Full text: Hessenland (16.1902)

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Sanctissimum befindet sich gleichfalls das Bild 
feiner ebenso schönen wie liebenswürdigen durch 
lauchtigsten Gattin, einer geborenen Gräfin Lippe- 
Biesterfeld-Weißenfeld. Das Bergknappenkostüm, 
in welchem die Fürstin sich hat photographieren 
lassen, verleiht ihrem Bilde einen ganz besonderen 
Reiz. Es erinnert uns wie auch die im Horschowitzer 
Parke vom Fürsten ausgestellten Marmor-Statuen 
der altdeutschen Götter und Helden, die Richard 
Wagner in seinen mächtigen Tonschöpsnngen wieder 
lebendig gemacht und Natter gemeißelt hat. an die 
Lieblingsbeschäftigung des Fürsten Wilhelm: an 
seinen von hoher Begeisterung getragenen Kultus 
Wagnerischer Musik. Ans den zahllosen Knappen 
des Fürsten, welche die Schätze seiner Bergwerke 
heben, hatte er ein ganz unvergleichliches Orchester 
geschaffen, dessen musikalische Produktionen in dem 
von ihm erbauten Musiksaale des Horschowitzer 
Schlosses er selbst meisterhaft zu leiten verstand. 
Nun modert die Hand, die ich den Taktstock 
in virtuoser Weise führen sah. Sein Geist aber 
mag jetzt — das ist ja für uns sterbliche Menschen 
die schönste Versöhnung mit dem Tode — der noch 
viel schöneren und reineren Musik, dem göttlichen 
Gesang der Sphären, lauschen. 
Ich habe nicht das Zeug dazu, mich hier als 
den Biographen des Fürsten Wilhelm zu zeigen. 
Tie Verhältnisse haben es mit sich gebracht, daß 
ich sowohl dem verstorbenen Kurfürsten wie auch 
der Mehrzahl seiner Kinder erst relativ spät näher 
getreten bin. Anderen aber einfach nachzuerzählen, 
liebe ich nicht. Bin auch schon zu alt dazu. 
Des Fürsten Wilhelm Bild zeugt von männ 
licher Kraft und Schönheit. Und als er mich 
einst nach Horschowitz einlud, um sich meines Rates 
bei Ordnung seiner Familienangelegenheiten rc. zu 
bedienen, konnte ich mich auch überzeugen, daß er 
ein Mann von scharf denkendem Geiste und für 
die Seinigen, zu denen ich auch die niedrigsten von 
seinen Untergebenen zähle, ein Herr von väterlich 
fürsorgendem, ebenso warmem wie gerechtem 
Herzen war. 
Indem ich sein Bild betrachte — das Bild 
eines Mannes von echt hessischer Reckengestalt —, 
weihe ich ihm gern eine Thräne trauernder Liebe. 
Möge ihm die Erde leicht sein; die fremde 
Erde, in welcher er fern von der Asche seines einst 
am Heimweh gestorbenen Vaters ruht. Möge jeder 
Hesse, der einmal in die Nähe von Horschowitz kommt, 
seinem Grabe einen Besuch abstatten. Ich ver 
spreche, daß es keinen gereut." 
U ni v ers i tä ts Nachrichten. Der außerordentliche 
Professor an der Wiener Universität Di-. Wilhelm 
Tra b e r t ist vom Kaiser von Österreich zum ordent 
lichen öffentlichen Professor der kosmischen Physik 
an der Universität Innsbruck ernannt worden. — 
Der kaiserliche Regierungsrat im Patentamt zu 
Berlin Professor Di-. Arnold Reißert hat sich 
an der Universität zu Marburg als Privatdozent der 
philosophischen Fakultät niedergelassen. 
F ü n s t e r I a h r e s b e r i ch t der historischen 
K o m m i s s i o n für Hessen n n d W a l d e ck. Im 
Anschluß an unsere in Nr. l0 gebrachte Notiz über 
die am 10. Mai d. I, zu Marburg stattgefnndene 
Versammlung der vorgenannten Kommission ist 
ans dem nunmehr erschienenen Jahresbericht über 
die verschiedenen wissenschaftlichen Unternehmungen 
das Nachfolgende mitzuteilen: 
Fulda er Urkunden buch. Herr Professor 
Tan gl hatte im verflossenem Sommer mit dem 
Druck des ersten Bandes begonnen, sah sich jedoch 
im Herbst gezwungen, ihn zu unterbrechen. Ein 
längerer, durch seine Arbeiten für die Monumenta 
Germaniae historica bedingter Aufenthalt in Paris 
sowie der Druck des ersten Bandes der Karolinger- 
urkunden und vermehrte Amtsgeschäfte beanspruchten 
seine volle Zeit, Er hofft jedoch, den Druck gleich 
nach Pfingsten wieder aufnehmen zu können. 
Landtagsakteu. Herr Dr. Glagau hat die 
Bearbeitung des zweiten Bandes begonnen und 
zunächst die Landtagsabschiede von 1527 bis 1591 
ausgezogen. Er hat dann aus Zweckmäßigkeitsgründen 
die Bearbeitung der Landtagsakten ans der Zeit 
Wilhelms IV. (1567 —1592) nahezu erledigt und 
wird sich nun der Zeit Philipps des Großmütigen 
zuwenden. Benutzt wurden hauptsächlich die Staats 
archive zu Marburg und Tarmstadt so wie die im 
Marburger Staatsarchive deponierten Archive der 
Stadt Marburg und der vormals knrhessischen 
Landstünde. An Stelle des Herrn von Below 
wurde Herr Varrentrapp in den Ausschuß 
gewählt. 
Chroniken von Hessen und Wnldeck. Herr 
Dr. Diemar hat die Textgestaltung der beiden 
Chroniken von Gerstenberg vollendet, znm Teil 
unter Heranziehung von weiteren Handschriften und 
Archivalien aus Darmstadt und Marburg, und cmd) 
die Quellenuntersnchnngen in allem Wesentlichen 
abgeschlossen. Tie Drucklegung des Bandes wird 
somit nach Erledigung einiger kleineren Fragen 
sofort beginnen und ohne Unterbrechung fortgesetzt 
werden können. Dem Bande sollen einigeJllustrationen 
aus der Orginalhandschrift von Gerstenberg in Licht 
druck beigegeben werden. — Herr Dr. Iarges hat 
die Bearbeitung der waldecker Chroniken zufolge 
seiner Übersiedlung nach Wiesbaden leider nicht in 
dem Maße zu fördern vermocht, wie er gehofft. Er
	        

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