Full text: Hessenland (16.1902)

vieler Menschen geworden ist, gibt keine Data an 
die Hand, wodurch die Ansicht, welche wir in dem 
am 10. Mai v. I. allerhöchsten Orts erstatteten 
Berichte ausgesprochen haben, modifiziert werden 
könnte, im Gegenteil scheint sie dieselbe zu bestätigen 
und wir sind daher der Meinung, daß, wenn dieses 
Getränk auch einzelnen Personen nicht gut bekommen 
sollte, dies nicht in der Natur des Felsenkellerbieres 
an sich liegt, sondern in der Individualität der 
Trinker, denen überhaupt wohl starke Getränke 
nicht zusagen. 
Aus Kurfürstlichem Obermedizinalkollegium, 
(gez.) Heraeus. 
vt. Schwarzenberg." 
Auf ein zweites Gesuch des Lahn erfolgte Beschluß: 
Wilhelmshöhe, 17. Sept. 1829. 
Bleibt bei der früheren abschläglichen 
U e s o 1 u t i o n. 
Wilhelm K.*) 
Ebenso aus ein erneuertes Gesuch des Heinrich 
Mayfarth: 
Kassel, 19. Februar 1830. 
Bleibt bei wiederholter abschläglicher 
11 6 8 o 1 u t i 0 II. 
Wilhelm K. 
Ein Gesuch des Mayfarth um Ausgrabung eines 
Kellers lediglich zur Aufbewahrung, nicht zum 
Verkaufe des Bieres wurde auch erst wiederholt 
abgeschlagen, dann aber genehmigt. Ebenso wurde 
das Gesuch von Heine genehmigt, nachdem er in 
zwischen den Garten, unter welchem er den Keller 
anzulegen gedachte und der damals von den Erben 
des Landesbibliotheks- und Museumsdirektors Ober 
hofrat Ludwig Völckel an den Schreinermeister 
Christian Eubel durch Kaufvertrag übergegangen 
war, kurz danach von dem letzteren käuflich er 
worben hatte. 
Tie weiteren Berhandlungen wegen Anlage von 
Felsenkellern im Weinberg und dessen nächster Um 
gebung, welche sich in das folgende Jahrzehnt 
hineinzogen, haben abgesehen davon, daß wieder 
einmal der Hofküsermeister Martin Reymüller als 
Bittsteller für seinen Bruder, den Bierbrauer Georg 
Reymüller, auftritt — soviel ersichtlich nur wegen 
eines Kellers zur Aufbewahrung von Bier — keine 
allgemeine Bedeutung. 
Vom Jahre 1830 an sind nun Jahrzehnte 
vier und nach dem Abgänge von Ostheim durch 
Verkauf au Gastwirt Höhmann (27. März 1852) 
drei Keller, von der Frankfurter Landstraße an 
beginnend: Peilert, Heine resp. Schwaner, Eissen- 
*) Eigenhändige feste Unterschrift des Kurfürsten Wil 
helm II. von Hessen (1821—1847). 
garthen, Hauptanziehungspunkte für die gesamte 
Kasseler Bevölkerung. Wegen ihrer geschützten 
Lage, ihrer gesunden Lust und der herrlichen 
Aussicht, welche mau von ihnen genießen konnte, 
wurden sie von Leuten aus allen Schichten auf 
gesucht, die Reisehandbücher führten unter den 
Sehenswürdigkeiten von Kassel die Felsen 
keller vor dem Frankfurter Thore auf und ver 
anlaßten viele Fremde, denselben einen Besuch ab 
zustatten. Der Heinesche, später Schwanersche Keller, 
auch Lippsius genannt nach einem langjährigen 
Bierschenker (1837 —1844), in der Mitte und am 
höchsten von den drei Kellern gelegen, scheint beim 
Abgänge von Lstheim dessen schweres Bier aus 
dem Baierlande und die noble Kundschaft abgefangen 
zu haben. Hier (von dem wohlbekannten Wirte 
Cimiotti in der Kölnischen Straße abgesehen) trafen 
sich die Offiziere der Kasseler Garnison und Zivil 
personen der höheren Stände, kurz ausgedrückt die 
oberen Zehntausend (bezw. Tausend», während die 
beiden anderen Felsenkeller von der übrigen Bürger 
schaft besucht wurden. Jeder der drei Keller war 
an schönen warmen Sommertagen bei guter Be 
leuchtung bis zum späten Abend von frohen Menschen 
gefüllt. Auch fanden hier öfters Bersammluugeu 
verschiedener Vereine statt; fröhlich gestimmte 
Sängerchöre ließen ihre Lieder vom Berge zum 
Thäte erschallen, wohl geschulte oder auch nicht 
geschulte Musikkapellen ihre Instrumente bis zur 
nahen Karlsaue erklingen. Alte und auch junge 
Kasselaner erzählen noch heute mit großer Freude 
und Begeisterung von den schönen Abenden, welche 
sie, nachdem sie des Tages Last und Hitze getragen, 
auf den Weinbergskellern mit der Familie nnd im 
Freundeskreise verbracht haben. Sogar die Dichtung 
hat sich derselben bemächtigt. Unser heimischer 
Dichter Ernst Koch (Eduard Helmer), welcher in 
der Nähe bei zwei alten Fräuleins Causid — jetzt 
Humboldtstraße Nr. 2 und 4 — wohnte und 
mit seinem Freunde Erasmus an einem Sonntag- 
Nachmittag von Wilhelmshöhe kommend die Felsen 
gärten besuchte, schildert in seinem köstlichen Roman 
„Prinz Rosa-Stramin" (S. 114 der Reclamschen 
Ausgabe) den schönen Ausblick: „Wir sahen von 
da, wie von einer Altane herab, in die weite Ebene, 
in den schönen rosigen Abend" — und die dort 
angetroffenen feinen Herren und Damen, sowie 
vier Tiroler Sänger, drei Männer und ein Mädchen, 
welche, schwarze spitze Filzhüte tragend mit breiten 
Rändern und Blumen daraus, ihre Alpenlieder 
ertönen ließen. 
Die vielen Bewohnern Kassels gewiß noch be 
kannte Zauberposse „Herkules oder Ambos und 
Aktien" von W. Lynker und I. Braunhvfer, Musik 
von Karl Graff (Kassel 1859) hat eine interessante
	        

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