Full text: Hessenland (16.1902)

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Auf den an der Lahn gelegenen Grundstücken 
ließ Konrad in der Nähe des Franziskushospitals 
die Kommende erbauen, die er nach ihrer Vollendung 
zn seinem Ho chm eist er sitz erwählte und die auch 
später Sitz der Balley Hessen geblieben ist. Am 
14. August 1235 legte er den Grundstein zu dem 
am 1. Mai 1283 vollendeten Elisabeth-Münster. 
1240 soll Konrad in Rom gestorben sein. Seine 
Leiche wurde nach Marburg gebracht und in der 
Elisabethkirche beigesetzt. 
Von 1291 — 1309 war abermals der Sitz des 
Hochmeisters in Marburg. 
Das deutsche Haus in Marburg besaß das ihm 
vom Landgraf Ludwig verliehene Asylrecht. Danach 
durfte kein herrschaftlicher Beamter einen Flüchtling 
über die Ringmauern der Kommende hinaus ver 
folgen. Tie zwischen dem deutschen Haus und 
den hessischen Landgrafen bestehenden freundschaft 
lichen Beziehungen erfuhren indeß infolge der im 
Laufe der Zeit sich herausbildenden territorialen 
Hoheit des Landesherrn eine Änderung, so daß das 
deutsche Ordenshaus später oft der Zeuge schwerer 
Vergewaltigungen und Rechtsverletzungen wurde. 
Im Jahre 1483 befanden sich im Deutschordens 
hause zu Marburg 20 Brüder mit dem Kreuze, ; 
13 Priester und 64 Knechte und Mägde. — An j 
jedem Donnerstag fand eine Brodausteilung an > 
Arme statt. 
Ter Begräbuisplatz der deutschen Herren befand 
sich aus der Südseite der Elisabethkirche. Das 
daselbst noch vorhandene Kruzifix bezeichnet die > 
Stelle, wo der 1568 verstorbene katholische Komtur- 
Johann von Re hu begraben liegt. Auch der 
1540 verstorbene lateinische Dichter und Marburger ; 
Professor Evbanus Hessus hat allda seine 
Ruhestätte gefunden. 
Lassen wir nun vor unserem geistigen Auge die j 
prächtige Gruppe stattlicher altdeutscher Bauten mit 
hohen Staffelgiebeln, Erkern. Türmen, spitzbvgigeu 
Thoren und Pforten erstehen, die als zahlreiche 
Wohn-, Verwaltnngs- und Ökonvmiegebäude nebst 
dem dazu gehörigen St. Elisabethmünster und 
-Hospital das deutsche Haus in Marburg bildeten. 
Das ganze Gebiet, dessen natürlichen Schutz aus 
der Nordseite ein Lahnarm, im Süden der zur 
Zeit noch offen fließende Ketzerbach bot, war von 
einer hohen, starken, oben keilförmig zugespitzten 
Ringmauer umgeben, von außen und innen be 
festigte Thore bildeten den Zugang. Im Mittel 
punkt dieser wehrhaften Burg, von der ein Teil 
noch erhalten geblieben ist, wohnten die Ritter 
brüder. Das Hauptthor, aus dessen Thorpfosten 
zwei in Stein gehauene Löwen standen, die noch 
heute am südlichen Eingang zum Marburger Stadt 
park zu sehen sind, befand sich da wo heute der 
Deutschhausweg zwischen Elisabethkirche und Physio 
logischem Institut in den Pilgrimsteiu einmündet. 
Trat man durch dieses Thor ein, so erblickte man 
rechts das in den Jahren 1889 — 1891 abgebrochene 
St. Elisabeth-Hospital, nebst der davon getrennt 
liegenden Wohnung des Spitalmeisters — 1884 
abgebrochen — und den übrigen zugehörigen Neben 
gebäuden, links dagegen unmittelbar am Thore lag 
das Waffen haus der Ritterbrüder, dahinter die 
St. Elisabethkirche. Starke Mauern schieden diese 
beiden Gebäudegruppen. Dem linken Ketzerbachuser 
entlang zog sich nach der Kirche zu eine starke 
Mauer, welche zur Befestigung des natürlichen 
tiefen Burggrabens beitrug. Verfolgte man den 
Fahrweg'weiter, so gelangte man durch eine kleine 
Pforte mit einem größeren, daneben gelegenen über 
bauten Spitzbogenthor in den Ökonomiehof des 
Ordens. Das mit dem Deutschordenswappen, sowie mit 
dem Wappen der Komture Dietrich von Cleen und 
Daniel von Lauterbach geschmückte Thorgebäude 
diente dem Trappierer und Zinsmeister als Wohnung. 
Dieses Gebäude wurde nebst dem am Bach entlang 
stehenden Fechtboden 1884 abgebrochen. Wandte mau 
sich nun im Okouomiehos links, so durchschritt man 
über eine Brücke des Baches hinweg ein drittes 
Thor, welches den Eingang zum deutschen Haus 
im engeren Sinne, zur Wohnung der unter Klausur 
lebenden Ordensbrüder bildete. Links von diesem Thore 
war der Eingang zum Zinsmeistereigebäude 
mit dem Wappen des Komtur Georg von Hörde. 
Der jetzt vom Staat angekaufte stattliche spät 
gotische, mit hohem Giebeldach gezierte Bau zur 
Rechten, aus dem Jahre 1518 stammend, diente 
als Backhaus und Fruchtspeicher. Dahinter lag 
die Wohnung des Hausmeisters und eine Brauerei. 
Die dem Lahnarm entlang ziehenden, zum Teil 
mit zwei Flügelbauten nach Süden vorspringenden 
Gebäude, das eigentliche deutsche Haus, bewohnten 
die Ordensbrüder. Da die ursprünglichen alten 
Fenster meist vermauert oder verändert sind oder 
spätere Anbauten die ältere Form verdecken, so 
machen die noch erhaltenen Gebäude nicht mehr 
den altertümlichen Eindruck, der ihnen nach ihrem 
Ursprung zukäme. Das im Laus der Zeit sehr ver 
fallene und deshalb 1889 abgebrochene Gebäude 
rechts von dem nach Süden vorspringenden Flügel 
mit einer Rokokothüre diente ehemals dem Land- 
komtur als Wohnung, der gleich dem Prior von 
den Brüdern getrennt, sogar längere Zeit auf dem 
ehemaligen Fron hos am Grün wohnte. Nach dem 
Abbruch dieses Hauses hat man die Hausthüre 
mit dem Wappen des Laudkvmturs Gras Damiau 
Hugo von Schönborn (1700—1743) zwischen den 
beiden Eingangsthüren am Langhaus eingemauert. 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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