Volltext: Hessenland (16.1902)

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du Thil nach Aschaffenburg ab, um mit Wrede 
zu verhandeln. Immerhin war die Lage noch 
nicht geklärt: daher verließ Großherzog Ludwig 
am 27. Oktober Darmstadt, um sich nach Mann 
heim zu begeben. Bor seiner Abreise ernannte 
er eine Landesdirektorialkommission von fünf 
Mitgliedern unter dem Borsitze des Landgrafen 
Christian. 
Am 30. und 31. Oktober hatte sich Napoleon 
bei Hanau den Durchmarsch erkämpft, ohne daß 
es Wrede gelingen konnte, ihn aufzuhalten. 
Napoleon kam am 31. Oktober, 3 Uhr nachmittags, 
in Frankfurt an und nahm sein Hauptquartier 
im Garten des Herrn von Bethmann. Am 
1. November, nachmittags 1V« Uhr, reifte er 
von Frankfurt ab, um sein Hauptquartier in 
Höchst am Main aufzuschlagen. Von hier begab 
er sich am 2. November nach Mainz. Nachdem 
Napoleon nach dem Rhein retiriert war, zogen 
die Verbündeten am 2. November in Frankfurt ein. 
Die feit dem 26. Oktober von Baron du Thil 
begonnenen Verhandlungen mit Wrede wurden jetzt, 
da der letztere bei Hanau verwundet war, mit 
dem österreichischen General Fresnel fortgesetzt 
und führten am 2. November zum Abschluß der 
Militär-Konvention zu Dörnigheim a. M. 
Eingangs dieses Vertrags betont der Großherzog 
Ludwig, „daß er es als der Wohlthat seiner 
Unterthanen gemäß erachtet habe, sich von der 
Rheinischen Konföderation zu trennen, um der 
heiligen Sache der koalliierten Allerhöchsten Mächte 
beizutreten". Die abgeschlossene Militär-Kon 
vention sollte „bei dem unverzüglich mit den ver 
bündeten Allerhöchsten Mächten abzuschließenden 
Definitiv-Traktate zur Basis dienen". 
Der Dörnigheimer Vertrag enthält folgende 
drei Punkte: 
Artikel I. Se. Königliche Hoheit machen Sich an 
heischig in der kürzest möglichen Zeit alle disponiblen 
Truppen in Ihren Staaten zu dem verbündeten 
österreichifch-baierischen Armeekorps stoßen zu lassen. 
Artikel II. Verbinden Sich Se. Königliche 
Hoheit, diese Truppen nach Möglichkeit der in 
Jhro Gewalt stehenden Mittel zu vermehren und 
die Zahl und Gattung der in der Folge zu 
stellenden in dem Definitiv-Traktate bestimmt 
auszudrücken. 
Artikel III. Diese Truppen werden stets einen 
integrierenden Teil der verbündeten Armee aus 
machen und in dieser Hinsicht, so wie die der 
übrigen Allerhöchsten Alliierten verpflegt und be 
handelt werden. 
*) Veröffentlicht bei Geo fyreberic de Martens, Nouveau 
recueil de traites d’alliance etc. Tome IV. Göttingen 
1820. (Hofbibliothek Darmstadt.) 
Der französische Gesandte Vaudeuil in Darm- 
stadt, der, wenn auch nicht von dem Abschlüsse 
der Konvention unterrichtet, doch wohl die bevor 
stehenden Verhandlttngen Hessens mit den Ver 
bündeten vermuten mochte, traf am 4. November 
in Mannheim ein, um im Namen feines Kaisers 
vom Großherzoge eine bestimmte Erklärung ab 
zufordern, welcher Partei er sich anzuschließen 
gedenke. Zu seiner Sicherheit bot der Gesandte 
in Napoleons Aufträge dem Großherzoge ein Asyl 
in der Schweiz, Frankreich oder Italien an. 
Vaudeuil machte Ludwig Vorwürfe über die 
Verabschiedung seiner Truppen, die er doch dem 
Kaiser zur Unterstützung nach Frankreich hätte 
schicken sollen. Aber alle Überredungskünste und 
Drohungen, die in einer zweistündigen Unter 
redung der französische Gesandte anwandte, um 
Ludwig an Frankreichs Sache zu binden, scheiterten 
an dem festen Willen des Großherzogs, der durch 
den Umschwung der Verhältnisse gestärkt war. 
Vandenil verließ Darmstadt und begab sich mit 
seiner Familie nach Mainz. 
Der Frankfurter Vertrag vom 23. November 1813?) 
Dem Vertrage von Dörnigheim folgte am 
23. November der Vertrag zu Frankfurt, durch 
den der Anschluß des Großherzogs von Hessen 
in noch weiteren genaueren Bestimmungen vollendet 
wurde. Der Frankfurter Vertrag wurde ab 
geschlossen zwischen dem österreichischen Vertreter 
Baron Binder von Kriegelstein und dem 
hessischen Bevollmächtigten Guillaume Charles 
du Bos,Baron d u T h i l. Ein gleiches Exemplar 
dieses Vertrags wurde je unterzeichnet von dem 
russischen Vertreter Jean d'Anstett und dem 
preußischen Baron Wilhelm von Humboldt. 
Der Eingang des Schriftstücks beginnt mit den 
Worten: „Im Namen der heiligen Dreieinigkeit." 
Die fünf Artikel verbreiten sich über folgende Punkte: 
Artikel I bestimmt die Lossagung vom Rheinbünde. 
Artikel II verpflichtet den Großherzog, die Sache 
der deutschen Unabhängigkeit mit allen Mitteln 
zu unterstützen. Artikel 111 bespricht nochmals die 
Hilfeleistungen, die durch besondere Bestimmungen 
genauer festgelegt werden. Artikel IV sichert dem 
Grvßherzoge die Souveränetät und den Besitzstand 
zu. Dagegen verheißt der Großherzog, sich nach 
den Anordnungen zu richten, die später getroffen 
werden sollen, um Deutschlands Unabhängigkeit 
endgültig aufrecht zu erhallen. Durch Artikel V 
wird die schnellste Ausführung des Vertrages 
bestimmt. 
s ) Veröffentlicht bei Martens, Nouveau recueil de 
traites etc.
	        

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