Full text: Hessenland (16.1902)

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M 13. 
XVI. Jahrgang. 
Kassel. 1. Juli 1902. 
Zommerliea. 
Rosen leuchten, Lilien prangen 
Und, benachbart ihrem Flor, 
Dringt, von Büschen überhangen, 
Der Narcissen Stern hervor. 
Alle blühen sie gesellig, 
Jedem Auge wohlgefällig. 
Einer nur, fern allein Glücke, 
Wenn er trüb die seinen senkt, 
)n der Stille gern zurücke 
An das frühe Veilchen denkt. 
Das geblüht, bevor noch wieder 
Stand in Pracht der junge Glieder. 
Martin 6reif. 
A c> s f e I, im guni J902. 
? » » 
bcinuoch. 
Dir klingt etwas im Perzen. 
Das macht Dir taufend Schmerzen 
lind läßt Dir keine Ruh'. 
In Arbeit, Freude, Sorgen, 
Am Abend und am Morgen 
Alingt's immer, iminerzu. 
Es ist, als locke leise 
Dich eine fremde Weise 
I« eine schön're Welt. — 
Das sind die peimatglocken, 
Die Deine Seele locken, 
Bis ihre pülle fällt. 
varmstadt. LKerrSL liöstlm. 
mittag. 
Schweigend liegen Wald und See 
Im süßen Soininermittagstraum 
Drüben, weit drüben überm Sec 
Unterin Eschenbanm 
Aiil Wiesenhang 
Sitzt die holde, sonnige Lee. 
Tönt ein zitternder, bebender Alang 
Über Wiesen und dämmernden Wald — 
Ein leiser, lockender, sehnender Sang 
Sterbend in meiner Brust verhallt . . . 
Weiße Wölkchen ziehen sacht' 
Durch das blaue Pimmelsmeer — 
Roch immer klingt's vom Ufer her 
Und schluchzt und lacht 
In Schmerz und Lust, 
In Rümmer und Seligkeit 
Und zieht inir ahnend durch die Brust 
Wie Sommerglück und perbstesleid. 
Aassei. 3. Berstl. 
V ¥ V 
Der Dichter aber . . . 
Die Menschen alle sehn die Welt 
Und machen die Lust sich 3x1 eigen. 
Ein jedes Glück, das heimsen sie ein 
Und wahren es tief iin perzensschrein 
Und möchten es niemand zeigen. 
Der Dichter aber sieht der Welt 
Buntschillerndes Gefieder 
Und nimmt sie ans mit ihrem Glück 
Und gibt sie neidlos euch zurück 
Int Wohllaut klingender Lieder. 
Zürich. fienri llu §ai5.
	        

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