Full text: Hessenland (16.1902)

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Aus alter und neuer Zeit 
Jubiläum der e r st e u h e s s i s ch e u Tha l er. 
Vierhundert Jahre sind verflossen, da der Staat 
Hessen unter der Regierung des Landgrafen Wil 
helm II. im Jahre 1502 die ersten reichsmäßigen 
Thaler, damals Guldengroschen genannt, schlagen 
ließ. Diese Thatsache ist wohl der Erwähnung 
wert. Bor dieser Zeit gab es in Hessen keine 
größeren Silbermünzen, da bisher nur Groschen 
(Grösst), Albus und Silberheller geprägt worden 
waren. Wenn auch in alten Münzwerken große 
Silberstücke erwähnt werden, wie in denen von 
Madai, von Schwarzenau und Hoffmeister, 
so sind diese doch meist zweifelhaft oder mehr als 
Schaustücke zu betrachten. Durch die Entdeckung 
Amerikas strömten große Massen peruanischen 
Silbers in alle Länder Europas, wodurch im 
Münzweseu ein großer Umschwung, auch in Hessen, 
verursacht wurde, und man ist wohl zu der An 
nahme berechtigt, daß diese ersten Thaler aus 
peruanischem Silber geprägt sind. 
Die Stücke zeigen aus der Vorderseite den ge 
krönten hessischen Löwen in einem Wappenschild, 
von einer zierlichen perlartigen Einfassung umgeben, 
und die Umschrift: „WILUELNV8 : I) : 6 : LANT- 
GRAVIVS: HASSIE auf der Rückseite befindet 
sich in ganzer stehender Figur die heilige Elisabeth 
mit Glorienschein, das Modell der Marburger 
Kirche in den Händen haltend, und die Umschrift: 
„GLORIA : REI PVBLICE : 1502 
Die Thaler wiegen das Stück 2 Lot oder 
20,2 Gramm, enthalten 14^/glötiges Silber, und 
es gehen 9 Stück aus die seine Mark kölnisch. 
Die Herstellung derselben erweist sich bei Vergleichung 
mehrerer Stücke als eine noch sehr mangelhafte. Bald 
ist die Silberplatte dünn und mißt 30 Millimeter 
im Durchmesser, bald ist sie stärker und enthält 
nur 37 */2 Millimeter. Auch die Bearbeitung des 
Randes ist noch eine sehr ungleiche. 
Beachtenswert sind die Fehler in den lateinischen 
Inschriften, wie HASSIE statt HA8SIAE und 
REI PVBLICE für REI PVBLICAE, auch kommen 
Stücke vor, wie ich selbst solche besitze, wo für 
WILHELMVS — WILHEMVS steht. Jakob 
Hoffmeister erklärt in seinem vorzüglichen Werke 
vaterländischer Münzen diese Fehler dadurch, daß 
in damaliger Zeit die Stempelschneider wissenschaft 
lich ungebildete Leute handwerksmäßiger Art gewesen 
seien, welche meist so schnitten, wie sie sprachen, 
wie man auch heute noch im gewöhnlichen Leben 
Wilhem und Willem sprechen hört. Diese Ansicht 
steht jedoch mit nachfolgender Urkunde in Wider 
spruch. welche Hoffmeister unbekannt war und in 
welcher die Inschriften ebenso angegeben sind. Diese 
Urkunde, welche für den hessischen Münzsammler 
hoch interessant ist, veröffentlichte zuerst Herr 
Dr. Buchenau in seiner vortrefflichen „Zeitschrift 
für Münzkunde" Heft 8/9, 1901. Bisher hatte 
sich nirgends eine archivalische Nachricht über die 
Münzprägungen des Jahres 1502 ermitteln lassen, 
bis vor einiger Zeit eine solche im Marburger 
Archiv befindliche durch Herrn Archivar Dr. Küch 
zugänglich gemacht wurde. Dieselbe befindet sich 
aus einem losen Folioblatt ohne Datum und ent 
hält die Anweisung, welche Silbermünzen im Jahre 
1502 geschlagen werden sollen: 
„Item stucke uff einen gülden sal gezeichent sein 
uff einer sehten mit Sanct Elizabethenbilde, uff 
der andern syten der hessisch lewe. 
Ta Sant Elisabeth stehet sal die Umbschrifst 
sin: Gloria rei publieo. 
Uff der andern da der lewe stehet, sal die Umb- 
schrisft sin, Wilhelm Lantgravi Hassie. 
Item auch vier uff einen guld, mit der umb- 
schrift und verzeichenunge. 
Item auch wispennige XXVII uff eineu gülden 
mit der umbschrift und zeichn'. 
Item Heller XII uff einen wispennig, daruff sal 
sin Sant Elsebethen Heubt flach also das die Heller 
nit hoel werden." 
Auch Rommel muß, wie aus seiner „Geschichte 
von Hessen", Band 3, Anmerkung 86, ersichtlich, 
vorstehende Urkunde unbekannt gewesen sein. 
Die Thaler des Jahres 1502 gehören heute mit 
zu den guten und seltenen hessischen Stücken und haben 
einen Liebhaberwert bis zu 150 Mark das Stück. 
Die nächstfolgenden Prägungen hessischer Kurant- 
thaler beginnen erst wieder im Jahre 1537 unter 
Philipp dem Großmütigen und endigen für die 
Kasselsche Linie mit dem Jahre 1865. 
Theodor Meyer. 
Aus Heimat und Fremde 
Universitätsnachricht. Generalsuperintendent, 
Oberhofprediger Lohr und Pfarrer Lio. theol. 
Sardemann in Kassel sind von der theologischen 
Fakultät der Universität Marburg zu Ehrendoktoren 
ernannt worden, letzterer anläßlich der Feier seiner 
25 jährigen Thätigkeit als Hausgeistlicher des Hessi 
schen Diakonisseuhauses.
	        

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