Full text: Hessenland (16.1902)

Hessen-Darinftaöts Abfall von Napoleon I 
Non Or. pliiì. Berger in Gießen. 
Notwendigkeit des Anschlusses an Napoleon. 
Zur Abwehr der ihnen von dem neuen 
französischen Imperator, der bereits im Jahre 
1803 Hannover besetzt hatte, drohenden Gefahr 
schlossen im Jahre 1805 England, Rußland, 
Österreich und Schweden die dritte Koalition. 
Baiern, Württemberg und Baden, die, bei Er 
öffnung des französischen Feldzugs gegen Österreich 
in der Operationslinie des französischen Macht 
habers lagen, sahen sich genötigt, 1805 in ein 
Bundesverhältnis zu diesem zu treten. Ein gleiches 
Ansinnen an den Landgrafen Ludwig X. vou 
Hessen wurde von diesem mit der Begründung 
abgelehnt, „daß seine Pflicht ihn an das teutsche 
Reich und sein Oberhaupt binde". Napoleon 
schien diese Rücksicht zu achten. Die aus Hannover 
in Oberhessen einrückenden französischen Truppen 
fanden beim Durchmärsche rücksichtsvolle Aufnahme. 
Es war dies die Nachwirkung der humanen Be 
handlung, die Stadt und Universität Gießen im 
Revolutionskriege 1799 seitens des französischen 
Generals Bernadotte, der auch jetzt wieder das 
durchziehende Armeekorps kommandierte, erfahren 
hatte. Die Universität Gießeu, die der französische 
Befehlshaber in seinen besonderen Schutz genommen 
und mit kostbaren litterarischen Werken beschenkt 
hatte, gab ihrem Gönner Beweise des Dankes 
und der Verehrung und ernannte ihn später zum 
Ehrendoktor. 
Beim Heranmarsche der gesamten französischen 
Macht unter ihrem Kaiser wurde die Aufforderung 
Benutzte Quellen: 
A. Akten des Grvßherzogtich Hessischen Hans- und Staats 
archivs zu Darmstadt: 
1. Ministerial-Akten. Neutralität 1805. Verhand 
lungen und Ereignisse 1806. Rheinbund A. D. 
Convolut 1. 
2. Ministerial-Akten. Kriegserklärung und Friedens 
schlüsse 1812 —1814. Rheinbund A. D. Con 
volut 5. 
3. Ober-Kriegs-Collegial-Akten, die Reorganisation 
des Großherzoglichen Truppen - Corps betreffend 
vom 13. November 1813 bis August 1814, Nr. 1a. 
bis Io. 
an Hessen zum Beitritt mit der Erklärung wieder 
holt, daß bei fernerer Weigerung ein Okkupations 
heer von 10 000 Mann ins Land gelegt würde. 
Zur Vermeidung von Konflikten verließ Landgraf 
Ludwig Darmstadt, begab sich nach Gießen, nach 
dem er am 2. Oktober seinen Generaladjutanten 
von Moren ville zum Kaiser nach Ettlingen ent- 
saildt und die Unmöglichkeit seines Beitritts wegen 
der Rücksicht aus Preußen hatte erklären lassen. 
Die Stellung von 3000 Mann zu Napoleons 
Heer lehnte der Gesandte ab und bat um Ver 
schonung des Landes von Requisitionen. Über 
den Erfolg dieser Verhandlungen läßt der Land 
graf aus Gießen, den 11. Oktober 1805 x ) an 
seinen Geschäftsträger in Paris durch folgendes 
Schreiben berichten: „Der Major von Moren- 
ville ist am 3. d. M. von seiner Sendung zurück 
gekehrt. Er hatte den Kaiser Napoleon zu 
Ettlingen im Badenschen erreicht. Se. Majestät 
würdigten ihn einer sehr ausführlichen Unterredung, 
worin Sie zu beweisen suchten, daß es das wahre 
Interesse des Herrn Landgrafen erheische, sich eng 
mit Frankreich zu verbinden, und die Verhältnisse 
wieder herzustellen, worin sich das Haus Hessen- 
Darmstadt ehemals gegen die Könige der dritten 
Dynastie befunden habe. Für jetzt begehrte der 
Kaiser wiederholt und dringend die Stellung 
eines Korps von 3000 Mann .... Verweigere 
man ihm die 3000 Mann, so werde er zwar 
deswegen das Land nicht feindlich behandeln, aber 
dann wissen, was er zu thun, und woran er sich 
zu halten habe. Er werde sich alsdann, statt 
ö. Druckschriften: 
4. Steiner, LudwigI., Großherzog vvn Hessen und bei 
Rhein, nach seinem Leben und Wirken. Offenbach 1842. 
5. Arthur Kleinschmidt, Bayern und Hessen 
1799—1816. Berlin «Verlag von I. Rüde) 1900. 
6. D e M a r t e n s. G. Frédér., Nouveau recueil 
do traités d’alliance, de paix, de trêve, de 
neutralité, de commerce etc. des puissances et 
états de l’Europe. Tome IV. 1808—1819. 
à Gottingue 1820. sDarmstädter Hofbibliothek. I 
7. Großherzoglich Hessische Zeitung auf das Jahr 1813. 
’) Darmstädter Archiv: Ministerial-Akten. Neutralität 
1805. Verhandlungen lind Ereignisse 1806. Rheinbund 
A. D. Convolut I.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.