Full text: Hessenland (16.1902)

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Mit der Rückkehr des Hofes hörte die fünf 
gliedrige Kriegs-Laudeskommission auf, und an 
ihre Stelle trat eine Landes-Kriegskosteukommission 
unter dem Borsitze des Freiherrn von Biege 
leben. Am 6. November um 11 Uhr zog Kaiser- 
Franz von Österreich in Frankfurt ein. Der 
bereits anwesende Kaiser von Rußland ritt ihm 
auf der Hanauer Landstraße entgegen. Eine 
halbe Stunde vor der Stadt trafen sich die beiden 
Monarchen, die sich dann durch die Allerheiligen 
gaffe, Zeit, Katharinenpforte/Römerberg nach 
dem Dom begaben, woselbst ein feierliches Te-Deum 
für die glorreichen Tage von Leipzig und Hanau 
abgehalten wurde. Darauf fand eine große 
Truppenschau statt. Alle Straßen, alle Fenster 
und viele Dächer waren von Menschen besetzt, 
und „die ehrwürdigen Stätten, die mehre Jahr 
hundert Zeugen deutscher Einheit waren, ertönten 
wieder von tausend Stimmen freier Deutschen". 
Abends besuchten die Majestäten das Schauspiel 
haus, in dem die Oper „Titus" von Mozart ge 
geben wurde, bei welcher Gelegenheit die Majestäten 
mit lautem Jubel und Trompeten- und Pauken 
schalle begrüßt wurden. Nachts war die ganze 
Stadt erleuchtet. Am 13. November nahm der 
Kaiser von Österreich in Frankfurt die Huldigung 
des Großherzvgs von Baden, des Erbgroßherzogs 
von Hessen und des Prinzen Christian von Hessen 
entgegen. Am 19. November besuchte der König 
von Baiern aus der Rückreise von Frankfurt den 
großherzoglichen Hos zu Darmstadt und verließ 
die Stadt wieder am 20. Am 27. machten der 
Kaiser von Rußland und der König von Preußen 
in Begleitung der Frau Erbgroßherzogin von 
Weimar, des Kronprinzen und der Prinzen 
Wilhelm und Friedrich von Preußen am groß 
herzoglichen Hose ihre Aufwartung. An demselben 
Tage verließen die hohen Gäste wieder Darmstadt, 
der König von Preußen begab sich nach Frankfurt, 
der Kaiser von Rußland nach Heidelberg. Am 
2. Dezember erneuerte der russische Herrscher seinen 
Besuch in Darmstadt, desgleichen am 12. Dezember, 
„woraus bei Hofe große Tafel und am Abend 
Ball gegeben wurde, wobei auch des Kronprinzen 
und der Prinzen Wilhelm und Friedrich von 
Preußen Hoheit und der Frau von Thurn und 
Taxis Durchlaucht zugegen waren. Diesen Morgen 
<am 13.) ließen des Kaisers Majestät Ihre In 
fanterie-Garde in Parade vor sich vorbeidefilieren 
und reisten am Abend nach Heidelberg ab"?) 
Darmstadt war von fremden Truppen überfüllt; 
soll doch der Kaiser von Rußland allein über 
11 000 Russen Revue abgehalten haben. 
0 Großherzoglich Hessische Zeitung auf das Jahr 1813. 
(Fortsetzung folgt.) 
Unterm Hollunöerbauin. 
Historische Erzählung aus Oberhessen von O. Gros. 
(Fortsetzung.) 
ottes Güte schenkte der Pfarrsamilie in den 
nächsten Jahren zwei Kinder. Das älteste ward 
1723 geboren und ward nach seiner Großmutter , 
und Patin Marie genannt. Das zweite Kind 
war ein Söhnlein, und Radefeld hätte es gerne über 
die Taufe gehoben als Pate; da jedoch Pfarrer 
Laukhardt nach der Sitte jener Zeit nur einen 
Paten nahm, und sein Bruder, der darmstüdtische 
Rentmeister Philipp Jakob Laukhardt zu Lichtenberg, 
um die Patenschaft gebeten hatte, so lehnte Lauk 
hardt die Patenschaft Radefelds dankend ab und 
nannte sein Söhnlein Philipp Jakob. 
Im September 1725 ward der Koadjutor Rade 
feld als hanauischer Amtmann nach Selters versetzt. 
Ihm war der Aufenthalt in Hirzenhain verleidet. j 
Tie Pfarrsrau. deren Bild er noch im Herzen trug, i 
mochte er nicht länger als eines andern Hausfrau 
vor Augen sehen; von Laukhardt selbst fühlte er 
sich seit der Ablehnung der Patenschaft gekränkt, 
und so nahm er denn, als die Amtmannsstelle in 
Selters vakant wurde, mit Erfolg die Fürsprache 
des gräflich hanauischen Hoskellerers Küsner in 
Bruchköbel in Anspruch, um diese zu erlangen. 
Der Abschied von Radefeld that dem Pfarrer 
Laukhardt von Herzen leid; denn wenn auch das 
Verhältnis zwischen ihm und Radeseld seit seiner 
Verheiratung und besonders seit der Geburt seines 
Söhnleins etwas getrübt worden war, so war es 
doch dem arglosen Gemüt Laukhardts kaum auf 
gefallen, daß Radeselds Benehmen kühler war als 
früher. Pfarrer Laukhardt war indessen auch nicht 
in der Lage, sich hierüber viel Gedanken zu machen, 
denn etwas anderes hatte kurz nach Radeselds Ver 
setzung Kummer und Sorge in sein Haus getragen. 
Seine Stieftochter Elisabeth von Bruchköbel kam 
mit allen Anzeichen des Schmerzes und Herzeleids 
nach Hirzenhain zum Besuch, und sie erzählte, daß 
ihr Mann durch seine Unfähigkeit, Geldgeschäfte zu 
verwalten, durch verschiedene Mißgeschicke und 
Unglücksfälle, sowie nicht am wenigsten durch
	        

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