Full text: Hessenland (16.1902)

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selben Tage sagen, daß ich Wer den mir gemachten 
Vorwurf mich beruhigen mochte, indem er später 
eines Besseren über mich berichtet worden wäre. — 
Tie unglückliche Witwe erhielt mit ihren vier 
Kindern von Sr. Hoheit dem Kurprinzen das 
Aus Heiinat 
Zentennarseier. Am kommenden 20.August 
werden bekanntlich seit der Geburt des letzten Kur 
fürsten von Hessen Friedrich Wilhelm I. hundert 
Jahre verflossen sein. Das Andenken an diesen 
Fürsten soll in Kassel durch eine Gedächtnisfeier in 
der Hos- und Garnisonskirche, durch eine Ausstellung 
von Gegenständen, die auf den Kurfürsten Bezug 
haben, sowie durch einen Vortrag des Herrn 
Kabinetsrats Adolph Schimmelpseng gefeiert 
werden. Auch ist ein Festessen der ehemaligen 
kurhessischen Offiziere geplant. 
Fuldaer Geschichtsverein. Am 23. April 
hielt der Fuldaer G e s ch i ch t s v e r e i n im großen 
Saale der „Harmonie" eine Versammlung ab, die 
von Herrn Professor l)r. Lei mb ach, dem stell 
vertretenden Vorsitzenden, eröffnet wurde. Den 
ersten Vortrag hielt Herr Stadtarchivar Dr. Kartels 
über die Geschichte der Pest in Fulda. Vom 
Auftreten dieser Krankheit im Altertum beginnend, 
gab Redner einen geschichtlichen Abriß derselben 
bis zur Gegenwart und verbreitete sich darauf über 
die Pest in Deutschland und besonders im Fuldaer 
Gebiet Mitte des 14. Jahrhunderts. Die Er 
innerung an diese Schreckenszeit ruft noch heute 
die alljährlich nach dem Frauenberg stattfindende 
Pestwallfahrt wach. Ta die Pest aber auch im 
16. und 17. Jahrhundert in Fulda auftrat, so 
legte der Vortragende die Ursachen dar. durch die 
eine solche schreckliche Seuche damals festen Fuß 
fassen konnte. Sodann hielt Herr Bibliothekar 
Di-. Scherer einen Vortrag über die Barockbauten 
in Fulda, zu denen der Tom und die Orangerie 
zählen, und über den Baumeister Johann Dientzen- 
höser, unter Zugrundelegung zweier in jüngster 
Zeit erschienener Werke: „Beiträge zur Geschichte 
der Dientzenhöser" von Weigmann, und: „Eine 
Bamberger Künstlerfamilie" von Schmerber. Redner 
brachte manches Reue, so auch über das Dientzen- 
höfersche Haus, dessen jetzige Inhaberin, Frau 
Hauptmann Henkel, die Forschungen bereitwilligst 
unterstützt hatte, und sprach zum Schluß über das 
Deckengemälde im Orangeriegebüude, welches erläutert 
und auf seine Vorlage verfolgt wurde. Beiden 
Rednern sprach der Herr Vorsitzende den Dank 
Gehalt des Mannes als Pension; und die Sache 
blieb so, ohne daß es den größten Bemühungen 
der Gerichte möglich gewesen wäre, den Bösewicht, 
welcher die That verübt, auszumitteln." 
E. Aäumker. 
und Fremde. 
des Vereins aus, wonach die Versammlung ge 
schlossen wurde 
Freie Feder. In den letzten Versammlungen 
der Kasseler Schriststellervereinignng „Freie Feder" 
kamen u. a. Gedichte von Karl Preser und das 
vieraktige Lebensbild „Lear in der Dachstube" von 
B. von Bodenhausen zur Vorlesung. 
Jubiläum. Am 28. April beging Herr 
Kreistierarzt Textor in Ziegenhain sein 50jähriges 
Berufsjubiläum. Nach seiner Approbation ließ er 
sich 1853 in Neukirchen nieder, wurde 1862 Kreis 
tierarzt in Gelnhausen und übernahm am 4. Mai 
1864 dieselbe Stelle in Ziegenhain, die er seitdem 
ununterbrochen in gewissenhaftester und erfolgreichster 
Weise verwaltet, wie dies in einem Schreiben des 
Herrn Regierungs-Präsidenten von Trott zu Solz, 
das dem Jubilar an seinem Ehrentag überreicht 
wurde, besonders hervorgehoben worden ist. Der 
Stadtverordneten-Versammlung und später dem 
Magistrat von Ziegenhain gehörte er lange Zeit 
an und ist noch hellte Mitglied des Kreistags und 
des Kreisausschusses. Geboren ist Herr Kreistier 
arzt Textor am 24. April 1827 in Fritzlar. 
Todesfälle. In Marburg starb am 13. Mai 
der Landesgerichtspräsident z. D. Geheime Ober- 
Justizrat Dr. jur. Anton Schultheis. Am 
13. Februar 1823 zu Fulda als Sohn des 
damaligen Obergerichtsrates, nachherigen Ober- 
appellationsgerichtsrates Schultheis, geboren, ver 
lebte er seine Schuljahre in Marburg und Kassel. 
In Marburg, wo er dem Korps „Teutonia" an 
gehörte, und in Heidelberg studierte er die Rechte, 
wurde 1845 Obergerichtsreferendar in Kassel, 1852 
Amtsassessor in Fulda und im selben Jahre noch 
Obergerichtsassessor in Kassel. Das Jahr 1866 
fand ihn daselbst als Obergerichtsrat. Alsdann 
war er dort Appellationsgerichtsrat und Kreis 
gerichtsdirektor. 1875 wurde er zum Obertribunals 
rat und 1879, unter Beilegung des Charakters 
als Geheimer Ober-Justizrat, zum Landgerichts 
präsidenten in Marburg ernannt. Am 14. November 
1895 feierte er unter großen Auszeichnungen sein
	        

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