Full text: Hessenland (16.1902)

Beiträge zur Geschichte öer Staöt Felsberg 
Von Dr. Fenge. 
3 rt seinem Aufsatze „Zur Geschichte von Burg 
und Stadt Felsberg" („Hessenland" 1891) hat 
Dr. W. Grotes end die spärlichen Nachrichten, die 
ans dem Dunkel, in das die älteste Geschichte der 
Burg gehüllt ist, auftauchen, zu einem Gesamt 
bilde zusammengefaßt, das uns doch wenigstens 
einige wichtige gesicherte Aufschlüsse über das alte 
Felsberger Grasengeschlecht, gibt. Auch über die 
Geschichte der Stadt hat Dr. Grotefend beige 
bracht, was ihm die größeren, die hessische Gesamt 
geschichte behandelnden Werke, die er in der Ein 
leitung seines Aussatzes als Quellen angibt, boten. — 
Ehe es jedoch möglich sein wird, eine Chronik der 
Stadt Felsberg zu schreiben, die annäherend auf 
Vollständigkeit rechnen kann, bedarf es noch vieler 
Vorarbeiten. Namentlich müssen die noch vor 
handenen Saalbücher, Stadtrechnungen. Stadt 
gerichts-Urteile u. s. w. ausgebeutet werden. 
Für die geschichtliche Forschung am wichtigsten 
sind die Saalbücher, die uns hauptsächlich über 
die Rechts- und Besitzverhältnisse der Stadt Aus 
kunft geben. Vvn diesen Saalbüchern sind mir 
drei bekannt geworden: zwei habe ich ans dem 
Staatsarchive zu Marburg vorgefunden; das dritte 
befindet sich auf dem Rathause zu Felsberg. 
Das ältere der beiden in Marburg aufbewahrten 
Saalbücher stammt aus dem Jahre 1555 (begonnen 
am St. Lanrentius-Tage). Sein Inhalt ist von 
einer fürstlichen Kommission, an deren Spitze der 
Homberger Schultheiß Hans Geilmann stand, unter 
Zuziehung der beiben fürstlichen Beamten zu Fels 
berg, des Schultheißen Hans Dietrich und des 
Rentmeisters Heinrich Gleym, sowie des Bürger 
meisters lmb Rats und einiger Ältesten der Stadt 
(Hofmann, Bachmann, Vogt, Winckel, Briede, 
Stieglitz) festgestellt worden. Das zweite stammt 
ans dem Jahre 1588; die Entstehungszeit des 
in Felsberg liegenden Saalbuches ist nicht genau 
zu ermitteln, dürfte aber auch ins 16. Jahrhundert 
fallen. 
Ans dem Inhalte dieser Saalbücher will ich 
im folgenden eine Reihe von Eintragungen mit 
teilen, die mir einige Wichtigkeit für die Geschichte 
der Stadt zu besitzen scheinen. 
In der Mitte des 16. Jahrhunderts befanden 
sich in der Stadt Felsberg die folgenden fünf 
B u r g s i tz e: 
1. Der älteste: ursprünglich der Familie derer 
von Felsberg zuständig, dann im Besitze der 
Familie vvn Besse, die sich nach Grotefend 
gegen Ende des 12. Jahrhunderts von der ersteren 
abgezweigt hatte. Dies ist der einzige Burgsitz, 
der den Namen seiner ehemaligen Besitzer bis ans 
die Gegenwart bewahrt hat; er ist noch vorhanden 
und führt bis auf den heutigen Tag den Namen 
„Bessenhof". Im 16. Jahrhundert war er im 
Besitze der Frau Margarete Spiegel zum Desen- 
berge, einer geborenen von Boineburg zu Lenge 
feld. Nach dem 30jährigen Kriege — im Jahre 
1651 — ging der Burgsitz (das alte Haus 
war im 30 jährigen Kriege abgebrannt) in das 
Eigentum der Wittwe des Capitains Georg 
Michael Poppenhausen über, der im Jahre 1639 
mit seiner Kompagnie in der Stadt gelegen und 
sich nach dem Kriege wohl daselbst niedergelassen 
hatte. 
2. Der Boineburgsche Burgsitz, ein land- 
gräfliches Mannlehen, mit dem ursprünglich die 
Familie von Lugnlin belehnt gewesen war, und 
das daher das „Lügelinshaus" genannt wurde. 
3. Der Hebelsche Burgsitz, in ältester Zeit 
im Besitz der auch sonst vielfach begüterten Familie 
von Hebel oder Hebelde. Es war kein eigentliches 
Mannslehen, sondern ein sogenanntes „erbfreies 
Gut", das später die Boinebnrgs von dem letzten 
Sproß derer von Hebel, der Feyge | Sophie j von 
Hebelde, „ältester Jungfrauen" im Kloster Anna 
berg zu Kassel, erworben hatten. (Die Boinebnrgs 
hatten auch zu Gensungen einen Freihof.) 
4. Der Meysenbugsche Bnrgsitz, von dem 
wir nur wissen, daß das Hans im Jahre 1588 
umgebaut wurde. 
5. Der Gleimsche Burgsitz. Welche adlige 
Familie ursprünglich dies Gut zu Lehen getragen 
hat, habe ich leider nicht ermitteln können; im 
16. Jahrhundert war es im Besitze des früheren 
Kammerschreibers Otto Gleim aus Kassel. Diese 
Gleimschen Güter, die im Laufe des 30jährigen
	        

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