Full text: Hessenland (16.1902)

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Einnahme eines- Zolles auf die E d d e r b r ü ck e. 
Landgraf Philipp hatte unterm Dienstag nach 
Trinitatis 1540 (signatum Carthans-Eppenberg) 
der Stadt Felsberg bewilligt, einen Zoll auf die 
Brücke zwischen Felsberg und Gensungen schlagen 
zu dürfen, mit der besonderen Bestimmung: „wenn 
die Fuhrleute nicht durch die Stadt Felsberg und 
doch über die Felsbergische Brücke fahren, so sollen 
sie nichtsdestoweniger den Zoll geben". — Es 
scheint, als ob diese Brücke während des 30jährigen 
Krieges zerstört worden sei, wenigstens läßt mich 
daraus ein Eintrag in der Stadtrechnung vom 
Jahre 1651 schließen, wonach die Stadt dem 
Schiffsmann (es war damals Kurt Wiegand aus 
Geusuugen) als Fährlohn jährlich 2'/2 Viertel 
Korn gibt, wofür dieser einen, jeden Bürger oder 
die Seinigen, die jenseits des Wassers zu thun 
haben, ohne weiteres Entgelt hinüber zu fahren hat. 
Und die Felsberger Bürger und noch mehr 
ihre Frauen hatten recht viel „jenseits des Wassers" 
zu thun. Denn jenseits der Edder, auf dem Ge 
lände des jetzigen Bahnhofs Geusungen, lag der 
der Stadt gehörende Würzgarten, worin jeder 
Bürger, der das Tisch- und Wiesengcld bezahlte, 
Anrecht ans einen Pflanzenort hatte. Doch 
sollten bestimmungsgemäß nach Herausnahme der 
Pflanzen im Sommer die Pflanzenörter unbesamt 
liegen bleiben, „damit sich das Vieh, wie Schweine 
und Schafe, desto besser darauf erhalten möge". 
Als dann später den Felsberger Damen die Be 
stellung jener allzu abgelegenen Pflanzenörter zu 
unbequem wurde, erhielten die Schweine alleiniges 
Eigentumsrecht an dem nunmehrigen „Saufrasen", 
bis dieser in der ersten Hälfte des 19. Jahr 
hunderts für 1800 Thaler an die Gemeinde 
Geusuugen verkauft wurde. 
Das Amt Felsberg umfaßte im 16. Jahr 
hundert folgende 15 Dörfer (s. „Hessenland" 1891, 
S. 168): Böddiger (wo am 17. Oktober 1575 ein 
großer Brand 19 Häuser und 15 Scheunen, 
sowie die herrschaftliche Mühle einäscherte), Neuen 
brunslar, Niedervorschütz, Lohre, Niedermöllrich, 
Altenbnrg, Harle, Rhünda, Gensungen, Hesserode, 
Helmshausen, Hilgershausen, Unshausen, Heßlar 
und Melgershausen. — Im Amte waren vier 
Schösfenstühle, jeder Stuhl hatte 12 Schöffen. 
In Felsberg fanden jährlich zwei „nugeboteue" 
Gerichte, zu Ostern und Michaelis, unter freiem 
Himmel ans dem Kirchhofe statt. 
Wie es wohl allgemein üblich war, gab es in 
Felsberg neben dem regierenden Bürgermeister, 
der sich auch Konsul nannte, einen „Bürgermeister 
der Gemeine", der die Bürgerschaft dem Rate gegen 
über zu vertreten hatte (also der römische tribunus 
plebis). So hören wir, daß im Jahre 1621 
der Gemeine Bürgermeister Klage erhob, als 
der Rat, altem Herkommen entgegen, den Stadt 
schreiber in den Rat aufnahm. Bis dahin 
hatte ein städtischer Beamter nicht Sitz und 
Stimme im Rate haben dürfen. In diesem Falle 
war der Einspruch der Gemeinde um so mehr 
berechtigt, als der besagte Stadtschreiber Andreas 
Pforrius „wegen unmäßigen Trinkens seine Ämter 
vernachlässigte". 
Es ist bekannt, wie man in jenen Zeiten streng 
au den althergebrachten Rechten und Gebräuchen 
hing und alle Amtshandlungen mit besonders 
feierlichen Formen umgab. Es darf uns daher 
nicht wundern, daß sich auch die Aufnahme eines 
neuen Bürgers möglichst feierlich gestaltete. Der 
Bürgereid, wie ihn uns das in Felsberg auf 
bewahrte Saalbnch überliefert, lautet wörtlich: 
„Ihr sollt j gehoben und schwören, daß Ihr 
Unserm Gnädigen Fürsten und Herrn zu Hessen 
wollet allezeit treu, hold, gehorsam und gewärtig 
sein, Ihrer Fürst!. Gnaden sowohl als gemeiner 
Stadt Schaden warnen (= abwehren), selbst keinen 
zufügen, sondern alles Bestes werben und prüfen, 
und die Gerichte fleißig besuchen, und so oft Ihr 
von wegen Seiner Fürst!. Gnaden und dero 
Beamten, sowohl als auch Bürgemeisters und Rats 
dieses Orts erfordert werdet, euch jederzeit gehvr- 
samlich einstellen, und zu jeder Zeit also erzeigen 
und verhalten, auch alles dasjenige zu Tag und 
Nacht thuen und lassen, das frommen, getreuen 
und gehorsamen Unterthanen wohl anstehet, und 
gegen Ihren Landesfürsten und dessen Diener 
sowohl auch Bürgemeister und Rat und seine 
Mit-Nachbaren eigenen und gebühren will, ge 
treulich sonder Gefährde." 
Diesen Eid soll der neu aufzunehmende Bürger 
mit aufgerichteten Fingern mit folgenden Worten 
beschwören: „Als (= wie) mir vorgelesen und 
ich wohl verstanden habe, dem soll und will ich 
also staet, fest, unverbrüchlich und getreulich ge 
loben und nachkommen, als mir Gott helfe der 
Allmächtige. Amen." 
In einem späteren Artikel gedenke ich von der 
Not und dem Leide zu berichten, das der 30 jährige 
Krieg in reichem Maße über die Stadt Felsberg 
gebracht hat.
	        

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