 
M 14. 
JSessenlUui/ 1 
„Balt!" borniert bes Führers Koinmanbomovt; 
lvie Mauern steht bie Kolonne. — 
„Seht Ihr bas Flimmern am Malbsaum bort? 
Mit Schwertern spielet bie Sonne! 
französische Reiter, sie ziehen baher, 
Schon seh' ich sie thalwärts jagen! 
Karree gebilbet! Mir stehen zur Mehr! — 
mit Gott — so wollen wir's wagen!" — 
Hub schweigenb gehorcht bas Bataillon 
Unb schließt bie eisernen Glieber. — 
Horch, Rossegeftainpf unb Trompetenton 
Hallt schon aus beut Malbe wieber. — 
„Nun, Kiuber, zeigt, baß Ihr Hessen seib, 
Noch gellen wir nichts verloren! 
Legt an unb macht Euch zunt Schusse bereit - 
Unb offen bas Auge, bie Vhren!" — 
Da steht nun bas Häuflein mitten int felb, 
Umstarrt von ben Tobesrohren, 
Den finget' am Hahne ein jeber hält, 
Als wär' schon bet feinb erkoren; 
Lin Ungeheuer, voll Kampfesmut, 
So harren bie Tapfren, bie Treuen — 
3it lllinbem Gehorsam mit kaltem Blut 
Mie tobesinutige Leuen. 
A n s s r l. 
Da naht es heran, bas wüste Gebraus, 
Staubwolken wirbeln zunt Hintinel, 
Sie kommen, sie jagen zum blutigen Strauß 
Die feiitbe in buntem Gewintmel. — 
Doch ruhig harren in stiller Wut 
Die Greuabiere, bie treuen, 
In blinbeut Gehorsam, mit kaltent Blut, 
wie tobesinutige Leuen. 
Jetzt halten sie an im rasenben Ritt; 
Da packt sie Grausen, Entsetzen, 
Die ersten reißen bie folgeuben mit, — 
Nun bricht sich bas Jagen unb Hetzen; 
Kehrt machen sie alle unb eilen bavon, 
Umflattert von reichen Schabracken, 
Unb bucken unb brücken sich, jeber schon 
wähnt sicher ben Tob sich int Nacken. 
In wilber flucht bie fränkische Brut! — 
fern hüllt sie ein gelber Schleier. — 
Noch harren bie Tapfren mit stolzent Mut 
In lautloser Siegesfeier. 
Daun tönt bas Koutmanbo: Gewehr in Ruh'! 
Sie reihen zum Marsche sich wieber, 
Unb weiter ziehen bem Malbe zu 
In gleichem Schritte bie Glieber. 
i». Mertekmann.
	        

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