Full text: Hessenland (16.1902)

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nachmittags um 4 Uhr nach Dresden, wo sie gleich 
vor der Bildergallerie abstiegen, hier hielten sie 
sich beinahe eine Stunde lang ans, nach diesem 
fahren sie in das Japanische Palais, um die 
Antiken zu besehen. Der Inspektor Wacker hier 
über ist aber ein Freund von Trinken und saß im 
Wirtshause davor, mithin mußten die ganzen Herr 
schaften unverrichteter Sache wieder wegfahren. 
Alsdann fuhren sie in das Grüne Gewölbe, um 
die Kostbarkeiten zu sehen; nach diesem ging die 
Redoute an, welche frei für 3000 Personen war. 
Mit dieser glänzenden Redoute wurde zugleich der 
neue Saal im Großen Opernhause eingeweihet. 
Fünfzig große Kronleuchter zierten diesen Saal, 
alle Logen waren noch außerdem mit Brillant- 
Kassel. 
« 
Aus Heimat 
H ist arische Ko m in iss i o n. Die fünfte Jahres 
versammlung der historischen Kommission für Hessen 
und Waldeck fand am 10. Mai im Senatsaale der 
Universität Marburg statt. Von auswärtigen 
Patronen und Mitgliedern waren erschienen die 
Herren Obervorsteher von Bnumbach-Kassel, Biblio 
thekar Dr. Ebel-Gießen, Generalmajor Eisentrant- 
Kassel , Baron G. von Eschwege-Reichensachsen, 
Baron F. von und zu Gilsa-Gilsa, Oberbiblio 
thekar Professor Dr. Haupt-Gießen. Dr. Kartels- 
Fulda, Landesrat Dr. Osius- Kassel, Geh. Justiz 
rat Professor Dr. Schmidt-Gießen, Sanitätsrat 
Dr. Schneider-Fulda, Landesbaukrat Freiherr Wolff 
von Gudenberg-Kassel, Akademielehrer Zimmermann- 
Hanau. Der Vorsitzende, Herr Professor Freiherr 
von der Ropp, begrüßte die Erschienenen und 
gedachte zunächst der im verflossenen Berichtsjahre 
verstorbenen Mitglieder der Kommission, der Herren 
Konservator Dr. Bickell und Major a. D. von 
Stamsord-Kassel, deren Andenken die Versammlung 
durch Erheben von den Sitzen ehrte. Sodann 
teilte er mit, daß Herr Professor Dr. von Below 
infolge seiner Übersiedelung nach Tübingen aus dem 
Vorstande der Kommission ausgeschieden sei, und 
die Versammlung wählte an seiner Stelle Herrn 
Professor Dr. Varrentrapp zum Vorstandsmitglied. 
Zn Mitgliedern der Kommission wühlte sie überdies 
die Herren Professor Dr. Dobenecker in Jena, 
Archivassistent Dr. Gundlach in Marburg, Privat 
dozent Dr. Köhler in Gießen, Bibliothekar Dr. Lange 
in Kassel und Professor Dr. Maaß in Marburg. — 
Als neue Patrone hat die Kommission den Kreis 
Fritzlar und das von Eschwege'sche Familienfidei- 
kommiß zu Reichensachsen gewonnen. Die Rech 
nung des Schatzmeisters, Herrn Geh. Archivrat 
leuchtern besetzt, dieses verursachte ein solches Blitzen, 
daß es beinahe die Augen nicht hätten vertragen 
können. Die Herrschaften fuhren bald um 8 Uhr 
wieder nach Pillnitz, weil sie den andern Morgen 
Sonntags frühe wieder wegreisten. Alsdann ging 
die Redoute noch recht an, es wurde hinein gelassen 
wer da wollte. Wein, Punsch, Kaffee, Kuchen war 
alsdann vor alle Menschen frei, auf den Schlag 
12 Uhr waren acht Zentner Wachs verschmolzen, 
die Quellen des Nektars versiegt wie der Bach 
Krit und die Freude hatte ein Ende. Gewiß bei 
5000 Menschen sahen in dem Augenblick deutlich 
ein, daß alles eitel und vergänglich sei hienieden, 
und suchten die Thüre. Von diesem allem bin ich 
Augenzeuge gewesen und hat mir sehr wohl gefallen." 
Toms Wolff. 
■«* 
und Fremde. * 
Dr. Könnecke, dem die Versammlung die Entlastung 
für seine Rechnungsführung erteilte, wies eine 
Jahreseinnahme von 6477 Mark auf, gegenüber 
einer Ausgabe von 5111 Mark. Im Drucke be 
findet sich je ein Band vom Fuldaer und Fried 
berger Urkuudenbuch, sowie die dritte Lieferung des 
hessischen Trachtenbuches von Herrn Geh. Rat 
Professor Dr. Justi, und zum Druck gelangt dem 
nächst der von Herrn Privatdozent Dr. Diemar 
bearbeitete Band der hessischen Chroniken. Die 
übrigen Arbeiten sind zumeist rüstig gefördert 
worden. Im Hinblick aus die zum Jahre 1904 bevor 
stehende vierte Zentennarfeier der Gebnrt Philipps 
des Großmütigen wurde die Herausgabe einer Fest 
schrift „Das Bild Philipps" beschlossen, deren 
Bearbeitung die Herren Geh. Archivrat Dr. Könnecke 
und Professor Dr. von Drach übernehmen. Der 
Jahresbericht wird demnächst erscheinen. 
Ilniversitätsnachricht. Professor Dr. Konrad 
H e l l w i g in Erlangen ist zum ordentlichen Professor 
der juristischen Fakultät an der Friedrich-Wilhelms- 
Universität in Berlin unter Verleihung des Charakters 
als Geheimer Justizrat ernannt worden. Professor 
Dr. Hellwig ist aus Zierenberg gebürtig. 
Hessische Volkskunde. In der Vereinigung 
für hessische Volkskunde in Gießen sprach der 
Schriftsteller Herr Alfred Bock über „Hochzeits- 
brüuche in Hessen und Nassau". Eine Cha 
rakteristik der hessischen Bauern leitete den Vortrag 
ein, alsdann zog Redner die Hochzeitsbräuche der 
heimatlichen Bezirke in den Kreis seiner Betrachtung 
und führte ans der Schwalm, dem Vogelsberg und 
dem Westerwald eine Reihe fesselnder und färben-
	        

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