Full text: Hessenland (16.1902)

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Herrensitz mitten im Schloßsaale, als die Schar 
eintrat. Die Wände des geräumigen Saales waren 
so reich behängen mit Waffen, Fahnen, Teppichen 
und Hirschgeweihen, daß nur wenig von dem ge 
schnitzten und vergoldeten Holzgetüfel zu sehen war; 
ebenso war der Fußboden überaus reich mit Tier 
fellen und die Sitze und Tische mit Teppichen und 
Decken belegt. 
Ter Graf war sonst unbewaffnet, nur mit einem 
laugen Schwert mit goldenem Griff bewehrt, das 
er aus der Gurt gelöst und vor sich aus den Boden 
gestellt hatte, indem seine beiden Hände auf dem 
Kreuzgriff ruhten. Er trug ein eng anliegendes 
Wams aus blauem Samt, mit Gold, Silber und 
Seidenverzierungen bestickt: die Beinkleider waren 
von seinem Leder und mit zierlichen Borten besetzt. 
Hochmütig schaute er auf die Eintretenden herab 
und neigte kaum merklich sein Haupt zum Gruß, 
als sie mit ehrfurchtsvollen Verbeugungen aus ihn 
zutraten. Leidensrost trat vor als Sprecher, aber 
kaum hatte er begonnen, so schnitt ihm der Gras 
-»■ 
Aus alter un 
Die Personen des Verfassungsbildes. 
Schon mehrfach ist die Frage nach den Namen 
der Stadtratsmitglieder und der Bürgerdeputierten 
gestellt worden, die aus dem von Ludwig Grimm 
gezeichneten Bilde, die berühmte Audienz im Palais 
zu Kassel am 15. September 1830 darstellend, 
porträtähnlich wieder gegeben sind. 1. Kurfürst 
Wilhelm II., 2. Bürgermeister Karl Schom- 
burg, die Bittschrift überreichend, und der ein 
weißes Taschentuch schwingende Küfermeistcr Karl 
Herbold (3) sind allgemein bekannt. Die Namen 
der andern aus dem Bilde befindlichen Personen 
werden uns von einem Freunde des „Hessenland" 
wie folgt mitgeteilt: 4. Adam Berninger, 
Weinhändler, 5. Heinrich Eskuche, Kommissions 
rat, 6. Wilhelm Jäckel, in Firma Jäckel & Herzog, 
7. Friedrich Ludwig, Kaufmann. 8. Ludwig 
Christ. Nagell, Kaufmann, 9. Heinrich Escherich, 
Kaufmann, 10.1 o h. H e i n ri ch K e ß l e r, Kommerzien 
rat, 1l. Wilhelm Kolbe, Fabrikant, 12. Simon 
Wille, Kaufmann, 13. Joh. Chr. Arnold, 
Tapctensabrikant und Kommerzienrat, 14. Wil 
helm Köber, Partikulier, 15. Jakob Ludwig 
Clement, 16. Lukas Bernhard Möli, Konditor, 
17. Wilhelm Korckhaus, Partikulier, 18. Hein 
rich Pinhard, Lederfabrikant, 19. Christian 
Dietrich, Inspektor, 20. August Schellhase, 
Kunstgärtner (sämtlich Mitglieder des Stadtrats). 
Ferner außer Herb old noch zwei Bürger: 
mit einer raschen Handbewegung das Wort ab und 
erklärte in grausamer Kürze, er habe sich jetzt lang 
genug mit Bürgen herumgeschlagen; er verlange 
keine neue Bürgschaft mehr, sondern das Geld,' um 
das ihn der Amtskellerer Küsner von Bruchköbel 
betrogen habe; und ehe das Geld nicht bezahlt sei, 
könne kein Kaiser ihn bewegen, den Pfarrer Lauk- 
hardt aus der Schuldhast freizugeben. 
Ten Bürgschaftsschein des Grasen von Stolberg 
nahm er gar nicht an; alles Bitten und Flehen 
war umsonst, ja sogar ein Kniefall, den die beiden 
Pfarrer thaten, machte nicht den geringsten Eindruck 
auf den Grasen. Mit Hohnlachen wandte er sich 
von den betrübten Männern ab, die mit Thränen 
in den Augen den Saal verließen. 
Mit höhnischem Grinsen geleitete die gräfliche 
Dienerschaft die Gesandtschaft die Treppe hinab 
zum Thore; ihre Mienen zeigten offenkundig die 
Schadenfreude über die Niederlage, die die Stol- 
berger erlitten hatten. 
(Fortsetzung folgt.) 
ö neuer Zeit. 
21. Heinrich Wenzel, Gastwirt zur „Stadt 
Bremen" und 22. Konrad Kersting, Gastwirt 
zur „Stadt London", welcher letztere allein seine 
Züge nicht zur Verfügung stellen wollte und des 
halb nur vom Revers sichtbar ist. 
B e r m ä h l u n g s m e d a i l l e. Der kürzlich ge 
storbene Fürst Wilhelm von Hanau hatte 
sich am 12. Mai 1890 zum zweiten Male ver 
heiratet mit Gräfin Elisabeth zur Lippe- 
Biesterfeld-Weißenfeld, geb. den 1. Jnli 
1868, nachdem seine erste Ehe im Juni 1868 
geschieden worden war. Auf diese zweite Ehe 
schließung bezieht sich eine gegossene Eisenmedaille 
von 65 mm Durchmesser, die von den damals im 
Besitze des Fürsten befindlichen Eisenwerken zu 
Komarau gewidmet worden war. Die Medaille, 
die die Brustbilder des fürstlichen Paares, sowie 
in deutscher und czechischer Sprache ihre Namen, 
das Datum 18 j 90 und die Widmung enthält, ist 
beschrieben in Nr. 8/9 der „Blätter für Münz 
freunde", herausgegeben von vr. H. Buchenau, 
1901, S. 222, und abgebildet daselbst auf Tafel 144. 
P. W. 
Kurze Bemerkung zu den Mitteilungen 
des Herrn E. Bäumler über die Vergiftung 
des Hoflakaien Bechstädt. In Nr. 11 des 
„Hessenland" gibt Herr E. Bäumler sehr schützens-
	        

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