Full text: Hessenland (16.1902)

Oer Reformator Johann Sutel?) 
Von L. Armbrust. 
in Prophet ohne Jünger ist ein Stern ohne 
Strahlen, er bleibt unsichtbar und unwirksam 
für weitere Kreise. So haben denn die großen 
Pfadfinder, die führenden Geister in der Welt 
geschichte, eine Anzahl von tüchtigen Mitarbeitern 
nötig, die von der Hauptstraße aus die Neben 
wege anlegen und die neuen Gedanken in die 
tieferen und ferneren Schichten des Volkes tragen. 
Zn den wichtigeren Mitarbeitern der großen 
Kirchenreformatoren des 16. Jahrhunderts gehörte 
der Hesse Johann Sutel. Im Jahre 1504 
wurde er zu Altmorschen an der Fulda geboren. 
Er stammte dort wahrscheinlich aus ganz kleinen 
Verhältnissen, denn vergeblich sucht man den 
Namen eines Familienmitgliedes in den Urkunden 
Alt- ltnb Neumorschens und des benachbarten 
Klosters Heida. Johann war der älteste Sohn. 
Seine Schulbildung scheint er in Melsungen er 
halten zu haben. In die Studentenlisten der 
Universität Erfurt trug er sich als Melsunger 
*) Die Beweise für die hier zusammengestellte Lebens 
beschreibung finden sich in dem Werke von Tschackert, 
Magister Johann Sutel lZeitschr. für niedersächs. Kirchengesch. 
1897 und Sonderabdruck Braunschw. 1897); zuni Teil 
auch in meinem Aufsähe: Sütels Verwandte und Bekannte 
in Melsungen lZeitschr. für uiedersächs. Kirchengesch. 1901. 
VI, S. 249 ff.). Außerdem sind folgende Quellen und 
Bearbeitungen benutzt: Franciscus Lubecus. Chronik« 
und Annales der Stadt Göttingen bis 1588 lHandschr. 
in der Universitäts-Bibliothek Göttingen). — Urkunden der 
Klöster Breitenau. Eppenberg und Heida, der Stadt 
Melsungen u. s. w. im Staatsarchiv Marburg. — Sixt. 
Reformationsgeschichte der Stadl Schweinfurt. Schweins. 
1794 — Stein, Monumenta Suinfurtensia. Schweins. 
1875. — Heinr. Christ. Beck, Joh. Sutellius. Schwein- 
surt 1842. — Urkundenbuch der Stadt Göttingen. III. Teil 
hrsgeg. v. Hesselblatt u. Kaestner. — fGudenj, Zeit- 
u. Geschichtsbeschreib, der Stadt Göttingen, 3 Teile. Gött. 
u. Hannover 1734—38. — G. Erdmann, Gcsch. der 
Kirchenreformation in Göttingen. Gött. 1888.— Friese. 
Andeutungen zur Gesch. der Stadt Northeim (Baterländ. 
Archiv f. Niedersachsen Jahrg. 1840, Heft 2. Hann. 1841).— 
Stölzel, Hess. Studierende 1368—1600 lZeitschr. f. Hess. 
Gesch. N.F. V. Suppl.).— Car. Gottl. Bretschneider, 
Corpus Reformatorum. 9 Teile. Halte 1835—42. — 
Tschackert. Ungedruckte Melanchthon - Handschriften des 
Göttinger Stadtarchivs lZeitschr. für Kirchengesch. XVIII, ! 
S. 190 ff. Gotha 1897). — F r i tz Her r m a n n , Tas 
Interim in Hessen. Marb. 1901. 
ein; oncf) besaß er in Melsnngen einen wohl 
habenden Verwandten namens Konrad Sutel, 
| der Priester des Katharinenaltars in der Stadt 
kirche war.**) 
Im Alter von 14 Jahren bezog Johann bereits 
die Universität Erfurt. Damals blieb vielerlei, 
was jetzt ans dem Gymnasium erledigt wird, der 
Hochschule vorbehalten. Dafür ward denn auch 
die Studienzeit recht lange ausgedehnt; die 
Stipendienstiftungen des 16. Jahrhunderts be 
dachten gewöhnlich sieben Jahre lang einen und 
denselben Studenten. 
Seitdem Johann das sechzehnte Lebensjahr 
überschritten hatte, bezog er eine jährliche Unter 
stützung von seinem Oheim Konrad. Johann 
mußte recht fleißig und begabt sein, denn als 
angehender Jüngling (1525) war er bereits 
Magister der freien Künste. 
Nun trat ein Ereignis ein, das für seine 
nächsten Lebensjahre bestimmend wurde. Während 
Johann noch in der Fremde weilte, setzte der 
Priester Konrad Sutel zu Melsungen seinen 
letzten Willen auf (am 4. Juli 1525). Zn 
Testamentsvollstreckern wurden der Abt Johann 
Meyer in Breitenau, der Amtmann Nnland in 
Kanfnngen, der Vikar Johann Platz in Homberg 
und Magister Johann Sutel bestellt, dessen 
Aufenthaltsort nicht genannt wird. Aus einem 
Teile seines Vermögens machte Konrad eine 
: Stiftung für mindestens sechzehnjährige fromme 
und fleißige Studenten, die sieben Jahre lang 
alljährlich zwanzig Gulden erhalten sollten. Zum 
ersten Nutznießer aber ernannte das Testament 
den Magister Johann Sutel, der damals (1525) 
die Unterstützung schon viermal erhalten hatte. 
Die 20 Gulden wurden ihm noch auf weitere 
**) 17 Urkunden im Marburger Staatsarchiv berichten 
von Konrad Sütels Wohlhabenheit und Wohlthätigkeit, 
aber auch von seiner Bequemlichkeit im Dienste und von 
seinem Geschick, sich durch Schenkungen die Gunst einfluß 
reicher Klosterinsassen zn verschaffen. Ans seinen vermög- 
lichen Umständen möchte man schließen, daß er nur ein 
Stiefbruder oder ein Vetter von Johann Sütels Vater 
gewesen ist. Konrads Siegel zeigt einen Kelch zwischen 
den Buchstaben C. 8.
	        

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