Full text: Hessenland (16.1902)

M 10. 
XVI. Jahrgang. 
Kassel. 16. Mai 1902. 
Rückkehr. 
I. 
kehr' mich so einfach sein wie Du, 
kehr' mich so selbstvergessen sein! 
So schlicht in dem, was wahr und recht, 
In meiner Lieb' so stark und rein! 
Ich wandre durch den lauten Markt 
Des kebens meiner Jugend zn. 
Zu Deinen Füßen sitz' ich still, 
Don Dir beschirmt in sel'ger Ruh. 
In Dein gefurchtes Angesicht 
Und in Dein Auge scharf und klar 
Schau' ich empor, wie damals, da 
Ich unbewußt Dein Kind nur war. 
Da lernt' ich nicht genug von Dir. 
Nun kehr' ich wieder, schamvoll fast, 
Und werde nach so langer Zeit 
All Deiner reichen Güte Gast 
Und beuge unter Deine Hand 
Mein müdes Haupt und fleh' Dich an: 
Mach' mich so einfach, wie Du warst, 
Der heilig seine Pflicht gethan. 
II. 
Schwer fiel auf Dich die Hand des Schicksals nieder, 
So schwer, so hart, daß Deine Kraft erlahmte 
Und daß Dein stolzer Schritt nicht überbrückte 
Den Wust, den rings um Dich das Leben kramte. 
So wardst Du still. Dich trug nicht hoch zum Fimmel 
Lin stolzer Flug, ein heißer Traun: des Glückes — 
Mit kleinem Maß teilt' Dir die karge Gabe 
Die geiz'ge Laune ärmlichen Geschickes. 
Doch warst Du groß. Aus Deiner Kleinheit hat 
Lin starker Wille Dich zum Ziel getragen! 
Und ewig bleibst Du für Dein suchend Kind 
Lin leuchtend Beispiel in des Lebens Tagen. 
Regensburg Cberese Keiter Kellner (m. fkrbert). 
Klage der Verlorenen. 
wer rettet? wer rät? 
Zu spät! — Zu spät! 
wir haben verloren 
Den weg zu den Thoren 
Ins ewige Licht. 
Auch finde» wir nicht 
Die Straße zurück 
Zum leuchtenden Glück, 
Zum Glück neu-lachenden Lebens, 
vergebens 
Schien uns das Licht. 
Am willen zerbricht 
Der Gottheit gütigste Gabe: 
Und wir wollten nicht! 
Nun zieh'n wir zum gähnenden Grabe, 
Zu Gräbern ohn' Ruh' . . . 
Hülle uns zu, 
Mantel der Nacht, 
Schirmende Macht 
Aller von Schmerzen 
Zerrissenen Herzen . . . 
Doch bricht ein Schein 
Allmächt'ger Erlösung 
In Höllen hinein — 
Dann gib Genesung 
Der Sehnsucht der Sünder, 
Dem Heimweh der Späten, 
Die darum. Herr, beten: 
Daß all' Deine Kinder, 
In Reue gereinigt, 
Lin Himmel vereinigt. 
Vberklingen. Karl krNSt KNSÜt.
	        

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