Full text: Hessenland (16.1902)

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Ein ähnlich lautender Bertrag wurde am 
gleichen Tage zwischen dem Herzoge von Nassau 
und Österreich abgeschlossen. Dem Bündnisverträge 
folgten an demselben Tage noch besondere Be 
stimmungen als Nr. 2: über den „Plan zu 
einer unter den deutschen Fürsten zu schließenden 
Bereinigung zur Herbeischassung der Kriegs 
kosten" und als Nr. 3 „Unterhaltung der 
Truppen." 
Der Plan über die gemeinschaftliche Herbei 
schaffung der Kriegskosten berührt folgende Punkte: 
Die von dem Rheinbund sich lossagenden Fürsten 
verpflichten sich noch „mit ihrem Kredit mit 
zuwirken und diesen Kredit bis zum Betrage der 
Brutto-Einnahme ihrer Länder von einem Jahre 
auszudehnen" (1). Der Betrag wird ermittelt 
nach den statistischen Tabellen oder nach den Ver- 
hältnissen zu der bekannten Seelenzahl (2). Die 
erhobenen Summen werden in 24 Raten von 
3 Monaten zu 3 Monaten zurückgezahlt. Die 
verbündeten Mächte verpflichten sich, beim Friedens 
schluß einen Artikel aufzunehmen, durch den die 
richtige Zahlung der Schuld sicher gestellt wird (4). 
Bierteljährlich wird der 6. Teil des ganzen Be 
trags der Obligationen ausgelost und nebst 
Zinsen (6 °/o) zurückgezahlt (6). Gegen die Teil 
nehmer, die ihrer Verbindlichkeit nicht nachkommen, 
werden auf Antrag des Komitös die nötigen 
Maßregeln ergriffen (9). 
Die als Anhang III über die Unterhaltung 
der Truppen erlassenen Bestimmungen verbreiten 
sich über folgende Hauptpunkte: Österreich, Rußland 
und Preußen werden zur Verpflegung ihrer Heere 
den sechsmonatlichen Bedarf aus ihren Ländern 
nachschieben (1). Wassersrachten werden bezahlt. 
In dem Gebiete der verbündeten Staaten sind 
die Fahrzeuge gegen den gewöhnlich üblichen 
Frachtsatz zu stellen (2). Das benötigte Fuhr 
wesen ist unentgeltlich zu stellen (3). Requisitionen 
für Bekleidungsbedürsnisse dürfen nur für Schuhe, 
Stiesel, Tuch und Beinkleider stattfinden (8). 
Die Requisition erfolgt nur durch den Korps- 
Kommandanten und durch die General-Intendanten. 
Die Bezahlung geschieht in Obligationen nach 
den landesüblichen Preisen (9). Sie findet statt 
für alle seit dem 1. November ausgeschriebenen 
Naturalien- und Bekleidungsbedürsnisse (10). 
Transporte, sowohl der eigenen Lieferungen als 
der von rückwärts ankommenden Ausschreibungen, 
werden als Kriegslast unentgeltlich geleistet (11). 
Jeder Bundesstaat übernimmt die Verpflegung 
seiner Truppen auf ein Jahr (12). 
Die nach dem Frankfurter Vertrag Hesse» zu? 
stehende Verpflichtung zur Leistung von Geld 
beiträgen an die gemeinsame Kasse sowie zur 
Lieferung von Naturalien erforderte für das 
Land ganz bedeutende Opfer. Die Bildung hin 
reichender Magazine, die Lieferung von Lebens 
mitteln aller Art hielten nicht nur die unmäßigen 
Preise aufrecht, so daß z. B. ein Zentner Heu 
5 Guldeu kostete, sondern trieben sie noch weiter in 
die Höhe, da namentlich an Fourage ein großer 
Mangel in Aussicht stand. Jeder Staat mußte 
nach Verhältnis seiner Quadratmeilenzahl Beitrüge 
und Lieferungen ausbringen: man nahm für das 
Großherzogtum Hessen 205 Quadratmeilen an. 
Dazu kamen noch Leistungen anderer Art, die 
im Vertrag gar nicht vorgesehen waren; so mußte 
z. B. die Provinz Starkenburg 500 Klafter 
Brennholz für die Vorposten in Hochheim liefern, 
obwohl letzteres im Herzogtum Nassau lag; hier 
fand sich aber wenig Holz. Zur Öperationskasse 
mußte Hessen-Darmstadt nach dem Fuße von 
40 Millionen Gulden Einkünfte beitragen, eine 
Summe, „die man hier wenig geneigt ist, als 
erakt anzunehmen, und von der man einen Rabatt 
zu erhalten hofft". 
Rückkehr des grokherwalichen Kotes und fürstlicher 
Leluch in Darmstadt. 
Am 5. November kehrte der großherzogliche 
Hof von Mannheim nach Darmstadt zurück. An 
demselben Tage machte der Staatsminister von 
Lichtenberg durch folgende ProklamationZ, 
die in der Großherzoglichen Landeszeitung ver 
öffentlicht wurde, den Übertritt zu den Alliierten 
dem Lande bekannt: „Nachdem des Großherzvgs 
von Hessen, unseres allergnüdigsten Souveräns, 
Königliche Hoheit, Sich bewogen gesunden haben, 
mit den gegen Frankreich verbündeten und im 
Krieg stehenden Mächten unter dem 2. dieses 
Monats eine vorläufige Allianz-Konvention ab 
zuschließen, durch welche Se. Königliche Hoheit 
aus deu bisher mit Frankreich bestandenen Kon 
föderations-Verhältnissen getreten, und der Sache 
der gegen Frankreich verbündeten Mächte beizu 
treten und Mitalliierter derselben geworden sind, 
so wird solches allen Dienern, Unterthanen und An 
gehörigen im ganzen Großherzogtum zur Nachricht 
und Nachachtung hierdurch zu dem Ende öffentlich 
besannt gemacht, daß sie alle in die Großherzog 
lichen Lande einrückenden Truppen der alliierten 
Mächte als ihre treuen Freunde anzusehen, sie 
bestens aufzunehmen und sich von ihnen eine 
diesen Verhältnissen ganz entsprechende Behandlung 
zu gewärtigen haben." 
ff Veröffentlicht in der Großherzoglich Hessischen Zeitung 
auf das Jahr 1813.
	        

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